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Die Ente 2 CV: Existentialistisches Bäuerchen

Sie wurde nicht gekauft, um Eindruck zu schinden. Die Ente, der 2CV, verkörperte Lebensart. Technisch Finessen und die Reduzierung aufs Wesentliche machte die Ente zum automobilen Vertreter des Existenzialismus.

In der Aufbruchszeit der sechziger und siebziger Jahre war die "Ente", der 2CV, eines der Lieblingsautos aller Individualisten, Existenzialisten, Sozialarbeiter und Studenten. Mit Frankreich und seinen preisgünstigen Automobilen assoziierte man jene Art von Lebensart und Offenheit, die den Deutschen in der Wirtschaftswunder Nachkriegsrepublik fehlte: Arm aber sexy! Baguette, l´amour, olála, comme si - comme ca und eben die Ente, der Döschewoo, wie er in Frankreich hieß. In den Jahren 1959 bis 1992 wurden in Deutschland mehr als eine Viertelmillion Enten verkauft.

Peter Kurze und Ulrich Knaack haben sich mit ihrem Buch "Die Ente - Lebensfreude auf Rädern" an die Geschichte des kultigen Automobils gewagt. Ulrich Knaack, bekennender Frankreichliebhaber und Citroen Fahrer und Peter Kurze, Freund und Kenner der Nachkriegsfahrzeuge, zollen in ihrem kenntnisreichen Buch auf 110 Seiten mit seltenem Fotomaterial den technischen Finessen Respekt und widmen sich dem Image, mit dem die Ente in Europa vermarktet wurde.

Konzipiert wurde die Ente von Pierre Boulanger als TPV, "tout petit voiture", als ganz kleines Auto. Die Idee war genial: Citröen, damals zur Michelin Gruppe gehörend, baute "ein preisgünstiges Auto für Bauern, kleine Händler und Handwerker, das vier Personen sowie ein Maximum an sperriger Ladung flexibel und gut gefedert beförderte und das bei geringstem Kaufpreis und niedrigsten Treibstoffkosten das Volksauto der Stunde sein musste". Und damit die Zweckmäßigkeit des Fahrzeugs nicht unter den Designvorstellungen der Stylisten litt, wurde Chefdesigner Bertoni von der Entwicklung der Ente ferngehalten. Der Designer entwarf später die "Sahneschlitten" DS, (die Göttin) und den Ami 6, Kultstücke im Karosseriebau.

Ein sperriges Äußeres, technische Finessen und geniale Vereinfachungen zeichneten die Enten aus: Ein Scheibenwischer, der vom Kilometerzähler angetrieben wurde, ein Faltdach, das sich bis zur Stoßstange hinunter falten ließ, eine geniale Federung und die so genannten Yoder-Scharniere. Das sind spiralförmig gewickelte Blechprofile, die anstelle eines Scharniers einfach ineinander geschoben wurden. Damit konnte man die Ente ohne die Hilfe einer Werkstatt fast komplett auseinander nehmen. Auf einem Werbefoto aus den Niederlanden von 1961, der Name Ente ist übrigens eine holländische Erfindung, sieht man eine strahlende Familie am Ufer eines Freizeitsees. Das Entlein vollkommen demontiert. Im Vordergrund hockt die hübsche Tochter in Brigitte Bardot Manier und hält die vordere Tür eingeklemmt zwischen den Beinen, als sei sie eine kostbare Harfe. Selbstverständlich sitzt die Elfe dabei auf dem ausgebauten Vordersitz.

Vergleicht man die Entensitze mit den heutigen Rückenmassagehightechsesseln, so kann man nachträglich nur schmerzhaft grunzen. Drahtgestelle mit Stoffbespannungen waren es, einem Campingstuhl ähnlicher als einem Autositz. Dafür konnte man sie für ein Picknick im Grünen blitzschnell auf die Wiese stellen. Wer je in einer Ente als Dritter hinten auf der Rücksitzbank auf der Mittelstange hocken musste, kannte den Schwachpunkt des Systems. Aber: Hatte nicht Citroen einen Wagen für Vier versprochen?

Eine echte Super Ente war die Sahara-Ente, die Geländeversion mit Vierradantrieb. Fünf Jahre lang, von 61 bis 66 wurde sie weniger als 700-mal gebaut und gilt unter Kennern heute noch als die Kuriosität im Ententeich. Äußerlich war sie sofort am fünften Rad, am Reservereifen erkennbar, der auf der Haube aufmontiert war. Der Kofferraum wurde für den zweiten Motor und ein zweites Getriebe gebraucht. Die Sahara-Ente war ursprünglich als Behördenfahrzeug konzipiert worden. Man kann sich auch ohne viel Fantasie Briefträger Monsieur Hulot in der Sahara-Ente eine Düne hinauf keuchend, vorstellen.

Verkauft hat sich die Wüsten-Ente leider schlecht. Vor allem in Deutschland. Ein Standard 2CV kostete damals 3. 890 Mark. Die Sahara Version blieb mit 9.350 Mark um einiges teurer als der Mercedes 180 Ponton (8.700 Mark) oder die Isabella von Borgward (8.900 Mark). Kofferraum gab es nicht und die beiden Tanks lagen offen im Innenraum unter den Sitzen. "Das ohnehin nicht geringe Geräuschniveau durch die hochgedrehten, gekühlten Boxer wurde durch die Dopplung des Antriebs im Heck noch deutlich überboten. Nach heutigen Sicherheitsvorschriften hätte kein Sahara Fahrer das Auto jemals ohne Ohrenschützer und feuerfesten Rallye-Kombi nützen dürfen, falls es überhaupt noch für die Strasse zugelassen würde", bekennt kritisch der Autor.

Während der aktiven Entenjahre hielt sich ein hartnäckiges Gerücht: Wer es schafft, eine Ente während der Fahrt umzuschmeißen, der bekommt eine Neue. Die Ente ohne helfende Rampe umzuschmeißen, war unmöglich. Eine Ente schaukelte gewaltig, aber sie blieb stehen. Die Enten wurden bis zum letzten französischen Baujahr 1988, aus Portugal gab es sie noch länger, ohne "Facelift", also immer in der gleichen Form verkauft.

Die Ente war kein Auto für Statussymbolsucher. Schon früh lancierte Citroen Werbekampagnen, in denen fröhliche, unkonventionelle junge Menschen aus dem aufgeknöpften Entendach zur Sonne, zur Freiheit strebten oder nachdenkliche Studenten auf der Entenhaube "Sartre" lasen. Und: In sämtlichen Kontaktbörsen rund um die Szenemagazine konnte man in den Siebzigeren auf der Suche nach einer neuen Beziehung aus der Bezeichnung "Entenfahrer" ein komplettes Persönlichkeitsprofil herauslesen.

Marina Kramper

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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