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Kommentar

Verkehrschaos: Die Pest der Lieferdienste – wie rücksichtslose Lieferanten den Verkehr erdrosseln

Die Städte ersticken in immer mehr Verkehr? Das stimmt nur so zu Hälfte. In Wirklichkeit kommt der Verkehr durch die Fahrer der Lieferdienste zum Erliegen. Strafe müssen die Fahrer kaum fürchten, also lassen sie die anderen warten.

Vorne steht der Lieferwagen, hinten kocht sie am Steuer.

Vorne steht der Lieferwagen, hinten kocht sie am Steuer.

Zwei oder dreispurig geht es in die Städte hinein, aber eine Spur kann man in Deutschland getrost abhaken: Die rechte nämlich. Sie ist in Deutschland als Dauerparkplatz reserviert. Der Grund: Es wird immer mehr und immer häufiger geliefert. Also bricht jeden Morgen ein Schwarm von Kleinlastern über die Republik hinein. Und im Bewusstsein der Fahrer kommt ihre Lieferung von Rapsöl an den Eck-Italiener in der Dringlichkeit gleich hinter der Kanzlerin oder der Feuerwehr.

Ihre Vorstellung: Ist doch egal ob Hunderte  warten müssen, Hauptsache mein Öl kommt an. Fahrradfahrer regen sich gern auf, dass ihre Wege zugeparkt sind – auf die Hauptverkehrsstraßen trifft das noch mehr zu. Ganz egal ob DHL oder Pizza-Bringdienst sie alle blockieren den Straßenraum. Ganz besonders penetrant sind Baustellen. Dort können durchaus schon mal fünf Mischer stundenlang die Straße blockieren. Auf dem Weg ins Büro geht es mitten durch das engbebaute Altona. Jeden zweiten Tag stehen dort die Fahrzeugkolonnen, weil mitten auf der schmalen Straße ein Lkw ruht und ein einzelner Herr dort in aller Seelenruhe seine Kisten auflädt.

Minimale Bußen

Besonders schlimm wird es, wenn parallel zur Straße noch eine oberirdische Straßenbahnlinie verläuft. Dann wird die zweispurige Fahrbahn zum undurchdringlichen Nadelöhr für alle Beteiligten. Wer glaubt, dass DHL, Hermes oder UPS auf den Verkehrsfluss Rücksicht nehmen würden, träumt. Es ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden, dass der Anlieferer direkt vor dem Geschäft die Straße blockieren darf. 

Der Kunde geht immer vor. Besonders absurd: Neubauten von Hotels oder Einkaufszeilen müssen durchaus Parkplätze für den Lieferverkehr einplanen. Größere Baustellen auch. Nur werden diese Plätze meist von Angestellten oder Kunden genutzt. Wieso auch einen Parkplatz für ein Stunde Lieferverkehr am Tag reservieren? Soll der Bote doch auf der Straße parken.

De Polizei geht gegen diesen Unsitten kaum vor. Doch wer mal erwischt wird, wird pfleglich behandelt. Wenn man  in zweiter Reihe hält, ist man mit 15 Euro dabei. Wer sein Auto verlässt oder länger als drei Minuten hält, der parkt - und dann wird es etwas teurer. 20 Euro sind beim Parken in zweiter Reihe fällig. Behindert man dabei den Verkehr und parkt länger als eine Stunde, wächst das Bußgeldkonto auf 35 Euro. Übersetzt heißt das: Steht der Lieferwagen zwei Stunden lang an einer engen Stelle und produziert so einen Dauerstau macht es eben gerade 35 Euro – angemessen ist das nicht.

Absurd wird es vor allem, wenn man daran denkt, wie penibel sonst der ruhende Verkehr reguliert wird. Vielerorts bekommt man mit absoluter Sicherheit ein Knöllchen, wenn die Parkuhr eine halbe Stunde abgelaufen ist.

Paketebote


Radikale Schritte  

Die Nöte der Lieferanten kann jeder persönlich verstehen, aber eine Lösung für diese Dilemma muss von DHL und Co kommen und nicht von der Allgemeinheit. Und wie kann man auf die Idee kommen, ein Geschäft mit Fahrzeugverkehr zu betreiben, aber die Parkplätze einzusparen? 

Helfen würden nur radikale Lösungen: Fahrzeug inklusive Ladung abschleppen lassen und erst nach drei Tagen wieder frei geben. Dann gäbe es 14 Tage lang ein gigantisches Chaos mehr, danach hätten alle ihre Lektion gelernt.


Kra mit Pressinform

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