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Essen Motor Show: Nur die Medien lieben Öko-Tuning

Angeben mit Verbrauchsvorteil funktioniert leider nicht, das muss Autoveredler Abt erfahren. Am getunten Minderverbrauch seien vor allem die Medien interessiert, sagt Abt-Sprecher Florian Büngener.

Von Sebastian Viehmann

PS-starke Boliden sind auch auf der 40. Essen Motor Show die Stars. Zwar scheint das Thema Optik gegenüber der Leistung an Boden zu gewinnen, doch ein Blick auf die technischen Daten der Tuningautos verrät: Da steckt immer noch viel mehr drin, als es sich der Hersteller der Basisfahrzeuge hätten träumen lassen. Tuning-Fans wollen sich eben nicht vorschreiben lassen, schnelle Autos plötzlich nicht mehr gut zu finden.

Dennoch ist das Thema "Eco-Tuning" - so wird das Öko-Tuning neudeutsch umschrieben- in aller Munde. Der Autoveredler Abt Sportsline aus Kempten hat dem Thema schon vor zwei Jahren eine eigene Produktreihe gewidmet und nennt sie "intelligentSport". Als Basismotor hat sich Abt den weit verbreiteten 2.0 TFSI-Motor aus dem Volkswagen-Konzern ausgesucht. Der Abt TT-iS auf Audi TT-Basis zum Beispiel leistet 240 PS statt der 200 PS des normalen TT 2.0 TFSI, verbraucht aber weniger. Der Widerspruch zwischen mehr Leistung und weniger Verbrauch ist nur ein scheinbarer. Denn Abt steigert nicht nur Leistung und Drehmoment, sondern ändert auch die Getriebeübersetzung des Audi. In den Gängen drei bis sechs werden die Drehzahlen und damit der Verbrauch deutlich gesenkt. Dieses uralte Prinzip wird zum Beispiel auch in der BlueMotion-Technologie von VW genutzt. Die lange Übersetzung wiederum kompensiert Abt durch die Drehmoment- und Leistungssteigerung.

Mindestens ein Liter weniger

Abt verspricht für seinen getunten 2.0 TFSI-Motor, den es auch für Modelle wie den Golf GTI, Skoda Octavia RS oder Seat Leon gibt, einen Verbrauchsvorteil zwischen einem und vier Litern. Der Fahrer kann die Leistungs- und Beschleunigungswerte des Autos außerdem durch die Auswahl der Spritsorte selbst beeinflussen. Ein spezielles Motorsteuergerät erkennt automatisch die Kraftstoffqualität und ändert die Parameter für Zündung, Gemisch und Ladedruck. Mit Normalbenzin leistet der Motor 200 PS, was dem Serienmodell entspricht. Mit Super steigt die Leistung um 20 auf 220 PS, bei Super Plus im Tank sind es 240 PS. Gleichzeitig klettert das Drehmoment auf 330 Newtonmeter.

Auch die klassischen Chip-Tuner entwickeln Steuergeräte, die den Verbrauch optimieren sollen. "Eine Nachfrage ist da, weil das ökologische Bewusstsein der Menschen deutlich gestiegen ist. Allerdings spielt selbst bei Kunden, die speziell an Eco-Tuning interessiert sind, immer auch das Plus an Leistung eine Rolle", sagt Jürgen Kasparek vom Chip-Tuner DTE Systems aus Recklinghausen. Bei SKN aus Niedersachsen haben sich die Bereiche Eco-Tuning und Autogas als neue Säulen neben dem traditionellen Chip-Tuning etabliert. "Eco-Tuning ist auf dem Vormarsch und wird so schnell wohl nicht aus der Mode kommen. Denn auch Kunden, die sich Fahrzeuge mit viel Hubraum zulegen, denken über eine Autogas-Umrüstung oder Eco-Software nach", sagt Dorina Dammköhler von SKN.

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Vor allem ein Medienthema

Abt-Sprecher Florian Büngener dagegen beobachtet, dass viele Kunden mit dem Thema Eco-Tuning noch sehr zurückhaltend umgehen. "Es ist ein Trend, der vor allem in den Medien Aufmerksamkeit findet. Möglicherweise ist den Kunden das Thema einfach zu abstrakt, oder sie sind sich nicht sicher, ob sich die Investition für sie lohnt", meint Büngener. Die Nachfrage nach Eco-Tuning sei nicht so groß, wie es in der Öffentlichkeit den Anschein habe.

Der neue Trend der Autohersteller zum Downsizing bietet den Tunern allerdings eine optimale Spielwiese, um weiter an effizienter Leistungssteigerung zu arbeiten. "Die 1.4-Liter TSI-Motoren aus dem Volkswagen-Konzern sind für uns eine perfekte Basis, ebenso der neue 1.8 TFSI ", sagt Abt-Sprecher Florian Büngener. Dem Aggregat will Abt neben anderen Maßnahmen einen stärkeren Turbolader spendieren. Die Leistung könnte auf etwa 250 PS steigen. Ein normaler Audi A4 1.8 TFSI zum Beispiel bringt es auf 160 PS.

Selbst die Tempolimit-Diskussion scheint alteingesessene Unternehmen wie Abt übrigens nicht zu schrecken. "Es geht bei unseren Fahrzeugen ja nicht nur um die Endgeschwindigkeit: Die Leute lieben das andere Fahrverhalten und das Mehr an Newtonmetern – zum Beispiel den Druck, den das Auto beim Überholen entwickelt", so Florian Büngener.

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