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Ford F-150: Ein Cowboy erobert die Zukunft

Kein Auto auf der Welt läuft häufiger vom Band als der Ford F-150. Der mächtige Pick Up dominiert seit Jahrzehnten die US-Verkaufsstatistiken. Die Amerikaner konnten dem bärenstarken Arbeitstier inzwischen Eleganz und gemäßigte Trinksitten beibringen.

Was dem Deutschen sein VW Golf ist dem Amerikaner der Ford F-150 – ein Bestseller und ein Auto für jede Lebenslage. Der Ford F-150 war schon immer eine stattliche Erscheinung. Die kantigen Zeiten der 80er und frühen 90er Jahre sind vorbei. Ebenso die rundlich organischen Formen, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre sämtliche US-Modelle verunglimpften. Ford, einziger der drei großen US-Hersteller, der ohne großzügige Dreingaben der Regierung im Spiel blieb, ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Neben dem neuen Weltauto Ford Focus sind der sportliche Mustang und die praktische Allzweckwaffe F-150 die Eckpfeiler im Modellprogramm. Der Full-Size-Pick-Up, wie die Amerikaner die großen Geländewagen vom Typ Dodge RAM, Toyota Tundra, Chevrolet Silverado oder eben den Ford F-150 nennen, stehen in den Einfahrten der urbanen Regionen von San Diego oder Miami ebenso wie auf einer Ranch in Texas oder in den unwegsamen Bergregionen entlang der kanadischen Grenze. Jeder in den USA mag den F-150 und fast jeder hat schon einmal einen gefahren.

Während die Pick Ups in Europa nie den rechten Durchbruch schafften, gehören sie in Nordamerika seit den 50er Jahren zu den an meisten verkauften Autos überhaupt. Der Platzhirsch heißt seit 1948 Ford F-150 und stellt von den Volumina selbst den europäischen Bestseller VW Golf in den Schatten. In Wolfsburg ermöglichen Bluemotion-Technologie, kleine Hubräume und Turboaufladungen geringere Verbräuche, ähnlich sieht es beim deutlich größer dimensionierten Gegenüber in den USA aus. Die Lastesel aus Dearborn sind längst auf dem Ökotrip.

Ford F-150: Big American
Der F-150 ist ein Full-Size-Pick-Up, wie Dodge RAM, Toyota Tundra oder Chevrolet Silverado.

Der F-150 ist ein Full-Size-Pick-Up, wie Dodge RAM, Toyota Tundra oder Chevrolet Silverado.

Allradantrieb für echten Geländeeinsatz

Natürlich hat Ford ebenso wie die Konkurrenz nach wie vor mächtige V8-Triebwerke im Köcher . Doch das neue Schmuckstück der Motorenpalette ist der 3,5 Liter große Ecoboost-Motor, der 370 PS und 590 Nm maximales Drehmoment leistet. Damit kann er als Allradler stattliche 5,3 Tonnen schwere Anhänger ziehen und auf der Ladefläche knapp 1,3 Tonnen schleppen. Das ist rund doppelt so viel wie das Basismodell des 302 PS starken Ford F-150 3.7 V6 ohne Turboaufladung. Damit steckt das Kampfgefährt aus der Nähe von Detroit selbst die V8-Konkurrenz von Dodge RAM 5.7 und Toyota Tundra 5.4 in die Tasche. Bei aller Leistung ist das Ecoboost-Triebwerk vergleichsweise sparsam. Ford verspricht je nach Gangart zwischen 15 und 21 Meilen pro Gallone. In der Realität lässt sich der Power-Pick-Up mit rund 17 bis 18 Meilen pro Gallone bewegen. Umgerechnet sind das knapp 15 Liter Super auf 100 Kilometern. Auf längeren Highway-Passagen lässt sich der Verbrauch auf unter zwölf Liter drücken. Das sind rund 30 Prozent weniger als vor ein paar Jahren. Der Vergleich mit einem Pkw verbietet sich: Der F 150 ist kein Fahrzeug für den Boulevard, sondern ein Schwerstarbeiter, der auch unter extremen Bedingungen nicht versagt.

Der 3,5 Liter große Sechszylinder schiebt nach kurzer Verzögerung gewaltig an. Selbst unter maximaler Lastanforderung gibt es kaum einen Unterschied zu einem V8-Triebwerk. Das doppelt aufgeladene V6-Triebwerk ist drehfreudig und allenfalls die sechsstufige Getriebeautomatik macht bisweilen einen leicht unwilligen Eindruck. Stark ist der F-150 FX4 auch im Gelände. Dafür sorgen die auf Wunsch grobstolligen 20-Zoll-Räder, die knapp 22 Zentimeter Bodenfreiheit, der Allradantrieb und die Differentialsperre an der Hinterachse. Der Allradantrieb lässt sich jederzeit manuell zuschalten. Den Spurt 0 auf Tempo 100 schafft der Allradler in knapp neun Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 170 km/h. Hier kosten die schlechte Aerodynamik und die offene Ladefläche bessere Werte.

Ein teurer Pick Up ist ein schlechter Pick Up

Der 5,89 Meter lange Ford F-150 Supercab FX-4 hat nicht nur durch seine schiere Größe einen imposanten Auftritt. In das Führerhaus kraxelt man förmlich herein und blickt auf andere Wagen am der Ampelkreuzung fast mitleidig herab. Die aktuelle F-150-Generation hat sich im Innenraum mächtig gemacht. Die Arbeitskanzel vergangener Jahre, die eher dem Führerstand eines Großbaggers entsprach, ist verschwunden. Wenn man sich an die leicht verspielten Instrumente gewöhnt hat, findet man sich bestens zurecht. Wer den F-150 startet, blickt zwischen den beiden Analoguhren auf eine mehrfarbige Multifunktionsanzeige auf der der Schriftzug "Built Tough" nicht nur beim ersten Mal Eindruck macht.

Schalter und Bedienelemente unterscheiden sich nicht nennenswert von denen bekannter Ford-Crossover. Die Sitze sind großzügig dimensioniert und die Rundumsicht ist trotz der Abmessungen sehr ordentlich. Den unsichtbaren Bereich hinter der großen Ladeklappe erhellt eine Minikamera, die das etwas zu unscharfe Bild in den Innenspiegel projiziert. Ein unfallverhütendes Feature, das in Europa auch bei den wesentlich unübersichtlicheren Lieferwagen keineswegs Standard ist.

Doch wo bei Fahrzeugen kleinerer Klassen im Außenspiegel längst elektronische Totwinkelassistenten untergebracht sind, gibt es beim F-150 einen unglücklich positionierten Totwinkelspiegel. Bringt nicht viel und schränkt das Blickfeld nach hinten ein. So wohnlich und limousinenhaft sich der Innenraum des Ford F-150 mittlerweile präsentiert, so wenig hat sich beim Fahrverhalten getan. Die Regel, wonach man einen Pick Up mit leerer Ladefläche nur mit großer Vorsicht bewegen sollte, gilt weiterhin. Auch der Dearborn-Lastesel ist ohne Fracht sehr rumpelig auf der Hinterachse unterwegs. Das merken die Passagiere, die den Fond des Supercab über die gegenläufig öffnenden Türen erklommen haben. Auch hier lässt es sich auf den weichen Ledersitzen aushalten. An die steile Rückenlehne muss man sich jedoch ebenso gewöhnen wie an die bauartbedingt im 90-Grad-Winkel stehende Heckscheibe, deren zentrale Luke sich elektrisch öffnen lässt.

Praktisch: in der Mittelkonsole gibt es nicht nur viel Platz für Gegenstände aller Art, sondern auch einen 110-Volt-Anschluss. Der Pick-Up-Kunde mag es eben gerne praktisch.

Das gilt auch für den Preis. Ein teurer Pick Up ist ein schlechter Pick Up – heißt es nicht nur in Texas. Ein Erfolg des Ford F-150 ist sein konkurrenzfähiger Preis. Das Basismodell startet mit kleiner Kabine bei knapp 24.000 Dollar. Der gut ausgestattete Ford F-150 FX4 3.5 Ecoboost kostet mindestens 38.475 Dollar – umgerechnet 28.500 Euro. Viel Autos fürs Geld, denn Händler geben bei den Pick-Up-Modellen auf dem Hof kräftige Rabatte. Heißt, für die Allzweckwaffe aus Dearborn zahlen viele unter dem Strich nicht mehr als 23.000 Euro. Für das Geld gibt es bei VW eine Golf Diesel der 100 PS-Klasse mit Grundausstattung.

Stefan Grundhoff/Press-Inform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.