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Pick-up-Land USA: Auf die Größe kommt es an

Nirgends auf der Welt sind Pick-ups beliebter als in den USA und nirgendwo Kleinwagen unbeliebter. Freizeitnutzen und schiere Größe überzeugen die privaten Käufer. Viele nutzen ihren Pick-up allerdings für den Beruf.

Der Pick-up ist ein Lastwagen. Rustikaler Aufbau, vorne der Motor mit angeschlossener Kabine für Fahrer und Passagiere, dahinter die Ladefläche, die bisweilen bis zu einer Tonne Zuladung schleppen kann. Quadratisch – praktisch – gut. Für Landwirte und Handwerker gibt es bis heute kaum etwas Praktischeres als einen Pick-up für das harte Alltagsleben. In Europa kamen die Autos mit der Ladefläche über die Rolle eines unwichtigen Nebendarstellers nicht heraus. Der einstige Lastwagen für Landwirte und Gewerbetreibende schaffte in den 40er und 50er Jahren den Sprung in die US-Städte. Schnell wurden Modelle wie der Ford F-150 zum beliebtesten Auto der USA. Im kalten Norden dient ein alter Pick-up häufig als Schneeauto für die kalte Jahreszeit. Im Straßenbild sieht man an Rasenmähern, Futtersäcken und Baumaterial auf der Ladefläche, dass viele Pick-ups echte Arbeitstiere sind. Dank der Lkw-Konstruktion mit Leiterrahmen und robusten Achsen ist die Basis dieser Wagen praktisch unkaputtbar.

Praktisch sind Allradantrieb, mächtige Achtzylindermotoren und die große Ladefläche für Freizeitfans. Zeit in der Natur verbringen, bedeutet in den USA meist nicht wandern. Mountainbike, Motorrad, geschossenes Wild, Ski und Zelte finden im US-Alltag Platz auf den Ladeflächen von Bestsellern wie Toyota Tundra, Chevrolet Silverado oder GMC Sierra.

Beliebteste Autogattung

Als die US-Autoindustrie 2008 und 2009 düstere Jahre erlebte, fielen auch die mächtigen Pick-ups in ein Verkaufstief. Doch 2010 war der Pick-up wieder da. Zwei Millionen Pick-up-Zulassungen sind bei knapp zwölf Millionen Gesamtzulassungen in Amerika eine beeindruckende Zahl. Keine andere Autoklasse wird derart klassenübergreifend geliebt. Die Prognose, dass die Amerikaner auch an kleineren Wagen Gefallen finden werden, hat sich dagegen nicht bewahrheitet. Der Toyota Tundra ist seit Jahren einer der imageträchtigsten Pick Ups auf dem US-Markt. Neben dem 5,81 Meter langen und 2,6 Tonnen schweren Toyota Tundra sieht ein Range Rover aus wie ein aufgeblasener VW Golf. Die Beliebtheit eines Groß-Pick-ups wie dem Toyota Tundra kommt nicht von ungefähr. Wer sich für die Version Crewcab Limited entscheidet, bekommt üppige Platzverhältnisse für bis zu fünf Personen, eine Luxusausstattung, Allradantrieb, 375 PS und einen schier unbegrenzten Alltagsnutzen. Bestseller ist seit Jahren der Ford F-150, der jüngst seinen 60. Geburtstag feierte. Der Ford Pick-up ist das erfolgreichste Auto der USA. Den Liebling der Massen gibt es ebenso wie seine Konkurrenten Chevrolet Silverado, Toyota Tundra, Dodge RAM und GMC Sierra als Edelversion des Silverado in unzähligen Varianten.

Die meisten der Groß-Pick-ups werden von mächtigen V8-Benzinern angetrieben. Nur vergleichsweise wenige laufen als Diesel. Ein Grund ist das nach wie vor schlechte Image der Dieselmotoren in den USA und die Tatsache, dass eine Gallone Kraftstoff (3,8 Liter) kaum mehr als drei Dollar kostet. Ein strikte Tempolimit und unaufgeregte Fahrsitten mindern den Benzindurst der Maschinen. Zudem gewähren die Händler bei Pick-ups traditionell besonders hohe Rabatte. Das Pick-up-Segment gilt in den USA als der imageträchtigste Markt überhaupt. Keine andere Fahrzeuggattung wird im TV, bei Sportveranstaltungen, in Zeitschriften und im Internet derart beworben. Welcher Wagen passt auch besser zu den amerikanischen Pionier- und Frontier-Mythen als ein Pick-up?

Stefan Grundhoff; press-inform / press-inform

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