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Messe "Auto China": Kleinwagen für die globale Welt

In der Oberklasse können Chinas Autohersteller nicht mithalten. Daher setzen sie auf den Export von möglichst günstigen Kleinwagen. Ökologisch sind die China-Cars damit ganz vorn, denn klein verbraucht wenig.

Chinas Autohersteller planen eine Exportoffensive mit billigen Kleinwagen und wollen verstärkt "grüne" Modelle entwickeln. Intensiv wird an Hybrid-Antrieben, strom- und gasbetriebenen Motoren oder benzinsparenden Autos geforscht. Machten Chinas Autobauer früher eher durch Raubkopien von sich reden, präsentieren sich die chinesischen Wettbewerber auf der Automesse (20. bis 28. April) in Peking erkennbar selbstbewusst. Auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt halten ureigene chinesische Modelle immerhin rund 40 Prozent Marktanteil. Auch haben sich Ausfuhren 2007 auf 190 000 mehr als verdoppelt. Doch nicht die anspruchsvollen Automärkte in Europa und USA haben Chinas Produzenten im Blick, sondern eher die sich entwickelnden Länder mit geringerer Kaufkraft.

Wachsender Marktanteil

Bereits im Jahr 2015 wird China die USA überholen und zum absatzstärksten Automobilmarkt der Welt aufsteigen. Im vergangenen Jahr hat China 5,3 Millionen Automobile verkauft und damit seine Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Prozent gesteigert. Laut einer Studie des Institutes für Automobilwirtschaft (IFA) wird der chinesische Markt in den kommenden Jahren durchschnittlich um 15 Prozent pro Jahr wachsen. Bis 2015 sollen die Verkäufe auf 16 Millionen Einheiten steigen. Für den US-Markt prognostiziert das IFA Neuzulassungen auf gleichbleibendem beziehungsweise leicht rückläufigem Niveau: 2007 wurden 16,1 Millionen Fahrzeuge verkauft, 2015 sollen es 16,0 Millionen Einheiten sein.

Die Billig-Offensive

"Ich denke, chinesische Autos können in der Oberklasse nicht mithalten, aber wir haben bestimmte Wettbewerbsvorteile in dem mittleren und unteren Marktsegment", sagte Ma Fanhu, Vizedirektor des staatlichen Labors für Energie und Sicherheit von Automobilen. Viele große Weltkonzerne wie Volkswagen halten sich ganz bewusst aus dieser Klasse von Kleinwagen, die meist um die 5000 US-Dollar kosten, heraus - schon um nicht qualitativ und sicherheitstechnisch in Verruf zu geraten. "Bei der Sicherheit gehen wir keine Kompromisse ein", sagte ein europäischer Manager. So haben chinesische Autos in Europa durch verheerende Crash-Tests von sich reden gemacht.

"Wir müssen einräumen, dass wir in der traditionellen Autoindustrie hinter japanischen oder westlichen Firmen herhinken", sagte Sicherheitsexperte Ma Fanhu. Doch wollen sie die Zukunft nicht verschlafen. "Alle Forschungen ausländischer Firmen zum Thema Öko- Auto gibt es auch bei uns", sagte Du Fangci vom Verband der chinesischen Automobilindustrie. Seit mehr als fünf Jahren arbeiteten Chinas Hersteller schon an Hybrid-, Wasserstoffautos oder Motoren für alternative Treibstoffe. Als erster hat Chang’an Auto Corporation, die mit Ford und Suzuki zusammenarbeitet, im Dezember mit dem "Jiexun-HEV" die Massenproduktion eines Hybrid-Autos mit einem Preis von umgerechnet 13 000 bis 15 000 Euro begonnen - deutlich weniger als die umgerechnet 19 000 Euro für den Toyota Prius in China.

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Export in Schwellenänder

Niedrige Preise sind das Rezept in weniger entwickelten Ländern. Der größte chinesische Exporteur ist Chery, der seine Ausfuhren 2007 um 132 Prozent steigern konnte. In diesem Jahr will der Hersteller aus der Stadt Wuhu in der Provinz Anhui 180 000 kostengünstige Kleinwagen im Ausland absetzen. Chery exportiert in mehr als 50 Staaten und betreibt sieben Endmontagestätten im Ausland. Bis 2010 will der Aufsteiger seine Produktion auf eine Million ausweiten und 40 Prozent seines Umsatzes im Ausland machen. Mit dem US-Autokonzern Chrysler kooperiert Chery beim Bau eines Kleinwagens, der 2009 auf den Markt in den USA und Lateinamerika kommen soll. "Ein Joint Venture mit Chrysler war und ist eine Option, auch wenn in nächster Zukunft keine größeren Schritte in diese Richtung erwartet werden", zitierten chinesische Medien einen Chery-Sprecher.

Klein heißt wenig Verbrauch

Auch der Kleinwagenhersteller Geely betreibt Montagewerke in Russland, der Ukraine und Indonesien. "Kleine Autos mit geringem Verbrauch sind unsere Stärke", sagte ein Sprecher von Geely. In Mexiko will Geely mit einem Partner angeblich rund 500 Millionen US- Dollar in ein Werk investieren, das am Ende eine Kapazität von 300 000 Autos haben soll. Ehrgeizige Pläne angesichts der Tatsache, dass Geely im vergangenen Jahr gerade einmal 189 000 Autos in China hergestellt und nur 30 000 exportiert hat.

Der scharfe Wettbewerb in China, steigende Preise für Öl und andere Rohstoffe und drohende Überkapazitäten lassen die Zukunft der Autoindustrie in China auch nicht nur rosig aussehen. Anleger ziehen schon seit dem letzten Quartal 2007 ihr Geld aus Automobilaktien. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Autoabsatz in China immerhin noch mit 21 Prozent. Doch sagen Experten für 2008 nur noch 16 bis 18 Prozent Wachstum voraus - über die nächsten fünf Jahre nur zehn Prozent. Ein Grund mehr, sich im Ausland nach neuen Märkten umzusehen.

DPA/MID

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