VG-Wort Pixel

Pariser Autosalon Elektroautos zu Schockpreisen


Die Öffentlichkeit hat klimaschonende Elektrofahrzeuge verlangt, nun sind sie da. Auf dem Pariser Autosalon stehen die Stromer fertig zum Verkauf - zu horrenden Preisen.
Von Gernot Kramper

Verkauf auf der Messe – das kann man wörtlich nehmen. Auf dem Pariser Autosalon bieten französische Hersteller ihre Stromfahrzeuge direkt am Stand an. Per Vertrag. Geliefert wird dann doch etwas später. "Nur Bares ist Wahres" sagt der Volksmund. Den Liebesschwüren zum Stromauto müssen jetzt die Aufträge folgen. Doch schon die Begeisterungswelle der letzten Jahre kam nicht direkt aus den Herzen der Autokäufer, sie wurde von interessierter Seite orchestriert. Für Marktbeobachter ist es keine Überraschung, dass unter 30.000 Euro beim Thema Stromauto gar nichts gehen wird. Für potentielle Käufer dürfte es aber wie eine kalte Dusche wirken, wenn die Hersteller echte Kaufpreise auf ihre kleinen strombetriebenen Cityflitzer kleben. Für Otto Normalverbraucher sind Preise von bis zu 40.000 Euro für einen Kleinwagen mit begrenzter Reichweite schlicht unerreichbar.

"Das ist ja das Schöne, dass jetzt endlich die Preise genannt werden. Jetzt müssen sich die Hersteller outen", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Universität Nürtingen-Geislingen. Diez fürchtet, dass die Absatzsprognosen zu optimistisch sind. Weltweit würden bis 2015 Produktionskapazitäten für 1,6 Millionen Elektroautos aufgebaut. Wegen des Preises rechnet der Experte aber nur mit einem Absatz von 500.000 Elektroautos.

Kosten der gehobenen Mittelklasse

Mitsubishi verkauft sein Modell, den iMiev, in Asien für etwa 34.000 Euro. Peugeot bietet den Wagen als iOn von Oktober an in Europa erst gar nicht zum Kauf, sondern nur im Leasing an. Inklusive Wartung kostet das Wägelchen im Monat 500 Euro. Das entspricht der Leasingrate eines Mittelklassewagens einer Premiummarke. "Es wird zunächst eine Ernüchterung bei den Käufern eintreten, wenn sie erfahren, dass ein Kleinwagen 30.000 bis 40.000 Euro bei der Anschaffung oder 500 bis 600 Euro Leasing im Monat kosten soll", so Diez.

Um akzeptiert zu werden, müssen Elektrowagen billiger werden. Also subventioniert der Staat die Stromer im Ausland bereits gewaltig. In Japan gibt es 7500 Euro aus der Staatskasse, in China 6500 Euro. In Europa können Elektrowagenkäufer in Irland, Großbritannien und Frankreich Subventionen zwischen 5000 und 6000 Euro kassieren. Vor allem Frankreich macht Ernst. Staatliche und private Unternehmen bestellten im Frühjahr 50.000 Stromfahrzeuge. Auf spontane Privatkäufer am Messestand sind die französischen Hersteller also nicht angewiesen. In Deutschland fehlen dagegen "wesentliche Impulse" zur Einführung von Elektrofahrzeugen, bemängelte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bereits vor Monaten. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben, sei ohne zusätzliche Anreize nicht zu erreichen.

Kein Wunder bei den Batteriepreisen

Die hohen Kosten der Stromfahrzeuge gehen vor allem auf das Konto der Batterietechnik. Selbst wenn es hier gewaltige Fortschritte geben sollte, darf man keine Wunder erwarten. Auch eine Verdopplung der Leistungsdichte der Batterien bei gleichzeitiger Reduzierung der Herstellungskosten kann die Preis- und Leistungslücke zu einem Verbrennungsmotor in absehbarer Zeit nicht schließen. Die deutschen Hersteller werden im größeren Maßstab erst in zwei Jahren mit reinen Stromfahrzeugen auf den Markt kommen. Damit geben sie nicht den Takt an, dennoch können sie mit ihren Angeboten zur rechten Zeit auftauchen. Im Moment sammeln sie Erfahrungen mit eigenen Modellflotten, und sie werden auch aus den Fehlern derer lernen, die vorpreschen. Diese Firmen gehen ein hohes Risiko ein. Gerade beim Auto leidet eine Marke lange unter einmal enttäuschten Kundenerwartungen.

Welche Entscheidungen die privaten Konsumenten fällen, müssen die nächsten Jahre zeigen. Denkbar sind die verschiedensten Szenarien. Das Elektroauto könnte ein Accessoire der Wohlhabenden werden, die sich ein Drittfahrzeug für die City zulegen. Beim normalen Kunden könnten Vollhybridfahrzeuge punkten, die auf kurzen Strecken ohne Emissionen fahren, aber danach auf einen Verbrennungsmotor umschalten. Vielleicht setzen sich aber auch gerade im extremen Leistungsbereich Elektrofahrzeuge durch, deren stromgetriebene Motoren eine bisher unerreichte Beschleunigung ermöglichen und die ihren Strombedarf mit einem eigenen Generator stillen. Im Reich der Superlative ist viel möglich, da Geld und Praxisnutzen für die Käufer keine Rolle spielen.

Umwelttechnik für die Leistungsklasse

Auch nach dem Pariser Autosalon bleiben die reinen Stromfahrzeuge für die meisten Kunden unerschwinglich. Dafür wird der Hybridantrieb im nächsten Jahr bezahlbarer. Die Hybrid-Modelle Honda Jazz und Toyota Yaris sind waschechte Kleinwagen. Nur sind die Kunden in diesem Segment besonders preissensibel. Man muss abwarten, ob die Zusatzkosten für den Hybridantrieb bei ihnen durchzusetzen sind. In Deutschland hat die Zulassungsstatistik erst jüngst bewiesen, dass Hybrid alles andere als "klein und bescheiden" bedeutet. Der Doppelantrieb breitet sich im Gegenteil bei den teuren Wagen aus. Die meisten PS wurden in der ersten Jahreshälfte ausgerechnet in Fahrzeuge mit dem umweltfreundlichen Hybridantrieb eingebaut.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker