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Rückrufdebakel: Milliardenklagen bedrohen Toyota

Als wäre der Schaden durch die Rückrufe für den Autobauer nicht schon groß genug: In den USA droht Toyota jetzt eine Welle von Zivilklagen - mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe.

Von Matthias Ruch, New York

Neue Klagen vor US-Gerichten werden für Toyota zur ernsthaften Bedrohung. Sollten sich die Kläger durchsetzen, müsste der Autobauer Schadenersatz in zweistelliger Milliardenhöhe zahlen, rechnete Tim Howard im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" vor. Howard ist Anwalt und Rechtsprofessor an der Northeastern University in Boston und koordiniert den juristischen Kampf gegen Toyota in Amerika.

Seine jetzt eingereichten Klagen fußen auf dem sogenannten Rico Act. Dieses Gesetz ermöglicht eine Verdreifachung der Schadenersatzforderungen klassischer Zivilklagen. Ursprünglich wurde der Rico Act in den 70er-Jahren verabschiedet, um die Mafia und ihren Drogenhandel effektiver bekämpfen zu können. Eine Anwendung dieser Norm würde Toyota daher in der öffentlichen Wahrnehmung in die Nähe der organisierten Kriminalität bringen. Von 1999 bis 2007 diente der Rico Act aber auch als Fundament für die Milliardenklagen gegen die US-Tabakindustrie.

Mit auf dem Rico Act basierenden Klagen, sogenannten Racketeering Claims, zieht Howard nun gegen Toyota ins Feld: "Toyota hat über Jahre die Behörden und die Öffentlichkeit belogen. Das rechtfertigt unsere Klage", sagte er der "FTD".

Kläger beziffern Folgeschäden auf 24 Milliarden Dollar

Die Klagen gegen Toyota stützen sich grundsätzlich auf drei Sachverhalte: mehr als 30 Todesfälle und 100 Verletzte nach Unfällen, die auf ungewollte Beschleunigung oder Bremsversagen zurückgeführt werden; Wertverlust von Gebrauchtwagen infolge der allgemeinen Verunsicherung; sowie Wertverlust der Aktie. "Hinzu kommen die Autovermieter und die Händler, die ebenfalls betroffen sind", ergänzte Howard. In sämtlichen Fällen unterstellen die Kläger dem Autobauer, technische Probleme nicht rechtzeitig gelöst und Risiken verschwiegen zu haben.

Auch Howards Kollege, Klägeranwalt Stanley Chesley aus Cincinnati, hat bereits Racketeering Claims gegen Toyota eingereicht. Nach einem Bericht des "National Law Journal" beziffert Chesley die drohenden Folgeschäden für den Autobauer auf 24 Milliarden Dollar. Das übersteigt bei Weitem den Rekordgewinn von 13,7 Milliarden Dollar nach Steuern aus dem Geschäftsjahr 2007/08. Für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 musste Toyota erstmals einen Verlust melden.

Bislang 80 Klagen in 40 Bundesstaaten

Tim Howard wird in den kommenden Wochen voraussichtlich weitere Ansprüche gegen Toyota geltend machen. "Rund zehn Millionen Kunden in Amerika haben Toyotas gekauft im Vertrauen auf die Qualität und den Wiederverkaufswert. Der hat sich nun in Luft aufgelöst", rechnete Howard vor. "Milliarden wurden vernichtet durch den Mangel an Ehrlichkeit, Offenheit und Sorgfalt von Toyota."

In welchem Umfang Howard und seine Kollegen ihre Klagen bündeln können, ist noch unklar. Am kommenden Donnerstag werden Richter aus verschiedenen Bundesstaaten darüber beraten. Bislang wurden mehr als 80 Klagen in 40 Bundesstaaten eingereicht, darunter zahlreiche Sammelklagen. "Am besten wäre ein großes Verfahren auf Bundesebene", sagte Howard.

Lenkt Toyota ein?

Die Anwendung des Rico Act auf Fälle der Produkthaftung, die nichts mit der Mafia zu tun haben, ist unter Juristen umstritten. "Die finanzielle Attraktivität des Rico Act hat die Kreativität der Anwälte beflügelt", kritisiert etwa Jeffrey Grell, Ex-Anwalt mit Lehrauftrag an der Universität Minnesota. "Jeder versucht, Fälle von Vertragsverletzung oder Produktfehlern als kriminelle Handlung darzustellen, um den Rico Act anzuwenden."

Inzwischen haben die Bundesgerichte für diese Praxis zwar Hürden aufgestellt. Doch dies führt nun zu Unsicherheit: "Der Rico Act ist damit zu einem der kompliziertesten Rechtsfelder geworden", stellt Grell fest. "Der Ausgang dieser Fälle ist kaum mehr vorherzusagen."

Wie weit der juristische Kampf gegen Toyota noch führen wird, hängt nach Ansicht der Anwälte vor allem an der Kooperationsbereitschaft der Japaner. "Wenn sich Toyota entscheidet zu kämpfen, wird der Fall noch Jahre dauern", warnte Howard. "Und dann drohen erhebliche Folgeschäden."

FTD

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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