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Nach tödlichem Unfall Warum E-Autos anders gelöscht werden müssen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor

Ausgebranntes Elektroauto
Das ausgebrannte Wrack eines Elektroautos, in dem am Dienstag eine 19-Jährige ihr Leben verlor
© Julian Stähle / DPA
Nach dem tödlichen Unfall mit einem E-Auto fühlt sich die zuständige Feuerwehr nicht ausreichend geschult für derartige Einsätze. Doch wo liegen die Unterschiede beim Löschen von "normalen" Fahrzeugen zu denen mit Elektroantrieb?

Nach dem tödlichen Unfall einer 19-Jährigen mit einem Elektroauto hat die örtliche Feuerwehr beklagt, für derartige Einsätze nicht ausreichend geschult zu sein. "Was passiert, wenn Hochspannungsteile unter Strom stehen, wie gefährdet sind die Kameraden? Diese Fragen muss man sich stellen", sagte der für den Einsatz verantwortliche Leiter der Gemeindefeuerwehr Groß Kreutz, Kristian Titsch, der Deutschen Presse-Agentur. Die junge Frau war am Dienstagnachmittag bei Potsdam aus noch ungeklärter Ursache in einer Linkskurve von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Für die eingeklemmte Frau kam jede Hilfe zu spät: Sie verbrannte in ihrem Fahrzeug.

Kurz nach dem Unfall hatte bereits ein Polizeisprecher von schwierigen Lösch- und Rettungsarbeiten gesprochen. Demnach erschwerten wiederholte Verpuffungen, dass sich die Einsatzkräfte dem brennenden Auto nähern konnten. Zudem mussten die Akkus des Fahrzeugs aufwendig gekühlt werden, um eine Explosion zu verhindern. Sind Elektroautos tatsächlich schwieriger zu löschen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor?

Deutlich mehr Wasser benötigt bei Brand von Elektroauto

Laut Feuerwehr München ist der Löschaufwand bei brennenden Fahrzeugen unabhängig von der Antriebsart vergleichbar. Nach Angaben von Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, gibt es jedoch Unterschiede bei den Löschmitteln. Während bei brennendem Treibstoff meist Löschschaum geeignet sei, um dem Feuer den notwendigen Sauerstoff zu entziehen, sei es im Fall von in E-Autos verbauten Lithium-Ionen-Akkus ausschließlich Wasser, um die Batterien zu kühlen, sagte Knorr dem ADAC. 

Demnach wird die Energie bei einem Feuer vor allem im Innern des Akkus freigesetzt, wo der Brand wie bei einem Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle überspringe. In so einem Fall helfe nur kühlen, so Knorr, der ausführte, dass man dafür "in der Regel mehr Wasser als gewöhnlich" brauche. "Es reicht nicht, die sichtbaren Flammen zu ersticken." Zum Vergleich: Einem Bericht des BR zufolge sind für das Löschen eines Tesla Modell S laut Unternehmensangaben etwa 11.000 Liter Wasser nötig, bei einem "normalen" Fahrzeugbrand reichten dafür bereits einige Hundert Liter Wasser. Dies kann die Feuerwehr – gerade bei Einsätzen an abgelegenen Orten – vor Probleme stellen. So fasst ein standardmäßiges Löschfahrzeug etwa 1600 Liter, nur deutlich größere Exemplare können bis zu 4000 Liter aufnehmen.

Für Gemeindefeuerwehr-Leiter Titsch kommt ein weiteres Problem hinzu. Für die Einsatzkräfte sei es am Unfallort schwierig zu unterscheiden, ob es sich um ein herkömmliches Auto oder eines mit Alternativantrieb handele. "Wenn ein Fahrzeug brennt, ist der Antrieb nicht auf dem ersten Blick zu erkennen", wird Titsch in einem Bericht des "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) zitiert. Im Fall des tödlichen Unfalls vom Dienstag habe ihn zudem erstaunt, wie schnell sich das Feuer ausgebreitet habe. Titsch räumte auch ein, dass es sich um den ersten E-Auto-Brand im Landkreis Potsdam-Mittelmark gehandelt habe.

Akkus können sich nach Löschung neu entzünden

Gefahr durch unter Hochspannung stehenden Teile, wie von Titsch befürchtet, besteht laut Knorr jedoch nicht. Demnach stünde den Feuerwehren für solche Einsätze ein spezieller Wasserstrahl zur Verfügung. Dieser bestehe aus einzelnen Tröpfchen, so dass der Strom bei Wahrung von gewissen Sicherheitsabständen nicht zurückfließen und auf die Einsatzkräfte überspringen kann, sagte Knorr dem ADAC. 

Deutliche Unterschiede gibt es indes beim Umgang mit ausgebrannten Autos. Während Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach dem Löschen in der Regel schnell abtransportiert und entsorgt werden können, besteht bei Elektroautos auch nach Stunden noch immer die Gefahr, dass sich die Batterie aufgrund chemischer Prozesse neu entzündet. E-Fahrzeuge müssen daher bis zu 24 Stunden beobachtet und möglichst mit Abstand zu anderen Gegenständen abgestellt werden. Im Idealfall sollte das Auto in Wasser gebadet werden, so Knorr im Bericht des "RND". Dazu werde von der Feuerwehr ein Container mit Wasser gefüllt und das Fahrzeug per Kran hineingehoben. 

Quellen: "Redaktionsnetzwerk Deutschland" / ADAC / BR

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