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Toyota i-Real: Allein in die Zukunft

Toyota entwickelt Einsitzer als Mobilitätskonzept für die Zukunft in den Ballungsräumen. Vor allem Senioren werden diese Vehikel gebrauchen können - eine Zielgruppe, zu der eines Tages wohl alle gehören werden. Man wird ja nicht jünger.

Von Frank Janßen, Tokio

Das glänzend lackierte Teil ist etwa so hoch wie ein Barhocker und hat Ähnlichkeit mit einem italienischen Designer-Kunststoffsessel der 70er Jahre - nur die Räder gab es damals noch nicht. Und es bewegt sich, macht sich gaaanz lang und flach, es rollt schnell los und es legt sich sogar in die Kurve. Und darauf sitzt ein Mensch, mal ganz aufrecht wie auf einem Thron, mal leicht zurückgelehnt wie in der Economy-Class der Lufthansa kurz vorm Einpennen. Science Fiction? Nur ein bisschen.

Das Vehikel heisst i-Real und gehört zu Katsuaki Watanabes Traum von der Mobilität der nahen Zukunft. Der Toyota-Präsident, 65, weiss natürlich, dass die Gesellschaft immer älter wird - darin sind sich die beiden Hightech-Nationen Japan und Deutschland sehr ähnlich. Gemacht ist i-Real daher auch in erster Linie für ältere Menschen in Ballungsräumen, die gar kein Auto mehr kaufen wollen. Aber: Ganz ohne fahrbaren Untersatz geht es eben nicht. Mit i-Real geht’s in Zukunft in die Fußgängerzone oder in die shopping mall. "Wenn wir über Innenstadtverkehr der Zukunft reden", sagte Watanabe am Rande der Tokyo Motor Show, "dann sollten wir auch über i-Real reden." Und wenn man doch Lust hat auf eine kleine Promenade, dann dackelt i-Real eben einfach nebenher.

Beweglicher Elektro-Renner

Seit Jahren schon forscht der japanische Autokonzern an Mobilitätskonzepten für die Zukunft. 2003 stellte Toyota auf der Tokyo Motor Show den ersten Einsitzer namens PM vor - das steht für Personal Mobility. Dieses Gefährt hatte zwar nur einen Sitzplatz, aber noch vier Räder und ein Dach über dem Kopf. Und es war so groß wie ein Smart. Der Wetterschutz blieb auch bei der Studie i-Unit erhalten, die bereits viel kleiner war und mit der Watanabe anlässlich der Weltausstellung Expo im Sommer 2005 posierte. Auch das i-Swing-Vehikel für die Tokyo Motor Show im Herbst des gleichen Jahres hatte noch einen kleinen Wetterschutz. Beim neuesten Modell, dem für die diesjährige Automesse gebauten i-Real, fehlt dieser zwar, aber es ist ja auch noch eine Studie.

Dafür ist der Elektro-Renner sehr beweglich. Gesteuert wird mit einer Art Joystick, die Geschwindigkeit liegt bei maximal 40 km/h. Auf dem Toyota-Stand der größten japanischen Automesse, die noch bis zum 11. November läuft, können sich die Besucher von der Wendigkeit überzeugen. Dort führen Angestellte den kleinen Flitzer vor, der im Tokyo Design Research Studio von Toyota, eine Autostunde nordwestlich vom Zentrum der Metropole, entwickelt wurde.

Gemütszustand per Lichtsignal

Unterm Plastikkleid ist i-Real vollgestopft mit Elektronik. Sie soll dank einer Vielzahl von Sensoren nicht nur mögliche Kollisionen abwenden, sondern auch den Gemütszustand von Vehikel und Besitzer per Lichtsignal an die Umwelt weitergeben. Bei langsamer Fahrt strahlen diese anders als bei großer Eile. "Die Leistung ist wirklich unglaublich", sagt der Leiter des Designstudios, Hiroshi Igarashi. "Außerdem ist das Fahrzeug nur 70 Zentimeter breit, so wie ein Rollstuhl. Damit kann man praktisch überall hin, auch in einen Fahrstuhl." Thierry Dombreval, Chef von Toyotas Europa-Zentrale in Brüssel, steht jedenfalls ganz verzückt am Messestand und schaut der Vorführung zu. Vielleicht in fünf Jahren könnte eine Weiterentwicklung von i-Real schon serienreif sein. Das ist sehr gut möglich, meint Dombreval bestimmt.

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