Pariser Autosalon Crossover voll im Trend


Die Messe zeigt es deutlich: Sportliche Stilmischungen aus verschiedenen Markt-Segmenten werden immer mehr zum Renner. Hersteller, die noch kein Crossover-Auto anbieten können, sputen sich, dem Trend zu folgen.
Von Frank Janßen/Paris

Am Vorabend des Pariser Salons, als Toyota-Präsident Katsuaki Watanabe auf einem Seine-Dampfer die Wachstumsziele für sein Unternehmen präsentierte, war die Welt noch in Ordnung. Der erfolgreichste Autokonzern weltweit ist offenbar nicht aufzuhalten.

Autos sind Mode

Europa-Chef Tadashi Arashima untermauerte die beeindruckende Entwicklung: Zehn Rekordjahre in Folge; die Produktion des japanischen Riesen in Europa (Werke zum Beispiel in Frankreich, England, Polen und der Tschechischen Republik) ist mit 800.000 Fahrzeugen "die höchste bisher" überhaupt. Das Ziel, auf diesem Kontinent 1,2 Millionen Autos zu verkaufen, wurde von 2010 auf 2008 nach vorn korrigiert und Toyotas Prognosen gelten als sehr konservativ.

Die Autos treffen dagegen offenbar genau den Nerv einer modisch orientierten und sehr wählerischen Klientel. Eines der erfolgreichsten Modelle ist ein Sport Utility Vehicle (SUV) namens RAV4, ein kompakter Geländewagen knapp über VW-Golf-Format, der seit diesem Jahr in seiner dritten Generation verkauft wird. "Dieses Segment", sagt Jürgen Stackmann, Marketing-Chef von Ford in Köln, "wurde im Kern von Toyota erfunden".

Minivans zu bieder

Im Niedergang begriffen dagegen befindet sich offenbar ein anderes Marktsegment, das bis vor kurzem bei Autobauern noch als unverzichtbar galt: Der Minivan. Sind Renault Scénic, Opel Zafira, und VW Touran bald Auslaufmodelle? "Nach einer langen Welle der Großraumlimousinen oder Vans im deutschen Automarkt sind in den nächsten Jahren stärker die SUVs oder Sportstourer Wachstumssegmente", sagt Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer von B&D Forecast. Sportstourer sind Kreuzungen aus Van und Kombi, mit meist sportlicher Optik, wie der S-Max von Ford. Für die modernen Mischlinge verwendet die Branche den Begriff "Crossover".

Europa liegt im Styling-Rennen zurück

Als die Pariser Automesse dann am Donnerstagmorgen ihre Tore öffnete zunächst für Journalisten, ab Samstag für die breite Öffentlichkeit wurde ein Trend sehr schnell deutlich. Wer als Hersteller noch keinen kompakten SUV oder Crossover zu bieten hat, der setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um bald einen präsentieren zu können. Denn wer jetzt schon in Schwierigkeiten steckt, und das sind nach einer Einschätzung der "Financial Times" im Grunde alle europäischen Autobauer mit Ausnahme von Porsche und BMW, der könnte ohne ein Angebot in diesem boomenden Segment bald schon als Sanierungsfall dastehen.

Nachholbedarf haben vor allem die europäischen Hersteller; die Asiaten zeigen ihnen die lange Nase. Hyundai bietet das Nachfolgemodell des Santa Fe an, Honda präsentiert in Paris die neue Generation des CR-V, Kia hat ebenfalls schon den zweiten Sportage im Markt und Mitsubishis Outlander ist fast schon betagt.

Abenteuer für Jedermann

Nissan präsentierte den neuen Qashqai in Paris für Anfang 2007, und dieses Modell deutet an, wohin der Trend in Zukunft geht. Der Quashqai ist ebenfalls ein Crossover, denn bei ihm wurde der bullige Geländewagenauftritt von SUVs - große Räder und mehr Bodenfreiheit sowie eine stämmige untere Hälfte der Karosserie - mit einem leichten und luftigen Passagierabteil gekreuzt. Eine Coupé-artige Dachlinie setzt sportliche Akzente. Das gilt auch für den neuen Mazda CX-7.

Die Reaktion auf diesen Trend zeigte sich in Paris in geballter Form. Ford präsentierte die Studie Iosis X, einen sehr sportlichen Crossover mit Coupédach, der jede Ähnlichkeit mit einer Familienkutsche verleugnet. "Wir werden ihn liefern", versprach John Fleming, Vorstandschef von Ford of Europe, "bis Ende 2007, Anfang 2008". Gleichfalls für 2008 kündigte Renault, bisher nach eigenen Angaben "führend im Segment der Vans", den Koléos an, wie der Iosis X ein kompakter Crossover aus SUV und Coupé. Bei Citroën ist so ein Fahrzeug ebenfalls in Vorbereitung in Paris allerdings noch nicht zu sehen. Volkswagen entwickelt den Tiguan, eine kompakte Ausgabe des erfolgreichen Touareg und für 2008 geplant.

VW greift zum Optikpaket

Wie sehr für die Autobauer die Zeit drängt, bald einen SUV oder Crossover zu bringen, beweist auch der neue Cross Golf, der auf Basis des Golf Plus bereits Anfang 2007 kommt. Mit großen Rädern und schwarzen Stoßleisten sowie einer Dachreling zeigt er typische Crossover-Stilmittel und ist damit geeignet, bei VW die Wartezeit auf den Tiguan zu überbrücken.

Als ausschlaggebende Zielgruppe für diesen Geschmackswechsel sieht Jürgen Stackmann Frauen - vor allem jene, die nach einer erfolgreichen Karriere gerade den Sprung ins Familiendasein gewagt haben. "Beim Van steht hinten drauf: ich habe Familie", sagt Jürgen Stackmann. Damit sei das Schicksal, für lange Zeit nur noch Mutter sein zu können, auch nach außen dokumentiert. Die Anschaffung eines sportlichen Crossover mit Geländewagenoptik sei dagegen "eine ganz andere Story": Da steht hinten drauf: "Ich kaufe mir Freiheit und Abenteuer". Wenigstens den Rest davon. Ein entscheidender Unterschied offensichtlich.


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