Werbeaktion Schamfreies Hollywood-Vergnügen


Florian Henckel von Donnersmarcks zweiter Anlauf in Hollywood ist ein deutlicher Schritt vorwärts verglichen mit seinen ersten Versuchen in der Filmstadt. Der Regisseur von "Das Leben der Anderen" benutzt seinen neu erlangten Ruhm, um die Werbetrommel für Wasserstoff zu rühren.
Von Helmut Werb

Es sei schon ein wenig spaßiger heute, grinst Florian Henckel von Donnersmarck recht unverschämt auf die Frage, ob ihm Hollywood denn jetzt, nach seinem Oscar-Erfolg mit dem Film "Das Leben der Anderen", so richtig zu Füßen liege. "Das erste Mal war ich irgendein ausländischer Regisseur, der von Büro zu Büro geschoben und mit irgendwelchen kleinen Projekten vertröstet wurde", erinnert sich von Donnersmarck an seinen ersten Anlauf vor mehreren Jahren. Gott sei Dank, sagt er, hätte er damals die Stillhalteangebote abgelehnt und sich in Deutschland auf seinen Film konzentriert. Recht hat er behalten: Heute steht das Telefon in seinem neuen Büro in Century City nicht still, und von Donnersmarck hat freie Wahl unter Stars und Drehbuchautoren.

H2O-Demo vorm roten Teppich

Der teutonische Riese (Donnersmarck ist deutlich über zwei Meter groß) gilt als das neueste Regiewunderkind in Hollywoodland, nachdem sein Film im Frühjahr nicht nur den Oscar gewann, sondern sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum extrem gut angekommen war. Nun wäre ein neuer Star an Tinseltowns Firmament kein wirklicher Star, wenn er (oder sie) sich nicht für eine gute Sache einsetzen würde, seien es adoptionstaugliche Kinder aus Afrika oder notleidende, da suchtkranke Kollegen aus Malibu. Von Donnersmarck hingegen nützt seinen neu erlangten Ruhm für einen ganz persönlichen Feldzug - er unterstützt tatkräftig die Entwicklung von BMWs Wasserstofftechnologie. Als er zur Oscar-Verleihung in einem Wasserstoff-Siebener vorfuhr, hob sich zwar noch keine Medien-Augenbraue, das passierte erst, nachdem der Deutsche die Goldstatue in der Hand hielt.

Trotzdem war die umweltfreundliche H2O-Demo des Regisseurs kein hundertprozentiger Erfolg. Man müsse wissen, so reminisziert der Herr von Donnersmarck über Angel Hair Pasta in einem Restaurant vor seiner kalifornischen Bürotür, dass die Sicherheitsvorkehrungen bei der Oscar-Verleihung mit der eines Besuches im Fort Knox zu vergleichen wären. Und da weder von Donnersmarck noch seine Entourage mit den Gepflogenheiten der Vorfahrtsrituale ("Insgesamt fünf Kontrollen, das musst du dir vorstellen!") allzu vertraut waren, "sind wir eine oder mehrere Kontrollen zu früh aus dem Auto gestiegen und mussten den Rest des Weges zum roten Teppich zu Fuss laufen." Was zur Folge hatte, dass der phänomenale BMW eben nicht ins Publicity-trächtige Bild der anwesenden Paparazzi kam. Das hätte sein Fahrer mit der Handykamera nachgeholt, lächelt er, und das Bild sei dann auch um die Welt gegangen.

"Ich kutschiere gerne in großen Wagen herum"

Der PR-Fauxpas scheint für den Deutschen, dessen für Amerikaner zungenbrecherischen Namen sämtliche Hollywood-Agenten hektisch in Sprachkursen auswendig lernen, eher Anstoß gewesen zu sein, sich stärker für die umweltfreundliche Autotechnologie einzusetzen. "Ich bin ein richtiger Autofan geworden über die Jahre, das heißt, ich kutschiere gerne in großen Wagen herum", sagt er und plaudert, en passant sozusagen, ein wenig über seinen BMW X5, in dem gut und gerne seine Frau, seine drei Töchter und das Kindermädchen Platz hätten, und zwar locker, aber "mit dem Wasserstoffantrieb kannst du ein Luxusauto mit gutem Gewissen fahren". Das sei doch ganz erstaunlich, lächelt er fast verliebt in den Gedanken, ein dickes Auto zu fahren, das nicht die geringsten Schadstoffe ausstößt, und er meint das auch ganz ernst, weshalb er jede Gelegenheit nutzt, mit dem Wasserstoff-betriebenen BMW in der Stadt der Engel herumzugurken.

Der Mann kann sich sogar richtig begeistern, wenn er über saubere Antriebe spricht. Er sei gewiss kein Birkenstock- und Hanfklamotten-Träger (eine Bemerkung, die man ihm auf Anhieb abnimmt), und er hätte mit radikalen Umweltgedankentum recht wenig am Hut, aber "ich habe Kinder", sagt er eindringlich, "da überlegt man sich doch, dass man eine Verantwortung für seine Umwelt hat". Und ja, er würde sich das Auto sofort kaufen, meint er, wenn es je auf den Markt kommt. Geld genug hat er ja nun.

Product Placement

Dass das hehre Engagement natürlich auch der bayerischen Autoschmiede gut tue, dagegen habe er ganz und gar nichts, denn die Weißblauen vom Petuelring hätten ihn seine ganze Karriere lang freundlichst unterstützt. Ganz im Gegenteil, der Mann revanchiert sich gerne und gibt sich dabei sogar richtig Mühe. Als er "Das Leben der Anderen" drehte, so meint er noch während des Pasta-Ganges, hätte er schon ganz gerne einen BMW, selbst einen ganz normalen, als sogenanntes Product Placement im Film integriert. "Aber das war natürlich bei der Thematik schlecht zu machen. Die DDR-Bonzen fuhren nun mal Volvos." Und weil's sonst nichts anderes gab, wollte er in den letzten Szenen, als der Hauptdarsteller nach der Wende im Taxi vor einer Buchhandlung aussteigt, zumindest einen BMW als Mietdroschke verwenden. "Wir haben tagelang rumtelefoniert", gibt er fast entschuldigend zu. "Schließlich fanden wir ein einziges BMW-Taxi in der Stadt, das wir sofort mit Beschlag belegten."

Selbst ist der Regisseur

In welchem filmischen Umfeld sich die BMWs in seinem nächsten Feld bewegen werden, und ob der H2O-Bimmer gar eine Rolle erhält, darüber wollte er nichts sagen. Er sei aber schon selbst am Schreiben. Die Drehbücher in Hollywood seien nämlich nicht allzu toll.


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