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68. Golden Globes glitzern wieder: Facebook-Film ist Überraschungssieger

Hollywoods Prominenz hat sich bei den 68. Golden Globes in Los Angeles ordentlich auf die reichen Schultern geklopft. Prunk ist wieder in - dafür wurden bissige Reden toleriert. Mit "The Social Network" gab es einen Überraschungssieger.

Von Frank Siering, Los Angeles

Die Sonne blitzte vom Himmel und schickte 21 Grad nach Los Angeles. Und das mitten im Januar. Nur gut, dass Botox mittlerweile auch unter den Achseln wirkt. Hollywood-Stars dürfen nicht schwitzen. Und schon gar nicht, wenn es zur ersten wirklich großen Preisverleihung des Jahres geht.

Am Sonntagabend riefen die Golden Globes. Zum 68. Mal wurden die Filmpreise im Beverly Hilton Hotel verliehen. 85 "ausländische Journalisten" der HFPA (Hollywood Foreign Press Association), die meisten davon im verdienten Rentenalter, wählen in geheimer Mission die Besten aus Kino und TV.

Baby-Bäuchlein gängiges Mode-Accessoire

Trotz einiger Unkenrufe im Vorfeld - der von den Kritikern unisono verrissene Streifen "The Tourist" (von Florian Henckel von Donnersmarck) war einzig von der HFPA als nominierungswürdig befunden worden - zog die Party auch in diesem Jahr die gesamte A-Liste der amerikanischen Entertainment-Industrie an und deutete mit der Verleihung der Goldtrophäen auf ein interessantes Oscar-Rennen hin.

Vom krebsgeheilten Michael Douglas über Steven Spielberg bis hin zu Halle Berry, einer fröhlichen, schwangeren Natalie Portman, Annette Bening und Mark Wahlberg bis hin zu Johnny Depp, Angelina Jolie und Brad Pitt, und einer im Kleiderschrank Amok gelaufenen Helena Bonham Carter war Hollywoods Elite in schwarzen Limousinen vorgefahren und ließ sich an mit Schokolade und Champagner geschmückten Tischen reichlich verwöhnen.

Auffallend in diesem Jahr war der kleine Baby-Bauch als Mode-Accessoire. Seien es Natalie Portman, Jane Krakowski, Marion Cotillard oder Randi Zuckerberg (der Schwester von Facebooks Mark Zuckerberg) - sie alle schoben ihr Bäuchlein stolz vor sich über den roten Teppich. "Ich fühle mich großartig und kann es kaum abwarten, meinen kleinen Racker mit offenen Armen in dieser Welt zu begrüßen", jubilierte Natalie Portman.

Bösartigkeiten von Ricky Gervais

Als Gastgeber hatten die Organisatoren der HFPA, dessen Mitarbeiter-Stab sich unlängst nach einer internen Abstimmung eine 20prozentige Gehaltserhöhung gegönnt hat, wieder den britischen Komiker Ricky Gervais auf die Bühne gestellt. Der gab sich gewohnt bissig und nahm keine Rücksicht auf kollegiale Solidarität. So nahm er Charlie Sheens jüngste Abenteuer mit Alkohol und Prositituierten aufs Korn, indem er gleich zu Beginn ankündigte, dass "der heutige Abend aus viel Party und heftigem Trinken bestehen wird. Oder wie Charlie Sheen es nennt: Frühstück".

Auch an seinen Arbeitgeber teilte Gervais aus. Warf er HFPA nach der umstrittenen Nominierung von "The Tourist" doch glatt vor, Bestechungsgelder der Studios entgegenzunehmen und beleidigte auch gleich den Präsidenten der HFPA, indem er erzählte, dass er gerade seinem Chef von der Toilette getroffen und ihm geholfen habe, den Zahnersatz in den Mund zu schieben. Bruce Willis stellte er als "Ashton Kutchers Vater" vor. Und in Anlehnung an Hugh Hefners jüngste Verlobung mit einer 24-Jährigen fielen die Worte "walking dead". Das Publikum schmunzelte, versteckte sich bei Nahaufnahmen schnell hinter einem Champagnerglas und ließ den Briten, der trotz einiger Glanzpunkte seiner Bestform hinterherzulaufen schien, gewähren.

Prunk ist wieder in

Die Golden Globes kehrten in diesem Jahr zu Protz und Prunk zurück. War im vergangenen Jahr im Zeichen der weltweiten Rezession noch Bescheidenheit angesagt, wurde der rote Teppich am Sonntag zum Fest der glitzernden Eitelkeiten. Dame Helen Mirren erzählte jedem, der es nun wissen wollte oder nicht, dass sie ein Diamant-Collier von Cartier im Wert von 1,6 Millionen durch die Gegend schleppe. Natürlich streng bewacht von zwei persönlichen Bodyguards.

Robert Downey Jr. hatte sich eigens für dieses Event von Kopf bis Fuß von Prada einkleiden lassen. Ehefrau und Downeys "Lieblings-Produzentin" Susann Downey flüsterte in Interviews auf dem roten Teppich eilig hinzu, dass der Schmuck von Cartier stamme: "Ich liebe es, mich selbst zu entertainen. Deshalb bin ich hier", so Downey Jr. Gastgeber Gervais brachte es auf den Punkt, als er die Globes mit einem Besuch in einem exklusiven Steakhouse verglich, "mit 300 Promis an den Tischen".

Mit Facebook zu den Globes

In diesem Jahr war Facebook sehr präsent bei der Preisverleihung. Milliardär Mark Zuckerberg ließ sich zwar ­- wie eigentlich immer, wenn es um solch feuchtfröhliche Events geht - entschuldigen, hatte dafür aber seine Schwester Randi Zuckerberg geschickt. Die posaunte stolz, dass "mehr als sieben Millionen Menschen die Globes auf Facebook" live verfolgen würden, gab aber mit einem süffisanten Lächeln zu, dass die meisten User auf "Black Swan" und nicht "The Social Network" (dieser Film basiert schließlich auf der Geschichte von Facebook) als Favoriten für den besten Film gesetzt hätten.

Bei der Verleihung gab es denn wenig Überraschungen: Portmans Performance in "Black Swan" brachte ihr einen Globe, Colin Firth wurde für "The King's Speech" geehrt. Beide Darsteller gelten auch als haushohe Favoriten für den Oscar. Als bester Film gewann ­mit zugegebenermaßen einigen überraschten Seufzern im Pulblikum ­David Finchers "The Social Network". Viele Gäste hatten da doch eher mit einem Sieg für "The King's Speech" oder "Black Swan" gerechnet.

Annette Bening ("The Kids Are All Right"), Christian Bale ("The Fighter") und Paul Giamatti ("Barney's Version") wurden ebenfalls geehrt. So auch die Animation "Toy Story 3". Der fasznierende Western "True Grit" (an dem große Oscar-Erwartungen hängen) war gar nicht erst nominiert. Den Ehrenpreis (Cecil B. DeMille Award) bekam in diesem Jahr Robert De Niro. Matt Damon überreichte den Preis für das Lebenswerk an einen sichtlich in die Jahre gekommenen De Niro, der sich, ganz untypisch für den als sympathischen Schauspieler bekannten Superstar, mit einer sehr dubiosen Anmerkung von der Bühne verabschiedete: "Die meisten Mitglieder der HFPA können heute Abend nicht hier sein, weil sie ausgewiesen worden sind - wie auch viele Kellner des heutigen Abends." Ein Jury-Mitglied merkte an, dass "Mr. De Niro wohl nicht den Tischservice erhalten hat, den er normalerweise gewohnt ist."