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CES 2009: Öko-Trends und Tom Hanks in 3D

Mit reduziertem Energieverbrauch soll Hightech die Industrie künftig aus der Krise sparen. Und während 3D-Technologie und Vernetzung die Trendthemen der Consumer Electronics Show in Las Vegas sind, macht sich Tom Hanks über seinen Arbeitgeber Sony lustig.

Von Dirk Liedtke, Las Vegas

Man könnte fast Angst bekommen, neue Fernseher hätten alle einen Grünstich. So schrill tragen die großen Elektronikkonzerne zum Start der High-Tech-Show CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas ihr Umweltbewußtsein zu Markte. Als ob Al Gore sie alle in ihren Alpträumen gescholten hätte. Sparsamere Flachfernseher und DVD-Player sind natürlich eine gute Nachricht - besonders in wirtschaftlich schweren Zeiten. Die ehrgeizigen Ingenieure in Amerika, Japan und Süd-Korea glänzen in diesem Jahr weniger mit atemberaubenden Neuigkeiten als mit Trendsetter-Produkten für die vermeintlich bevorstehenden mageren Jahre, die von klammen Konsumenten und Angst vor dem Klimawandel geprägt sein könnten. Ob die Kunden wirklich so grün ticken, wie die Hersteller sich das vorstellen? Zudem bleib t den Elektronikkonzernen keine Wahl, den Energieverbrauch zu senken. Zumindest, wenn sie ihre Produkte künftig in Europa verkaufen wollen. Innerhalb der EU dürfen ab 2009 nur noch Geräte verkauft werden, die im Stand-by-Betrieb kaum noch Strom verbrauchen.

Rote LED-Zahlen demonstrieren an vielen Messeständen den deutlich reduzierten Energieverbrauch der neuesten Modellgeneration. So sollen die neuesten Sony-Bravia-Fernseher um 40 Prozent weniger Strom ziehen. Andere Firmen hantieren mit ähnlichen Zahlen. In einem speziellen Ausstellungsbereich tummeln sich kleine Tüftlerfirmen, die etwa die Leistungsaufnahme ungenutzter mit dem Stromnetz verbundenen Ladegeräten auf null reduzieren.

Ein Minikraftwerk in Flaschengröße mit Windrad und Solarzellen lädt Handy und Media-Player unabhängig vom Stromnetz auf - das passende Wetter vorausgesetzt. Eine kleiner Anbieter von Radios mit Holzgehäusen aus Indonesien verteilte gar Jutetaschen an Messebesucher. (Artikel zu dem Radio auf stern.de) "Jute statt Plastik" auf der High-Tech-Messe - noch vor zwei Jahren wäre das unvorstellbar gewesen.

Blu-ray statt Fernweh

In Las Vegas preisen viele Manager das Heimkino als preisgünstige Alternative zu Reisen oder Restaurantbesuchen an. Eine neue Wortschöpfung für den Trend gibt es auch schon: "Staycation", zusammengesetzt aus "stay" und "vacation". Auf Deutsch würde das etwa Nicht-Wegfahr-Urlaub heißen. Oder auch glotzen statt reisen. Immerhin sinkt so der CO2-Ausstoß deutlich.

In kleinen Schritten machen Fernseher weitere technische Fortschritte - schnelle Schwenks bei Action oder Sport ruckeln weniger, schwarz nähert sich auch bei LCD-Fernsehern immer mehr dem echten Schwarz an, wie man es von der Röhrenglotze oder Plasmageräten kennt. Durch eine feiner gegliederte Hintergrundbeleuchtung werden die Bilder nuancenreicher. Und Samsung stellt mit mehreren LED-Fernseher eine angeblich lichtstärkere Alternative zu LCD-Modellen vor. Der Druck auf die Preise nimmt trotzdem nicht ab. Gut für den Kunden; wie bei vielen digitalen Geräten werden auch Fernseher besser und gleichzeitig billiger.

Web im TV

Wenn man sich auf dem Sofa vor dem Fernseher räkelt, muss man nicht mehr den Laptop auf dem Schoß balancieren. Die neueste Fernsehergeneration verbindet sich per Funk oder Kabel mit dem heimischen DSL-Anschluss und zapft direkt das Web an. Da lassen sich dann per Fernbedienung und eingeblendeter Tastatur YouTube-Videos abrufen, Börsenkurse, Schlagzeilen und Wetter beobachten, Ebay-Auktionen einblenden oder Flickr-Fotoalben durchblättern. So könnten auch noch die wenigen verbliebenen Onlinemuffel auf ihre alten Tage Geschmack am Internet finden.

Muss man jede neue Entwicklung mitmachen? "Nein", sagt die Firma Toshiba - allerdings vermeintlich auch aus Rache. Im letzten Jahr wurde der japanische Konzern pünktlich zum Messestart aufs brutalste vorgeführt, als alle Hollywood-Studios sich überraschend für den Videostandard Blu-ray für Filmscheiben mit hochauflösenden Inhalten entschieden. Über Nacht wurden die besonders von Toshiba angebotenen Abspielgeräte für den konkurrierenden HD-DVD-Standard zu Elektroschrott.

In diesem Jahr pusht Toshiba DVD-Player, die angeblich besonders scharfe Bilder aus herkömmlichen DVDs auf HD-Fernseher zaubern. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, weil diese Fernseher ja für superscharfe Bilder ausgelegt sind und die DVD noch im Zeitalter von Röhrenfernsehern erfunden wurde. Aber wer seine DVD-Sammlung nicht noch mal kaufen möchte, hat so immerhin das schöne Gefühl, das letzte aus seiner Filmsammlung herauszukitzeln.

Wie man von einem Mangel an aufregend neuen Produkten ablenken kann, demonstrierte der Sony-Chef Howard Stringer bei einer gefühlt endlos langen Eröffnungsansprache am ersten Messetag. Der geadelte, gebürtige Waliser, ein charmanter, intellektuell angehauchter Weltbürger, ließ sich von Tom Hanks auf den Arm nehmen, der einen Clip seiner neuesten Dan-Brown-Verfilmung zeigte ("Illuminati", im Original: "Angels and Demons"). Hanks ließ demonstrativ raushängen, dass er nur vor neun Uhr morgens auf einer Bühne in Las Vegas stehe, weil Sony ihn dazu zwinge. Auch der erfolgreiche Soulsänger Usher kokettierte nach einem Kurzauftritt damit, nicht nur Sony-Produkte zu nutzen. Egal, ist nicht ernst zu nehmen. Hauptsache, die geskripteten Lacher saßen, das taten sie auch und der Glanz der Superstars strahlt so auf die Sony-Geräte ab.

Flachfernseher sind konstruktionsbedingt verwechselbar. Deshalb suchen die Designer verzweifelt nach Details, die Individualität verströmen sollen: Chromleisten umschließen mal schwarzen Klavierlack, rote Farbakzente oder blaue LEDs sollen Eleganz vermitteln und ein bündig mit dem Rahmen abschließendes LCD-Display gar an einen Infinity-Swimming-Pool erinnern, bei dem das Poolwasser scheinbar mit dem Meer am Horizont verschwimmt - alles reine Geschmacksache.

Den Vormarsch des Internet auf den Fernseher unterstützen schon seit längerem die Spielkonsolen mit Onlineanschluss, also die Wii von Nintendo, Microsofts Xbox 360 und natürlich die Playstation 3. Dicke Wachstumszahlen und Optimismus meldete Sony-Chef Stringer aus dem Bereich der Playstation. Immer mehr Dienste und virtuelle Spielewelten betreibt Sony online - teils werbefinanziert, teils gegen Gebühr. Seit November 2006 haben sich 17 Millionen Nutzer beim Playstation Network angemeldet.

Vernetzung der Spieler

Die besonders vernetzte digitale Generation der nach 1980 Geborenen kann online eigene Spiele programmieren, hochladen und gemeinsam spielen. Digitale Unterhaltung wird immer mehr zum Gemeinschaftserlebnis, zwar nur auf Distanz, aber immerhin sozial und mit Kommunikation angereichert. Wenn Stringer die Vision beschwört, Enkel und ihre Großeltern könnten sich simultan die neueste Disney-Disc auf Bluray anschauen und über die Internetverbindung des Players chatten, kommt man ins Grübeln. Das mag in den riesigen Vereinigten Staaten verlockend erscheinen, aber eine schöne Vorstellung ist es trotzdem nicht.

Die Blu-ray-Scheibe soll Sony, Hollywood und allen anderen Playerherstellern noch viele Dollars in die Kassen spülen. Pixar-Boss John Lasseter ("Wall-E") und Dreamworks-Chef Jeffrey Katzenberg ("Shrek") kamen aus Hollywood nach Las Vegas, um die BD Live genannten Internet-Dienste und Filmclips in 3D zu zeigen.

Die dritte Dimension

Dazu muss man zwar immer noch eine Brille aufsetzen, aber der Effekt ist beeindruckend. Mehrere große Fernseherhersteller zeigten die Technik an ihren Ständen. Bei ohnehin künstlich wirkenden Animationsfilmen oder Computerspielen ist der Effekt frappierend und erhöht den Unterhaltungswert deutlich. Bei einem Footballspiel hingegen wirken die Akteure seltsam gestaffelt, als seien sie am Computer Ebene für Ebene montiert.

An superscharfe Bilder gewöhnt man sich sofort, sie wirken gegenüber einem herkömmlichen DVD-Bild oder TV-Programm wie eine neue, deutlich stärker Brille. Aber die Umstellung auf 3D-Programme könnte etwas mehr Zeit erfordern.

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