Consumer Electronics Show Trendcheck CES 2007


In Las Vegas geht die Consumer Electronics Show (CES) zu Ende. Der richtige Zeitpunkt, um die wichtigsten Trends und Entwicklungen zusammenzufassen.
Von Maximilian Geyer, Las Vegas

Flach-TVs: HD ready war gestern, Rückpros sind zurück, und Sharp hat den Größten

Auf der Berliner Funkausstellung Ifa im Spätsommer letzten Jahres warben die Hersteller noch munter mit den "HD ready"-Logos auf ihren Flachbildschirmen. Auf der CES ist "HD ready" schon fast ein Schimpfwort - selbst nicht so namhafte Hersteller statten mittlerweile neue Geräte in der Oberklasse nur noch mit einer vollen 1080p-Auflösung, also "Full HD" aus. Der in Las Vegas zu beobachtende Trend zur höchstmöglichen Auflösung hat aber auch regionale Gründe: In den USA gibt es einfach schon jetzt viel mehr Inhalte im extrascharfen HDTV als in Deutschland.

Auf Aufholjagd mit den beiden dominierenden TV-Standards LCD und Plasma befinden sich Rückprojektionsfernseher (Rückpros), die auf der CES eine echte Renaissance erleben. Die Kinderkrankheiten der nicht mehr ganz so neuen Technologie scheinen überwunden zu sein. Große Marken wie Samsung, Sony oder JVC zeigten Geräte, die bei vergleichbarer Bildqualität immer noch deutlich billiger als LCD- oder Plasma-Schrime sind. Einziger Haken: Auch wenn die Rückpros dünner werden - ganz so flach wie LCDs oder Plasmas sind sie immer noch nicht.

Ungebrochen ist auch der Trend zu immer größeren Fernsehern. Eine Frage, die in jedem Jahr aufs Neue die Messebesucher beschäftigt: Wer hat den Größten? Diesmal darf sich Sharp mit dem begehrten Titel schmücken: Der 108-Zoller ist der größte LCD-Fernseher der Welt. Bisheriger Rekord waren ca. 105 Zoll. Auch nicht kleinlich ist LG: Die Koreaner zeigen auf der CES einen 100-Zoll-LCD-Bildschirm mit Full-HD-Auflösung - in dieser Kategorie ebenfalls ein Rekord.

Handys: San Francisco stiehlt Las Vegas die Show

Die Mobilfunkbranche war in Las Vegas gut aufgestellt. Nokia kündigte neue Top-Modelle an, Samsung ebenfalls - und Motorola-Chef Ed Zander war sogar Hauptredner einer der fünf Keynotes. Doch dann kam Apple-Boss Steve Jobs und verkündete auf der zeitgleich in San Francisco stattfindenden Macworld-Messe das Erscheinen des sehnsüchtig erwarteten iPohnes - und keiner redete mehr über die CES-Handys.

Dabei müssen die in Las Vegas gezeigten Phones sich nicht vor der neuen i-Konkurrenz verstecken - zumindest rein technisch betrachtet. Die neuen Handys glänzen mit mehr Multimedia-Extras denn je. Und was das Design betrifft, so gilt bei den Telefonen das gleiche wie bei den Fernsehern: Vor allem flach müssen sie sein. Und nicht, wie noch vor ein paar Jahren, unbedingt nur immer winziger. Nach wie vor ist das mittlerweile in die Jahre kommende Razr von Motorola stilbildend für die neue Handy-Generation.

Windows Vista: Der Trend geht zum Zweitdisplay

Zwar war das Ende Januar erscheinende Vista-Betriebssystem in Las Vegas, nicht zuletzt dank Bill Gates' Eröffnungsrede, allgegenwärtig - doch das schlug sich nicht unbedingt in einer Flut neuer Hardware nieder. Was natürlich auch daran liegt, dass die CES keine Computer- sondern eine Unterhaltungselektronikmesse ist. Spätestens zur Cebit im März werden sich, von der kleinsten Maus bis zum Komplett-PC, sämtliche Geräte (und natürlich auch Software) mit dem Vista-Logo schmücken.

Was man jedoch schon in Las Vegas bewundern konnte, waren Notebooks mit kleinem Zweitmonitor an der Außenseite - so gesehen bei Toshiba und Asus. Eine in Vista integrierte Funktion namens Sideshow ermöglicht dort die Anzeige von E-Mails, Adressdaten oder auch Musik-Wiedergabelisten. Das Praktische daran: Das Mini-Display lässt sich auch bei ausgeschaltetem Notebook nutzen. Zum Beispiel, um mal eben die E-Mails zu checken. Demnächst sollen auch andere Geräte wie Tastaturen, Fernbedienungen oder Handys einen an den Haupt-Rechner angeschlossenen Sideshow-Monitor verpasst bekommen.

Netzwerke und Speicher: Darf's ein bisschen mehr sein?

Das "Digitale Zuhause" ist auf der CES keine Vision mehr, sondern äußert sich ganz konkret in einer Unmenge an Produkten. Sie alle haben das Ziel, die unaufhaltsam wachsenden Datenmengen, die sich in unseren multimedialen Haushalten ansammeln, irgendwie in den Griff zu kriegen. Die Speicherproduzenten überbieten sich mit neuen Rekorden. Zurzeit hat Hitachi mit der in Las Vegas vorgestellten Terabyte-Festplatte die Nase vorn.

Sind die Daten einmal gespeichert, sollte man sie nur noch irgendwie zwischen den verschiedenen Geräten hin und her schieben können. Bill Gates nannte das in seiner Eröffnungsrede das "vernetzte Erlebnis" - und kündigte dazu passend den Windows Home Server an, der künftig als Kernstück des Heimnetzwerks dienen soll. Auch andere Hersteller, wie zum Beispiel Linksys oder Buffalo, wollen Privatnutzer von den Vorteilen eines Heimnetzwerkes überzeugen und haben auf der CES so genannte "Network Attached Storage"-Geräte vorgestellt. Für Haushalte mit mehr als einem Computer oder mit Wohnzimmer-PCs ist das durchaus eine äußerst praktische Angelegenheit.

Blu-ray vs. HD-DVD: Weiter Krieg um das Erbe der DVD

Trotz Ankündigung eines Hybrid-Formates (von Warner) und eines Hybrid-Players (von LG): Der Formatkrieg zwischen den beiden hochauflösenden Blaustrahl-Scheiben ist noch lange nicht beendet. Zu lasten der Verbraucher, bei denen nach wie vor große Unsicherheit herrscht. Beide Seiten, wie das bei Kriegen so üblich ist, geben sich siegessicher und reden vom baldigen Untergang des Gegners.

Auf der CES gab es jedoch erste Anzeichen dafür, dass Blu-ray derzeit die Nase vorn hat. Mehr und vor allem namhaftere Hersteller haben entsprechende Abspielgeräte für diesen Standard angekündigt. Marktforscher glauben, dass vor allem Sony mit dem ab Werk integrierten Blu-ray-Laufwerk in der neuen Playstation 3 dem Format zum Sieg verhelfen könnte.

Microsoft, neben Toshiba prominentester Hardware-Vertreter des HD-DVD-Lagers, bietet den Nutzern seiner Xbox 360-Konsole ein HD-DVD-Laufwerk nur als externen Zusatz an. Das Gerücht, Microsoft würde auf der CES eine neue Xbox-Version mit serienmäßigem HD-DVD-Laufwerk ankündigen, hat sich indes als Ente erwiesen.

Ausgerechnet von der in Las Vegas parallel zu CES stattfindenden Pornomesse AVN kommt jedoch ein Dämpfer für die Blu-ray-Fraktion: Ein führender Porno-Produzent kündigte an, Titel wie "Teen America" künftig auf HD DVD zu veröffentlichen. Schlüpfrige Blu-ray-Titel sind bislang hingegen Mangelware. Der Grund: Angeblich sei Lizenzgeber Sony dafür zu prüde.


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