Games Convention Viele feine Fortsetzungen


In Leipzig lockt die Games Convention zehntausende Fans von Video- und Konsolenspielen an. Sie erwartet eine Menge toller Spiele - die man im Prinzip kennt. Wirklich Neues ist selten. Immerhin: Nintendo versucht, uns aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Von Ralf Sander

Konsole mio - unter diesem Motto steht die diesjährige Games Convention, die in Leipzig bis Sonntag ihre Tore für Video- und Computerspiele-Fans geöffnet hat, noch mehr als in den Vorjahren. Auch in Europa sind jetzt alle Konsolen der neuen Generation erhältlich. Und auch wenn aktuelle Daten bestätigen, dass in unseren Breiten der PC immer noch die Plattform Nummer eins ist- im Gegensatz zum Rest der videospielenden Welt -, so scheuen die Konsolenhersteller keinen Aufwand, um zu signalisieren: Wir wollen in Eure Wohnzimmer.

Sony setzt für seine Playstation 3 deren Werbeslogan "This is Living" auf dem Großteil seines gewaltigen Messestandes um: Verschiedene Wohnumgebungen sind aufwändig nachgebaut, von plüschig bis cool, und sogar der Sanitärbereich wird nicht ausgespart. Kloschüsseln mit davor montierter Konsole - this is zwar nicht jedermanns Living, aber eine hübsche Idee. In diesem Ambiente werden vor allem die Familienspiele wie die neue Ausgabe des Karaokespaßes "Singstar" präsentiert. Für die Hardcoregamer gibt's aber noch eine rusitikale Ecke in sandiger Wüstencamp-Optik, wo unter anderen der vierte Teil des Actiontitels "Time Crisis" angespielt werden kann.

Unter Palmen

Konkurrent Microsoft präsentiert seine Xbox 360 komplett auf Sand, auf echtem, dazwischen Palmen. Entspanntes Spielen oder aufgrund der sackartigen Sitzgelegenheiten besser: spielerisches Herumhängen ist angesagt. Die Nachricht fürs Volk soll lauten: Konsolenspielen ist ebenso cool wie ein Besuch im Beachclub. Bereit zum Ausprobieren ist zum Beispiel das neue Spiel zum "Simpsons"-Film. Und der heiß erwartete dritte Teil des Actionspiels "Halo", der vor ein paar Jahren praktisch im Alleingang die Verkaufszahlen der alten Xbox befeuert hatte. Etwas Außergewöhnliches hat Microsoft auf dem Freigelände versteckt: ein Riesenrad, in dessen Kabinen zum einen der Trailer zu "Halo 3" abgespielt wird und man zum anderen in luftiger Höhe das Prügelspiel "Virtua Fighter 4" zocken kann.

Fast klinisch kühl kommt der strahlend weiße Stand des dritten großen Konsolenbauers Nintendo daher. Irgendwie passend: Die Japaner scheinen zurzeit am Herzen des Konsumenten zu sein wie kaum ein anderer Hersteller. Das Konzept, Nichtspieler an die Controller zu locken, scheint aufzugehen. Mit einem breiten Grinsen präsentierte Nintendo der Presse aktuelle Verkaufszahlen, von denen die anderen Konsolenhersteller nur träumen können. Der Volksmund würde sagen: Der kleine Nintendo DS und die innovative Wii-Konsole verkaufen sich wie geschnitten Brot. In den ersten sieben Monaten 2007 waren 18 der 20 meistverkauften Konsolentitel für eine Nintendo-Plattform. Laut eigenen Angaben steht die Firma mit allen Hardware- und den dazugehörigen Softwareprodukten für die Hälfte des gesamten Videospielumsatzes im deutschen Handel.

Eine echte Neuheit

Ran an die Nichtspieler - sein Erfolgskonzept verfolgt Nintendo auf der GC konsequent. Spiele, die sich an klassische Gamer richten - wie die neuen Titel um den agilen Klempner Mario-, werden auf dem Stand nicht gezeigt. Es gibt nur Titel für jedermann und -frau zu sehen: darunter Sportspiele und die sehr erfolgreichen Hirntrainer aus der Reihe "Dr. Kawashimas Gehirnjogging". Fitness ist auch das Thema einer Weltneuheit: "Wii Fit" kommt mit einem neuen Eingabegerät daher. Ein kleines Podest, auf das man sich stellt, erfasst die Gewichtsverteilung des Spielers und setzt sie in Steuerbefehle um. So werden Spiele möglich, die den Gleichgewichtssinn fordern und fördern. Bestimmte Yogaübungen zum Beispiel oder virtuelles Hulahoop-Reifen-um-die-Hüfte-Wirbeln.

Bei den meisten anderen Spielen wird nicht mit der Hüfte gewackelt, sondern aus selbiger geschossen. Das Actiongenre steht nach wie vor in voller Blüte, besonders auf dem PC. Überall kracht, brüllt und ballert es. Allein die Flut an Egoshootern scheint unübersehbar. Herausragend und endlich auch (für Volljährige) anspielbar: "Crysis" aus deutschen Landen. Eine gute Möglichkeit, das tatsächliche Spiel und die eigenen, möglicherweise irrwitzigen Erwartungen ein wenig anzunähern. Gleiches gilt für den Chinaböller "Stranglehold", der auf einem Konzept des legendären Hong-Kong-Actionregisseurs John Woo basiert.

Bekannte Trends

Verschiedene Trends setzen sich auch 2007 fort: Die technische Brillanz scheint keine Grenzen zu kennen. Jedes Mal, wenn man denkt, Grafik und Sound könnten nicht besser werden, wird man überrascht. Nur wirklich Neues gibt es kaum. Fortsetzungen regieren die Spielewelt. Addiert man die ganzen Ziffern am Ende vieler Spieletitel, käme man vermutlich auf die Besucherzahl der Games Convention. Na ja, fast. Außerdem ungebrochen: Onlinespiele für Massen an Menschen. Der anhaltende Erfolg von "World of Warcraft" lockt immer noch eine unüberschaubare Anzahl Fantasy-inspirierter Multiplayer-Games an. WoW-Hersteller Blizzard selbst folgte übrigens dem Motto: "Weniger ist mehr". Nur zwei Spiele werden den Besuchern gezeigt, die kann man allerdings auch ausprobieren. Die beiden Titel sind dafür echte Schwergewichte mit einer ausgehungerten Fanbasis: "Starcraft 2" und die WoW-Erweiterung "Wrath of the Lich King" sorgten schon am Fachbesuchertag für Schlangen.

Persönliches Highlight

Die netteste GC-Überraschung für den Autor dieser Zeilen ist übrigens die Ankündigung von "Mafia II", der Fortsetzung eines ganz wunderbaren Spiels aus Tschechien. Allerdings gibt es bisher nur einen Trailer zu sehen und überhaupt nichts vom Spiel selbst. Es könnte also sein, dass der Titel zu einem der legendären Wiedergänger wird, die mehrere Jahre lang auf jeder Games Convention erneut "angekündigt" werden. Auf die Frage nach einem Erscheinungsdatum erntet man zumindest zurzeit nur ein Lächeln - und ein Schulterzucken.


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