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"Diablo 3: Reaper of Souls" im Test Hölle, Hölle, Hölle


Endlich ist die "Diablo 3"-Erweiterung "Reaper of Souls" da. Darin muss der Spieler niemand Geringeres als den Tod höchstpersönlich besiegen. Wir haben das Spiel getestet.
Von Christoph Fröhlich

So eine Apokalypse kann sich ganz schön hinziehen: Bald zwei Jahre ist es her, seit ich das Dämonenmetzel-Abenteuer "Diablo 3" auf meinem PC installiert und mit meiner Zauberin in die schaurig-schöne Fantasywelt von Sanktuario aufgebrochen bin. Ich bin durch siffige Katakomben voller Ratten gestiefelt, habe in verlassenen Tempeln zigtausende von Skelettkriegern bekämpft, um am Ende meines Weges sogar den Teufel höchstpersönlich niederzuringen. Ich habe (zu) viele Stunden damit verbracht, die Schergen der Hölle ins Jenseits zu befördern und kistenweise magische Artefakte und Gold gesammelt.

Den Teufel konnte ich töten, doch ich habe es nicht geschafft, die Welt zu retten: In der Nacht von Montag auf Dienstag erscheint in Deutschland um Mitternacht die Erweiterung "Reaper of Souls". Darin taucht eine neue, noch dunklere Bedrohung auf: der Todesengel Malthael. Und Millionen Menschen auf der ganzen Welt können es wie ich kaum erwarten, gegen ihn in die Schlacht zu ziehen.

Milliardengeschäft mit der Hölle

Das Hack n and Slay "Diablo 3" war einer der Bestseller des Jahres 2012. Vor zwei Monaten hat das Spiel über alle Plattformen hinweg - PC, Playstation 3 und Xbox 360 - die Marke von 15 Millionen verkauften Exemplaren geknackt. Und es ist davon auszugehen, dass das Entwicklerstudio Blizzard mit "Reaper of Souls" einen ähnlichen Erfolg feiern wird. Auf Amazon ist das Spiel schon jetzt auf Platz eins der Bestseller-Charts.

Darum geht's in "Reaper of Souls": Höllenfürst Diablo ist tot, seine dämonische Seele ist in einem mythischen Stein verbannt. Das Relikt soll in den Tiefen eines unbekannten Verlieses versteckt werden, damit das Böse nie wieder die Welt heimsucht. Doch es kommt, wie es kommen muss: Während der Prozedur taucht der seit Jahrhunderten verschollene Todesengel Malthael aus den Schatten auf. Er macht dank seiner beiden Sichelklingen mit den Wächtern kurzen Prozess, danach saugt er seinen Opfern obendrein die Seele aus. Er ist das vielleicht mächtigste Wesen, das die Welt je heimgesucht hat.

Schwing den Morgenstern

Nun liegt es erneut am Helden - also mir -, die Welt zu retten. Ich kann dafür entweder mit meinen bereits erstellen Heroen aus dem Originalspiel in die Schlacht ziehen oder die neu erstellte Klasse des Kreuzritters wählen. Der Glaubenskrieger kämpft mit Morgenstern und Schild und kann gleichermaßen austeilen wie einstecken. Wie jede Charakterklasse hat auch der Kreuzritter ein paar coole Spezialfähigkeiten: So kann er mit dem Zauber "Fallendes Schwert" direkt zum Gegner springen oder mit einem magischen Pferd durch Gegnermassen hindurchreiten.

Doch auch die "alten" Helden haben in der Erweiterung neue Tricks drauf: Der Barbar kann mit "Erdrutsch" Felsen vom Himmel regnen lassen, meine Zauberin kann ein Schwarzes Loch beschwören und der Hexendoktor einen See unter seine Feinde zaubern, in dem gefräßige Piranhas und Krokodile lauern.

Auf in die Ebenen des Wahnsinns

Nach Spinnenhöhlen, sandigen Wüsten, verschneiten Bergpässen und der Himmelspforte zieht es die Spieler im neuen, fünften Akt nun in die Stadt Westmark, der Heimat des gleichnamigen Ritterordens. Hier will Todesengel Malthael gleich ein Exempel statuieren und die Einwohner des gotisch angehauchten Städtchens auslöschen. Anschließend muss man die Blutmarsch-Sümpfe durchqueren, schließlich erreicht man die Ebenen des Wahnsinns, wo Malthael persönlich auf den Spieler wartet. Insgesamt ist der Spieler im fünften Akt für etwa vier bis fünf Stunden beschäftigt.

Die Monster in den neuen Gebieten sind düsterer gestaltet als in den vier Akten zuvor. Der Realm Walker etwa, ein überlebensgroßer Koloss, hat ein Portal zwischen den Hörnern, aus dem fortwährend kleine Kreaturen strömen. Ist der Riese erledigt, bleibt das Portal zurück und der Spieler kann eine Art Paralleluniversum betreten, in dem weitere Monster lauern. Eine tolle Idee, die großartig umgesetzt wurde.

Loben muss man auch den Sound: Die englische Vertonung ist stimmungsvoll, der Soundtrack ist wie schon im ersten Teil auf hohem Niveau. Die deutschen Sprecher konnten wir in der Testversion noch nicht hören. Auch die Videosequenzen sind blizzardtypisch hervorragend in Szene gesetzt.

Ein Kerker voller Monster

Ist die Kampagne durchgespielt, wartet der Abenteuermodus, der für Langzeitmotivation sorgen soll. In diesem Modus gibt es keine Handlung, der Spieler kann die Welt weitgehend frei erkunden. Als Anreiz gibt es die neuen Kopfgelder, das sind zufällig generierte Ziele: Mal muss man ein bestimmtes Monster töten, einen Abschnitt meistern oder ein bestimmtes Ereignis überleben.

Für das Abschließen der Kopfgelder erhält der Spieler Gold, Erfahrungspunkte und sogenannte "Blood Shards" (Blutscherben), mit denen man bei der neuen Händlerin Kadala zufällig erstellte Glücksspiel-Gegenstände erstellen kann. Wer alle Kopfgelder eines Aktes abschließt, erhält außerdem eine Schatzkiste mit Zufallsbeute.

Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach

Zwar erfindet Blizzard mit "Reaper of Souls" das Spiel nicht neu, der Suchteffekt ist aber so hoch wie eh und je: Die Tretmühle aus Monster umkloppen, Erfahrungspunkte sammeln und Gegenstände aufheben war nie kurzweiliger. Das liegt nicht nur an den mitunter kurios anzuschauenden Kreaturen, sondern auch am Abenteuermodus. Hier hätte Blizzard aber noch etwas mutiger sein können und gravierendere Änderungen einbauen müssen.

Obwohl ich mir nach einigen Monaten "Diablo 3" und vielen durchzockten Nächten geschworen habe, das Spiel nie wieder anzurühren, bin ich nun doch wieder schwach geworden. Schon Wochen vor dem "Reaper of Souls"-Release habe ich meine Zauberin fit gemacht für die kommenden Herausforderungen. Und ich bin mir sicher: Auch diesmal werde ich nicht umhin kommen, die eine oder andere Nacht an Maus und Tastatur zu verbringen und genüsslich Dämonen zu schnetzeln. Denn wenn ich den Teufel besiegen konnte, werde ich wohl auch mit dem Tod fertig werden.


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