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Wegen Coronavirus Das Comeback der Raubkopie

Raubkopien sind wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wieder auf dem Vormarsch
Raubkopien sind wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wieder auf dem Vormarsch
© Jürgen Müller/ / Picture Alliance
Wegen des Coronavirus verbringen viele Menschen ihre Abende vor dem Fernseher. Profiteure dieser Entwicklung sind Disney, Netflix - und Anbieter von Raubkopien. Das zeigt eine Untersuchung.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, wurden deutschlandweit Restaurants und Bars, Kinos und Theater, Konzertsäle und Cafés dichtgemacht. Seitdem verbringen viele Deutsche ihre Abende auf dem Sofa, um die neuesten Serien zu schauen. Das zeigten zuletzt etwa die Quartalszahlen des Streamingdienstes Netflix, der mit Rekordwachstum glänzte. Auch der Konkurrenzdienst Disney+ erlebte einen massiven Schub.

Filmpiraterie legt deutlich zu

Zur Wahrheit gehört aber auch: Nicht jeder, der nun zuhause die neuesten Serien und Filme schaut, zahlt auch dafür. Wie das Filesharing-Blog "Torrentfreak" berichtet, erlebt die zuletzt rückläufige Nutzung von Raubkopien nun wieder ein Comeback. Das Portal bezieht sich dabei auf Zahlen der britischen Firma Muso, die sich auf die Verfolgung von Filmpiraterie spezialisiert hat.

Der Analyse zufolge ist die Nutzung in einigen Ländern sprunghaft um mehr als 50 Prozent angestiegen, vor allem im Bereich Filme und Serien. Die Zahl der Besuche auf Live-Sport-Streaming-Seiten ist logischerweise stark zurückgegangen.

Italien und Spanien, zwei der am stärksten von Anti-Corona-Maßnahmen betroffenen Länder, gehören neben Indien zu den drei führenden Ländern. Aber auch in anderen Regionen, in denen entsprechende Maßnahmen eingeführt wurden, ist ein Anstieg zu beobachten. Deutschland liegt mit einem Zuwachs von 36 Prozent auf dem neunten Platz weltweit.

Das Streaming-Dilemma

Immer mehr Streaminganbieter setzen auf hochwertige Serien, zugleich steigt die Nachfrage nach Raubkopien - wie passt das zusammen? Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, erschließt sich bei genauem Hinsehen: War ein Großteil der Serien vor einigen Jahren bei zwei oder drei Anbietern zu sehen, gibt es mittlerweile mehr als doppelt so viele. Jedoch schließt kaum ein Nutzer fünf und mehr Abos parallel ab, das Hin- und Herwechseln zwischen einzelnen Diensten ist vielen zu anstrengend - am Ende entscheiden sich einige deshalb für die illegale Variante.

"Die Trends der Piraterie oder des unlizenzierten Konsums stehen in engem Zusammenhang mit bezahlten oder lizenzierten Inhalten. So wie Netflix große Abonnentengewinne verzeichnet hat, so haben wir auch einen signifikanten Anstieg der Besuche auf Filmpiraterie-Websites beobachtet", sagt Muso-Chef Andy Chatterley.

"Torrentfreak" berichtete bereits Anfang des Monats, dass der Bittorrent-Datenverkehr - eine populäre Filesharing-Methode - rasant anstieg, als wegen des Coronavirus weltweit Ausgangssperren verhängt wurden.

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