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Abzocke Betrug im Online-Handel nimmt während Corona zu: Das sind die beiden wichtigsten Warnsignale

Ist der Shop seriös oder werde ich gerade abgezockt? (Symbolbild)
Ist der Shop seriös oder werde ich gerade abgezockt? (Symbolbild)
© fizkes / Getty Images
Immer öfter versuchen Betrüger, unbedarfte Kunden mit Fakeshops in die Falle zu locken. Und die Corona-Krise verstärkt den Trend noch, sind sich Verbraucherschützer sicher. Dabei gibt es einen sicheren Weg, die Fakes zu erkennen.

In der Corona-Krise macht Shopping im Laden wenig Spaß - und entsprechend boomt der Online-Handel. Und auch die Betrugsversuche mit Fake-Shops gehen nach oben. Fast jeder achte Deutsche wurde schon Opfer von Betrügern im Online-Handel, zeigte eine aktuelle Umfrage des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Betrugsversuche stiegen deutlich an.

"Ja, die Beschwerden über Online-Abzocke haben in den letzten Monaten zugenommen", bestätigte die Verbraucherzentrale Brandenburg auf Anfrage des stern. Auch die Verbraucherschützer in Baden-Württemberg bestätigen den Trend. "Wir können schon seit Jahren feststellen, dass durch den zunehmenden Onlinehandel auch die Betrügereien im Internet zunehmen. Durch die Corona-Krise haben Verbraucher nun mehr Onlinegeschäfte getätigt, so dass hier noch einmal eine Zunahme der Probleme in diesem Bereich festzustellen ist."

Andere Verbraucherschutzstellen konnten keine Zunahme feststellen. Das liege aber auch daran, dass sich betrogene Verbraucher oft direkt an die Polizei wenden, merkten etwa die Hamburger Verbraucherschützer an, statt die kostenpflichtige Beratung der Verbraucherzentralen in Anspruch zu nehmen. "Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass Cyberkriminelle verstärkt versuchen, die derzeitige Situation auszunutzen", bestätigte auch Zahldienstleister Paypal

Immer mehr Opfer von Fakeshops

Der Anstieg ist spürbar: Im Vergleich zum Vorjahr hatte sich der Anteil der Befragten, die auf einen Fakeshop hereingefallen sind, verdoppelt, erklärte die Studie des BSI. Da die Befragung im April und damit gleich zu Anfang der Corona-Krise stattfand, lässt sich allerdings nicht seriös sagen, ob sich der von den Verbraucherschützern bemerkte Anstieg in diesen Zahlen ebenfalls schon widerspiegelt oder noch obendrauf kommt.

Dass sich in der Corona-Zeit auch mehr Gelegenheiten für Betrüger bieten, liegt auf der Hand. "Wer sich in der Corona-Zeit um seine Gesundheit sorgt, vermeidet nach Möglichkeit größere Menschenmengen. Der Online-Einkauf ist da eine gute Alternative", erklärt die Verbraucherschutzzentrale Brandenburg. "Leider ruft das auch vermehrt Betrüger auf den Plan."

Flexible Betrüger

Die passen auch ihre Strategien an. In der Regel seien vor allem Markenkleidung und Schuhe sowie teure Elektronik wie zum Beispiel Smartphones als Lockmittel beliebt, also eher teure Produkte, erklärten die Hamburger Verbraucherschützer. Durch die Professionalisierung würden die Betrüger aber immer schneller ihre Maschen an aktuelle Situationen anpassen, heißt es von den Kollegen aus Baden-Württemberg. "In diesem Frühjahr und Sommer, als Medizinprodukte im stationären Handel Mangelware waren, wurden Verbraucher gerade für diese Produkte vermehrt Opfer von Fakeshops."

Die seien für die Kunden zunehmend schwer zu erkennen, so die Verbraucherschützer. So würden selbst Qualitätssiegel erfunden oder gefälscht und die Betrüger würden AGB von anderen Shops schlicht herüberkopieren, um seriöser zu wirken. Doch bei genauer Betrachtung würden sich in der Regel Hinweise finden, etwa ein fehlendes oder falsches Impressum oder sprachliche Fehler.

Die beiden Warnsignale sollten Sie immer beachten

Zwei Merkmale stechen in der Regel heraus: ein zu niedriger Preis und die Bezahlungsmethode. "Ein sehr günstiger Preis sollte stutzig machen, insbesondere, wenn der ganze Shop nur aus Sonderangeboten für Markenartikel besteht", erklärt die Verbraucherzentrale Brandenburg. Der Preis funktioniere immer wieder als gutes Lockmittel.

Und auch bei den Bezahl-Methoden gibt es ein klares Warnsignal. "Alle Fakeshop-Betreiber wollen ohne Leistung sofort Geld erhalten und arbeiten mit Vorkasse", erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Selbst wenn andere Bezahlwege genannt werden, springt das System letztlich immer auf Vorkasse um, so dass nur diese Bezahlung möglich ist". Dabei gehe es aber nicht nur um die klassische Vorabüberweisung, sondern auch um Zahlungen mit Kreditkarte oder Paypal, bei denen die Verkäufer das Geld sofort abrufbar haben.

Zeit ist Geld

Kommt es zum Betrugsfall, ist schnelles Handeln gefragt. "Wichtig ist, dass Verbraucher schnell reagieren, da teilweise Gelder zurückgeholt werden können, beziehungsweise die Strafverfolgungsbehörden Konten einfrieren können", erklärt die Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg. Je nach Tageszeit könnte die Überweisung innerhalb weniger Stunden von der Bank gestoppt werden, die Polizei habe aber weitreichendere Möglichkeiten, merken auch die Brandenburger Verbraucherschützer an. "Kunden, die vermuten, Opfer eines Betrugs geworden zu sein oder nicht autorisierte Abbuchungen in ihrem PayPal-Konto bemerken, sollten sich direkt an unseren Kundenservice wenden", rät auch Paypal. "Unser Kundenservice prüft den Fall und unterstützt den Kunden bei möglichen weiteren Schritten."

Der Käuferschutz greift dabei aber leider nicht in jedem Fall. "Grundsätzlich sollte man sich vorab informieren, in welchen Fällen der Käuferschutz besteht", rät daher die Hamburger Verbraucherzentrale. Eine wichtige Ausnahme ist etwa die Option "Freunde und Familie", die daher von Betrügern gerne eingefordert wird. Darauf sollte man bei einem Shop aber nie eingehen.

Letztlich sollten die Kunden die Vorauszahlung am besten meiden, raten die Verbraucherschützer. "Bei Zahlung per Vorkasse (Überweisung, Kreditkarte) muss man letztlich immer einkalkulieren, dass man die Ware nicht erhält und das Geld weg ist", warnt etwa die Hamburger Verbraucherschutzzentrale. Die Brandenburger Kollegen sehen das ähnlich. "Wir empfehlen, nach Möglichkeit auf Rechnung einzukaufen. Hier besteht für den Käufer das geringste Risiko, weil man die Ware vor Zahlung erhält."

Quelle:BSI-Digitalbarometer


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