HOME

Führungswechsel bei Google: Genug von Eric

Wie vielen IT-Giganten zuvor droht auch Google nach Jahren des Wachstums Stagnation. Um diesem Schicksal zu entgehen, muss Konzernchef Eric Schmidt wieder Platz machen für Mitgründer Larry Page.

Von Matthias Lambrecht

Die Nachricht über seinen Rückzug bei Google war kaum ein paar Stunden alt, da telefonierte Eric Schmidt schon mit Silicon-Valley-Blogger Michael Arrington. Schließlich hatte der scheidende Google-Chef etwas klarzustellen: Aufgestiegen sei er nun, beharrt er. Als Chairman des Verwaltungsrats von Google treffe er weiterhin alle wichtigen Entscheidungen mit den Gründern Larry Page und Sergey Brin. "Nur dass Larry dafür künftig die Anerkennung und die Aufmerksamkeit bekommen wird", erklärte Schmidt etwas gönnerhaft-väterlich. Per Twitter, wie sich das in der kalifornischen Tech-Szene gehört, hatte er zuvor schon seine "Follower" wissen lassen: Die "tägliche Aufsicht durch Erwachsene" sei nicht mehr notwendig.

Nun wird Larry Page wieder die operative Führung der Such- und Werbemaschine übernehmen - und im Valley wird heftig über den Chefwechsel spekuliert. Schmidts Rat wird nicht mehr gebraucht, urteilt Henry Blodget vom Branchendienst "The Business Insider". "Die Typen, die Google kontrollieren, Larry und Sergey, haben entschieden, dass sie genug von Eric hatten", so Blodget. "Also haben sie ihn gefeuert." Offenbar versucht Google mit dem Chefwechsel, dem Schicksal anderer IT-Giganten zu entgehen, die nach schnellem Wachstum träge wurden. Aber Google will beweglich und innovativ bleiben.

Hip sind jetzt andere

Unter Schmidt hat das lange funktioniert. Vor zehn Jahren ist er an die Spitze gerückt. Damals drangen die Risikofinanzierer des jungen Unternehmens auf einen Profi im Topmanagement, der für weiteres Wachstum sorgen sollte. Schmidt, bis dahin Chef des Softwareunternehmens Novell, löste den End-20er Page ab. Unter dem Profi stieg Google vom Startup mit rund 200 Mitarbeitern zum globalen, börsennotierten Branchenriesen mit bald 25.000 Beschäftigten auf. Im vergangenen Quartal fuhr Google einen Rekordumsatz von 8,4 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar ein.

Noch immer ist Google ein bisschen anders, noch immer lautet das Firmenmotto: "Tue nichts Böses." Und noch immer haben die Googler die Freiheit, ein Fünftel ihrer Arbeitszeit auf eigene Projekte zu verwenden. Aber trotz aller Innovationen ist auch Google von den Problemen schnell wachsender Organisationen nicht verschont geblieben. Das süße Gift des andauernden Erfolgs verleitet zu Nachlässigkeiten, die schiere Größe lässt den Konzern behäbiger reagieren als vor ein paar Jahren. Inzwischen ist es cooler, woanders zu arbeiten: bei den jungen, aufstrebenden Social-Media-Diensten wie Groupon, Twitter und Facebook etwa. Die ziehen jetzt die jungen Talente an, das wichtigste Kapital der Technologieunternehmen.

Höchste Zeit umzusteuern, finden die Gründer. "Zu unseren vorrangigen Zielen gehört es, Google zu einem großen Unternehmen zu machen, das die Beweglichkeit und die Seele, die Leidenschaft und die Geschwindigkeit eines Startups hat", tönt denn auch schon der neue Chef Page.

Teil 2: "Big Company Disease"

Es ist die "Big Company Disease", die Google zu befallen droht. Eine Seuche, mit der viele große, lange erfolgreiche Unternehmen kämpfen. Geprägt hat Toyota diesen Begriff. Der japanische Konzern hat den wohl steilsten Aufstieg in der Automobilgeschichte hingelegt, galt als Maßstab für Qualität und Effizienz. Doch inzwischen bekommt der Weltmarktführer zu spüren, dass die Kreativität schwindet und die Innovationskraft in der Bürokratie der großen Organisation verloren geht. In der Informationstechnologie mit ihren kurzen Innovationszyklen und den sich rapide verändernden Märkten ist die Seuche besonders tückisch. Wer nicht ständig Neues bietet, den Geschmack der Konsumenten trifft und ihre Bedürfnisse voraussehen kann, spürt schnell den heißen Atem der Verfolger, die bessere oder billigere Produkte oder Dienste bieten. Und läuft ihnen bald hinterher, weil sie ein besseres Gespür für die Märkte von morgen haben.

IBM etwa hat all dies durchgemacht. Einst war das Unternehmen die beherrschende Macht im Computergeschäft. Dann rollte ein Nerd mit seinem Betriebssystem Windows den Markt auf. "Big Blue" musste sich neu erfinden, hat sich inzwischen ganz aus dem PC-Geschäft zurückgezogen, und das von Bill Gates gegründete Unternehmen Microsoft stieg zum Fastmonopolisten auf. Längst bröckelt auch diese Bastion. Zwar laufen die Geschäfte noch rund, die Fantasie ist aus dem Aktienkurs aber schon vor Jahren entwichen. Im Internet hat der Softwareriese nur schwer Tritt gefasst, droht nun den Anschluss im Mobilfunkgeschäft zu verlieren. Dort ist auch Nokia ins Taumeln geraten. Über Jahre zogen die Finnen mit ihren Handys dem Markt davon. Doch wie hochwertige Smartphones entwickelt und verkauft werden, muss sich der Marktführer inzwischen bei Apple, Google oder dem Blackberry-Bauer RIM abgucken.

Viele Baustellen

Mit der Mobilfunkplattform Android zählt Google immer noch zu den aggressiven Newcomern, hat Windows Mobile auf die hinteren Plätze verwiesen. 300.000 Handys mit der Software, die den Geräteherstellern gebührenfrei überlassen wird, kommen Tag für Tag auf den Markt. Mit den neuen Tablet-PCs verschiedener Hersteller wird die Zahl der Android-Geräte weiter wachsen. Und immer noch dominiert das zum Konzern herangewachsene Startup mit Marktanteilen nahe 80 Prozent das Geschäft mit der Suchmaschine und den gezielt um die Suchergebnisse platzierten Annoncen.

Doch dass auch Google nicht gegen die Seuche immun ist, wurde in den vergangenen Jahren erkennbar. Google tut sich schwer, in neue Geschäftsfelder vorzustoßen, muss sich als "One-Trick Pony" schmähen lassen, als Zirkuspferd, das nur ein Kunststück beherrscht. Derweil wächst die Kritik an immer weniger aussagekräftigen Suchergebnissen, und wegen angeblich bevorzugter Platzierung einzelner Links droht Ärger mit Wettbewerbshütern.

Jenseits des Kerngeschäfts häufen sich die Misserfolge. Der Versuch, mit Google Buzz ein soziales Netzwerk aufzubauen, endete in einem Rechtsstreit, weil Nutzer von Googles E-Mail-Dienst dagegen klagten, dass ihre privaten Kontaktdaten mit der Einführung von Google Buzz ohne ihre Zustimmung öffentlich wurden. Und während Facebook weiter davonzieht, fristet der Google-Dienst ein Schattendasein. Die im vergangenen Jahr eingeführte Kollaborationssoftware Google Wave lief am Markt vorbei, zu wenige wollten das Angebot nutzen. Auch der Versuch, das Android-Handy Nexus selbst zu vermarkten, scheiterte. Google TV erwies sich als technisch unausgereift und längst nicht massentauglich.

Teil 3: Glücklos bei Zukäufen

Beim Versuch, erfolgversprechende Geschäftsideen einzukaufen, zeigte Google ebenfalls nicht immer Fortune. Wenn es mal gelang, wie beim finnischen Twitter-Double Jaiku, ging es allzu oft nicht recht weiter. Jaiku wurde nach gut einem Jahr eingestellt. Den Handydienst Dodgeball, mit dem die Nutzer Freunde in ihrem Umkreis ausmachen und sich verabreden konnten, ereilte das gleiche Schicksal. Dodgeball-Gründer Denis Crowley hatte sich schon vorher aus dem Staub gemacht, weil er zuschauen musste, wie draußen Startups mit ähnlichen Ideen davonzogen, während die erhoffte Unterstützung für sein Konzept bei Google ausblieb. Crowley entwickelte die Idee schließlich auf eigene Faust weiter und sorgte mit seinem Startup Foursquare für Furore.

Kein Wunder, dass die Perspektive der Übernahme durch Google für die heiß gehandelten Newcomer an Reiz verloren hat. Beim Versuch, die rasant wachsende Rabattwebsite Groupon zu kaufen, blitzten Schmidt und Co. denn auch trotz eines Angebots von 6 Milliarden Dollar im Dezember ab. Den Vorstoß ins vielversprechende lokale Werbegeschäft muss der Konzern jetzt mit dem eigenen Schnäppchenangebot Google Offers versuchen.

Und wenn Google den richtigen Riecher bei Übernahmen hatte, lief die Entscheidung oft an Eric Schmidt vorbei. Vom Erwerb von Keyhole, der Basis für Google Earth, erfuhr der CEO erst hinterher. Auch Googles Erfolgsgeschichte im Mobilfunkmarkt begann ohne den Chef. "Eines Tages hatten Sergey und Larry Android gekauft, und ich hatte es nicht einmal bemerkt", räumte Schmidt später ein. Mit der von den Beteiligten öffentlich viel gelobten engen Abstimmung im Triumvirat an der Google-Spitze scheint es schon seit Längerem nicht weit her gewesen zu sein. Der väterliche Ratgeber im CEO-Büro erwies sich wohl immer öfter als Bremser, der von ihm aufgebaute Apparat als zu schwerfällig, um im Internetgeschäft Schritt zu halten. Dort sind Gründer wie Mark Zuckerberg am Ruder, den das US-Magazin "Time" 2010 zum "Man of the Year" adelte und der sich anschickt, Google die Vorherrschaft im World Wide Web streitig zu machen.

Page gilt als Social-Media-Muffel

Nun soll bei Google wieder schneller entschieden werden, Brin und Page wollen die Managementstrukturen vereinfachen. "Eric ist ein toller Firmenchef, und ich habe viel von ihm gelernt", gab Page in der Konferenz zu den Quartalsergebnissen am Donnerstag brav zu Protokoll. Jetzt muss der inzwischen 38-Jährige zeigen, was er kann.

Sein Studienkollege und Partner Brin, der als zugänglich gilt und öffentliche Auftritte nicht scheut, soll im Hintergrund wirken und sich um neue Produkte kümmern. Page wird den Konzern nach außen vertreten und sich um die zunehmenden Imageprobleme in der Öffentlichkeit kümmern müssen. In Deutschland löste im vergangenen Jahr das Fotografieren von Häusern für den Straßenbilderdienst Google View eine Welle der Empörung aus. Page gilt zwar als talentierter Techniker, aber weniger als begnadeter Kommunizierer. Google-Kenner und Buchautor Ken Auletta beschreibt ihn als "aggressiv herablassend gegenüber Marketing und Public Relations". Zudem ist Page ein Social-Media-Muffel. Auf Facebook, Linkedin oder Twitter war er bislang nicht zu finden.

Kommentare zu seinem Amtsantritt wie dieser könnten ihm so entgangen sein: "Gründer wird CEO... ist das wie ein Steve Jobs, der zurückkommt, oder wie ein Jerry Yang?", fragte sich Chris Dixon über Twitter, ein altgedienter Investor, der sein Geld in Skype und Foursquare steckte. Jobs hat Apple zu neuer Blüte geführt. Yang übernahm 2007 die Führung bei Yahoo. 17 Monate später musste der Gründer wieder abtreten, weil er den Niedergang seines Unternehmens nicht aufhalten konnte.

Mitarbeit: Helene Laube und Andrea Rungg / FTD
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.