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Interview mit Google-Chef Eric Schmidt (Teil 2): "Es gibt Probleme, die meine Welt nicht beheben kann"

Im zweiten Teil des stern-Interviews spricht Google-Chef Eric Schmidt über die Firmenphilosophie, Weltverbesserungspläne - und den Kampf gegen Microsoft.

Will Google die Welt verbessern?

Ich habe gelernt, wie Informatik dazu beitragen kann, die Probleme der Welt zu lösen. Es gibt Probleme, die meine Welt nicht beheben kann, aber wir versuchen auf jeden Fall, so viele wie möglich zu lösen. Die Werbebranche ist reif für unseren Ansatz. Es gibt eine Menge Bereiche, angefangen bei der Politik, wo Menschen wie ich zwar zu vielen Dingen eine Meinung haben, aber nicht wissen, wie man die zugrunde liegenden Probleme lösen kann. Der Siegeszug der "Nerds", wie man uns nennt, hat seine Grenzen. Die Menschen treffen ihre Entscheidungen letztlich auf menschliche Art und Weise. Die Computer helfen ihnen nur dabei. Computer regieren nicht die Welt, und das sollten sie auch nicht. Deshalb nehmen wir unser neues Projekt, die digitale Bibliothek, auch so ernst. So vieles in unserer Gesellschaft wird nicht von den Meinungen der Benutzer bestimmt, sondern von der Meinung ihrer Vertreter. Das ist das Interessante, wenn die Benutzer mehr Einfluss bekommen. Durch das Internet kann man mittlerweile hören und lesen, was die Menschen denken und muss keine Vermutungen mehr darüber anstellen. Das ist nicht unbedingt besser oder schlechter, es ist einfach nur anders. Die Technologie legt nicht fest, ob diese Entwicklung Demokratie oder Anarchie bedeutet. Es liegt an uns, wie wir die Technologie anwenden. Ich bin zuversichtlich, dass die Menschheit diese Möglichkeiten sehr gut nutzen wird. Ich bin Technologieoptimist. Ich denke, mehr Kommunikation und mehr Zugang zu Informationen sind einfach enorm wichtig.

Haben Sie eine Firmenphilosophie?

"Tue nichts Böses" - bei uns hängt nichts an der Wand. Ein Unternehmen lebt von der Kultur der Mitarbeiter. Wir versuchen, Leute ins Unternehmen zu holen, die nach einer besseren Welt streben. In Europa haben wir gerade erst das Maps-Projekt gestartet.

Der Idealismus von Google ist also mehr als eine Fassade?

Ganz genau! Warum die Leute hier arbeiten? Sie arbeiten hier nicht des Geldes wegen, sondern weil sie etwas bewegen können. Wir bezahlen in der Regel weniger als alle anderen. Wir stellen jeden Monat zwischen 300 und 400 Leute ein. Rund die Hälfte davon im technischen Bereich. Besonders in Europa und Asien kommen viele Beschäftigte dazu. Dort wachsen wir durch die (weitere) Verbreitung des Internet stärker als in den USA. In den vergangenen ein bis zwei Jahren haben wir uns auf den Ausbau unseres weltweiten Geschäfts konzentriert. Ich schätze, unsere Mitarbeiter kommen aus rund 100 Ländern. Das bringt sehr viele verschiedene Einflüsse mit sich, und das ist unsere Stärke. Wir haben ein großes Entwicklungszentrum in Zürich, und wir bauen gerade eines in London. Unsere Europazentrale hat ihren Sitz in Dublin.

Microsoft versus Google - wer wird die Schlacht der Giganten letztlich gewinnen?

Die Schlacht der Giganten - ich glaube, das ist ein bisschen zu stark vereinfacht. Wir machen unser Geschäft nicht aufgrund dessen, was Microsoft tut. Es wird immer als eine Schlacht dargestellt, mit einer Reihe von Ereignissen und Armeen und einem Schlachtfeld. Dabei entspricht das überhaupt nicht der Realität. Meiner Ansicht nach ist der Bereich so groß, dass es mehrere Ansätze geben wird, und am Anfang werden viele davon erfolgreicher sein als unserer. Ich denke durchaus, dass wir Erfolg haben werden, aber die anderen eben auch. Es wird irgendwann zu einer Konsolidierung des Marktes kommen, aber nicht in den nächsten paar Jahren. Der Begriff Schlacht impliziert, dass es einen Sieger und einen Verlierer gibt. Ich glaube nicht, dass es dazu kommt.

Was halten Sie von Quaero, dem deutsch-französischen Projekt zur Finanzierung der Erforschung von Suchmaschinen?

Die Konkurrenz durch Quaero ist gut, denn sie führt zu mehr Nutzern und sie zwingt uns dazu, am Ball zu bleiben. Wenn sie besser sind als wir, werden wir das spüren, denn dann laufen uns die Kunden weg.

Um in China ihr Angebot betreiben zu können, beugen Sie sich den Bedingungen der Regierung und üben Zensur bei bestimmten Suchbegriffen aus. Vom US-Kongress wurde das Verhalten kürzlich auf das Schärfste kritisiert. Was entgegnen Sie Kritikern?

China. Wir hatten erwartet, dass es ein umstrittenes Thema werden würde. Es war auch innerhalb von Google umstritten. Neun Monate lang haben wir darüber diskutiert. Das war keine leichte Entscheidung. Google hat sich voll und ganz darauf konzentriert, alle Informationen zugänglich zu machen. Und dann ist da eine Regierung, deren Gesetze dies in einigen Fällen nicht erlauben.

Ich glaube, letztlich haben wir die richtige Entscheidung getroffen. Wir haben es auf die Google-Art gemacht. Wir haben es angekündigt und haben die Menschen darüber informiert, was wir tun. Jeder hat uns kritisiert, und das ist in Ordnung. Ich glaube nicht, dass es geschadet hat. Ich denke, es ist wahrscheinlich sogar gut, dass das Problem so viel Aufmerksam erregt hat, denn noch vor einem Jahr wusste keiner, was vor sich geht. Dabei gibt es die Zensur in China schon seit langer Zeit. Die Privatsphäre unserer Nutzer ist uns wichtig. Im Fall China werden die persönlichen Daten der Nutzer gar nicht in China aufbewahrt. Das heißt, wenn die chinesische Regierung rechtlich Schritte einleiten möchte, hat sie nach chinesischem Recht keinen Anspruch auf Einsicht der Daten. Wir nutzen unser Rechtssystem in den USA, um den Missbrauch von persönlichen Daten zu verhindern. So würden wir auch bei jeder anderen Regierung vorgehen. Wie sich herausstellte, ist der Datenschutz in Europa sehr gut. Auf diesem Gebiet sind die Europäer wirklich allen anderen voraus. Wir bewahren die Daten auf, so lange wir sie brauchen, um die Suchmaschine zu verbessern. Es gibt keinen vorgeschriebenen Zeitraum dafür.

Würden Sie dem Geheimdienst NSA Daten Ihrer Nutzer auf Anfrage übermitteln?

Der Gemeindienst NSA? Ich persönlich bin für die Freiheit des Einzelnen. Wenn von uns die Herausgabe von Daten verlangt werden würde, würden wir den Antrag zunächst auf Konformität mit unseren Datenschutzrichtlinien prüfen. Es gibt schließlich Gerichte. Wir haben auch schon einen Antrag auf Dateneinsicht des Justizministeriums abgelehnt. Wenn ein Antrag sachgemäß ist, willigen wir ein. Ist er es nicht, wehren wir uns dagegen. Wir halten uns an das Gesetz.

Google ist für einen rigorosen Ausleseprozess bei der Rekrutierung seiner Mitarbeiter bekannt. Wird man da nicht Überheblich, wenn so viele Beste der Besten zusammentreffen?

Elitär? Na ja, vielleicht ein bisschen, aber ich versuche, nicht allzu arrogant zu sein. Es ist das typische Problem, wenn sehr intelligente Menschen aufeinander treffen, und jeder denkt, er wird die Welt verändern: Sie werden alle arrogant und hören auf niemanden mehr. Elitarismus im Sinne von Stolz und Begeisterung über unsere Arbeit ist gut. Elitarismus, der zu Arroganz und einem Gefühl der Überlegenheit anderen gegenüber führt, ist schlecht. Denn so etwas wird einem auf Dauer nur schaden. Wenn ich so etwas bemerke, sage ich ganz deutlich, dass es nicht in Ordnung ist. Ich habe auch kein Patentrezept für die Führung des Unternehmens.

Wie motivieren sie Ihre Mitarbeiter?

Wenn unsere Beschäftigten so viel und so hart arbeiten, tun sie das nicht des Geldes wegen, sondern wegen unserer Mission. Wenn jemand im Bewerbungsgespräch sagt, er will einen Vorstandsposten, er will diesen oder jenen Titel oder diesen oder jenen Job, dann kann ich Ihnen garantieren, dass wir diesen Bewerber nicht nehmen. Die Mitarbeiter, die wir suchen, kommen herein und sagen: "Ich habe Ihr Mission-Statement gelesen, ich kann dies und jenes, und ich tue alles, um die Mission Ihres Unternehmens zu erfüllen. Wenn nötig, wische ich auch den Boden." Natürlich ist das nicht wörtlich gemeint. Das ist aber die richtige Einstellung, denn wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. In Europa hat sich nach einem Führungswechsel vieles verändert. In einem halben Jahr gibt es wieder Veränderungen. Wir sind eben kein normales Unternehmen. Man muss an die Mission glauben und alles tun, um sie zu erfüllen. Und genau das tue ich.

Wie sehen Ihre langfristigen Unternehmensziele aus?

Wir haben keine langfristigen Pläne. Wir haben einen Entwicklungsplan für das nächste Quartal. In meinem vorherigen Job hatten wir drei Entwicklungspläne. So etwas gibt es bei uns nicht. Wir haben ein System, in dem Innovationen praktisch in Echtzeit stattfinden. Ich weiß tatsächlich nicht, was wir im September oder Oktober ankündigen werden. Ich habe höchstens ein paar Ideen. Kürzlich haben wir Google Trends vorgestellt, und ich habe erst wenige Tage davor davon erfahren. Wir verkaufen uns selbst als chaotisch, aber hinter dem Chaos steckt Logik. Wir arbeiten mit Disziplin und absoluter Präzision. Wir diskutieren, wir treiben Dinge voran, und wir überwachen unsere Arbeit ständig. Wir führen das Unternehmen so effizient wir nur können, und zwar mit einer Firmenkultur, die Kreativität fördert. Das ist das Besondere an uns. Es ist eine einzigartige Balance zwischen einem zentralen Management und Chaos. Darin liegt unser Wettbewerbsvorteil und unser Erfolgsgeheimnis. Aber es ist sehr schwer, diese Balance zu finden.

Was sind Ihre Hobbys?

Ich bin Pilot und fliege meinen eigenen Jet.

Interview: Michael Streck und Dirk Liedtke
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.