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Krypto-Masche: Mit "Onecoin" zockte die Krypto-Königin Nutzern Milliarden ab - und tauchte dann unter

Millionen Menschen träumten vom Reichtum durch Kryptowährungen wie Bitcoin. Die "Krypto-Königin" schaffte es wohl tatsächlich, mit ihrer Währung Onecoin reich zu werden - auf Kosten aller anderen Anleger. Jetzt sucht sie das FBI, ihr Bruder soll ins Zeugenschutzprogramm.

Der Goldrausch um Bitcoin ist schon lange vorbei: Als Ende 2017 erstmals die magische Grenze von 20.000 US-Dollar geknackt wurde, träumten viele Menschen vom schnellen Reichtum. Dann kam der Absturz. Die Bulgarin Ruja Ignatova soll aus dem Hype um Kryptowährungen wohl tatsächlich Milliarden gemacht haben. Indem sie Unmengen von Anlegern abzockte.

Dabei klang das Versprechen so gut: Ignatovas Währung Onecoin sollte den Bitcoin plattmachen, versprach die eloquente Gründerin. Die Währung solle die Welt verändern, ihre Anleger sollten ihr Geld mindestens verdoppeln. Das wollten viele hören: Als selbsternannte Krypto-Königin sorgte die stets üppig geschminkte Ignatova sogar bei Auftritten im Wembley-Stadion und in Asien für begeisterte Zuhörer und jede Menge Anlagewillige. Für die Unternehmerin und ihre 2014 gegründete Firma lief es hervorragend - bis sie 2017 auf einmal vom Erdboden verschwand.

Mit dem Schneeballsystem zu Milliarden

Er wüsste nicht, wo seine Schwester steckt, sagte ihr Bruder Konstantin nun in New York vor Gericht aus. Er hatte nach dem Verschwinden die Geschäfte übernommen, war im Frühjahr in Los Angeles verhaftet worden. Er soll umfassend mit den Behörden zusammenarbeiten, Geldwäsche und Betrug gestanden haben. Ihm drohen 90 Jahre Gefängnis wegen Betrug und Steuerhinterziehung, berichtet "Inner City Press" aus dem Verfahren. Das FBI hatte ihn und seine Schwester schon länger im Visier. Denn Onecoin ist nach Ansicht der Behörden gar keine Kryptowährung, sondern eine klassische Pyramiden-Masche.

Die im Deutschen als Schneeballsysteme bezeichneten Abzock-Modelle sind so aufgebaut, dass jeder "Mitspieler" immer neue Personen hinzuholt, die weiteres Geld "investieren". Tatsächlich wird das Geld aber nur nach oben verteilt - und die Opfer unten zahlen drauf. Etwa vier Milliarden Euro sollen so zusammen gekommen sein, schätzt die "BBC" in einem Podcast zur Onecoin-Masche. Wo das Geld gelandet ist, weiß keiner.

Wo ist Ignatova?

Auch die Gründerin bleibt verschwunden. Sie habe sich einen "dicken Pass" besorgt, soll sie ihrem Bruder gesagt haben. Dann will er ihr Tickets von der Heimatstadt Sofia nach Wien und weiter nach Athen besorgt haben. Neben den beiden im deutschen Schramberg aufgewachsenen Geschwistern ermitteln die Fahnder auch gegen einen US-Anwalt, der Teile des Geldes gewaschen haben soll. Wegen seiner umfangreichen Zusammenarbeit sehen sie das Leben ihres Kronzeugen Konstantin Ignatova als gefährdet an: Er solle ins Zeugenschutzprogramm, schlagen die Behörden laut Gerichtsakten vor. Laut dem "BBC"-Podcast soll seine Schwester Verbindungen zur bulgarischen Mafia gepflegt haben.

Die Geschäfte von Onecoin laufen indes immer weiter. Die Firma weise sämtliche kriminellen Vorwürfe von sich, nennt sie eine "Lügenkampagne", berichtet das "Handelsblatt". In Deutschland darf das Unternehmen nach einer Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) seit zwei Jahren nicht mehr agieren. Laut der Behörde mussten die Anleger das Geld auf immer wechselnde Konten überweisen, von dort sei es außer Landes geschafft worden, so das "Handelsblatt".

In der ehemaligen Heimat Schrammberg ist man überrascht. Ignatova sei schon zu Schulzeiten egoman und opportunistisch gewesen, berichtet eine Mitschüler dem "Schwarzwälder Boten". "Dass sie aber ein solch großes Ding dreht, hätte ich dann doch nicht gedacht". Die vermutlich 38-Jährige hatte eigentlich beste Voraussetzungen, es auch ohne kriminelle Machenschaften zu schaffen. Nach einem sehr guten Abi schloss sie Mastertitel in Konstanz und dem etablierten Oxford ab und promovierte sogar erfolgreich - in Rechtswissenschaften.

Quellen: BBC, Handelsblatt, Inner City Press, Schwarzwälder Bote

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