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Robert Enke Trauer über Tod Enkes im Internet


Es entspricht einem allgemeinem Trend, seiner Trauer im Web Ausdruck zu verleihen. Die Anonymität des Netztes hilft dabei, sich zu öffenen. So auch zum Tod von Robert Enke.

Nach dem Selbstmord von Robert Enke trauern zahllose Fans aus Deutschland und ganz Europa im Internet um den Nationaltorhüter. Wie schon nach dem Tod von Michael Jackson nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeit, ihre Gefühle online auszudrücken. Enkes Homepage war zeitweise nicht erreichbar, weil sich so viele Menschen in das dort eingerichtete Kondolenzbuch eintragen wollten.

Jeweils binnen Minuten machen dort Dutzende ihrer Trauer Luft, drücken den Angehörigen ihr Beileid aus, schreiben geschockt von ihrer Fassungslosigkeit über die Todesnachricht, erinnern sich an persönliche Erlebnisse mit dem Torhüter oder verabreden sich zu einem Trauermarsch in Hannover.

Die Fußballfans folgen damit einem allgemeinen Trend, die eigeneTrauer im Internet zu äußern. Diese Erfahrung macht auch Carmen Berger-Zell, die die Seite der Evangelischen Kirche betreut. "Insgesamt stellen wir ein steigendes Bedürfnis der Menschen fest, ihrer Trauer online nachzugehen", sagte Berger-Zell. Vor allem junge Menschen, aber auch zunehmend ältere bis etwa 60 Jahre entdeckten das Netz als Forum für ihre Trauer.

"Persönliches Gespräch oft zu große Überwindung"

"Wenn das Gefühl der Trauer da ist, können sie online Menschen treffen, die sie verstehen, wo sie das Gefühl haben, da kann ich mich hinwenden", sagte Berger-Zell. Gerade die Anonymität des Internets könne helfen, sich zu öffnen. "Das persönliche Gespräch zu suchen, wäre oftmals eine zu große Überwindung", sagte die Pfarrerin. Die Gefahr, dass der direkte Austausch mit Freunden, Familie oder Seelsorgern leide, sieht sie nicht, da man im Netz auch Kontakte zu persönlichen Ansprechpartnern wie beispielsweise Selbsthilfegruppen finde.

Besonders nach Naturkatastrophen oder Amokläufen an Schulen sei die emotionale Betroffenheit sehr hoch und die Menschen suchten einen Raum, um sich mit anderen auszutauschen und ihre Gefühle auszudrücken. Dann sei immer ein drastischer Anstieg der Besucherzahlen der Webseite feststellbar: "Wenn berühmte Menschen versterben, steht erfahrungsgemäß nicht das persönliche Gespräch, sondern das Eintragen in Kondolenzbücher im Vordergrund."

Trauerforum bei Facebook

Das zeigt auch der Tod Enkes. Bei Facebook wurde zum Gedenken an den Fußballer das Trauerforum "RIP Robert Enke" eingerichtet, das am Mittwochnachmittag bereits mehr als 18.000 Mitglieder zählte, Tendenz steigend. Fans stellten mehr als 90 Fotos von Enke ein, die ihn auf dem Fußballplatz zeigen oder privat mit seiner verstorbenen Tochter Lara. Bereits beim Tod der Zweijährigen 2006 hatten Duzende Fans in Online-Foren dem Fußballer ihr Beileid ausgedrückt.

Einige Fans haben Collagen erstellt, eine zeigt ein Schwarz-Weiß-Foto von Enke mit schwarz-rot-goldenem Trauerflor und der Aufschrift: "Weile in Frieden". "Wir werden dich nie vergessen" oder "Robert, du warst für viele Nachwuchskeeper ein Vorbild", heißt es in den Einträgen. Fans aus aller Herren Länder loben den "fantastic goalkeeper", den großartigen Torwart. Die Trauerbezeugungen kommen von Anhängern vieler deutscher Fußballvereine. So schreibt Werder Bremen-Fan Michael: "Ruhe in Frieden und halte das Himmelstor immer schön sauber!" Userin Andrea äußert: "Von ganzem Herzen wünsche ich dir, dass du zusammen mit deinem Töchterchen Lara deinen Frieden findest." Zu Enkes eigenem Facebook-Profil fügten Fans Fotos hinzu, die ihn unter anderem als engagierten Tierschützer für die Tierrechtsorganisation Peta zeigen. Auf deren Homepage wird ebenfalls des "großen Tierfreunds und Ausnahmesportlers" gedacht

Bundesligavereine erinnern im Internet an Enke

Auch die Fußballwelt bekundet ihre Trauer online. Auf der Homepage von Hannover 96, Enkes letztem Verein, war am Mittwoch lediglich eine schwarze Seite mit dem Satz "Wir trauern um Robert Enke" und seinen Lebensdaten zu sehen. Ähnlich war die erste Seite der Homepage des FC Bayern München gestaltet. Weitere Erstligavereine wie Hoffenheim, der Hamburger SV sowie Schalke 04 gedachten des Fußballprofis ebenfalls auf der ersten Seite ihrer Internetauftritte. Enkes frühere Vereine FC Barcelona und Benfica Lissabon würdigten auf ihrer Homepages ebenfalls ihren früheren Spieler. Auch einzelne Fußballkollegen bekunden auf ihren Webseiten ihre Trauer. So schreibt Schalke-Torwart Manuel Neuer in seinem Gästebuch: "Ich habe Robert als stets fairen, kollegialen Sportsmann erleben dürfen." Auf der Webseite von Bayern-Spieler Philipp Lahm sind ein gemeinsames Foto und ein Text zum Tod des Keepers eingestellt. Das Gästebuch von Christian Schulz, ein Mannschaftskollege Enkes bei Hannover 96, ist zu einem Kondolenzbuch geworden.

AP AP

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