Suchmaschine Wikia sucht den Kampf mit Google


Jimmy Wales plant die nächste Revolution. Nachdem der Mitgründer des wohl bekanntesten Onlinelexikons Wikipedia etablierte Lexikonverlage in die Defensive gedrängt hat, nimmt er nun mit Wikia Search den Kampf mit dem Konzern Google auf.
Von Arndt Ohler

Die Testphase der Internetsuchmaschine Wikia Search hat begonnen. Dabei sollen Tausende Internetnutzer unentgeltlich Webseiten indexieren. Zusätzlich verwendet das Unternehmen Wikia frei zugängliche Software, um das Internet nach Websites zu durchsuchen und zu sortieren. Das Programm, sogenannte Crawling-Software, kann von Nutzern verbessert werden. "Das reduziert diese Art von Flaschenhals, bei der zwei, drei Unternehmen tatsächlich den Strom der Suchanfragen steuern", sagte Wales kürzlich. Wikia ist ein getrennt von Wikipedia agierendes Unternehmen, mit dem Wales Geld verdienen möchte.

Mit dem Projekt kommen Wales und Google einander zum zweiten Mal in die Quere. Mitte Dezember 2007 hatte Google ein Wikipedia-Konkurrenzprodukt angekündigt. Bei der Initiative Knol sollen Websurfer Einträge über alle vorstellbaren Themen schreiben. Anders als bei Wikipedia werden dabei die Autorennamen genannt. Zudem kann, wenn vom Autor erlaubt, Werbung eingeblendet werden. Die so erzielten Werbeumsätze werden geteilt.

Schwerer Einstieg

Angesicht des profitablen Geschäfts bei der Verknüpfung von Internetwerbung mit Suchanfragen, wie es Google, Yahoo oder Microsoft betreiben, gibt es derzeit eine Reihe von Unternehmen wie Snap, Chacha oder Powerset, die versuchen, im Internetsuchmarkt Marktanteile zu gewinnen. Aufgrund der großen Datenmengen, die das Internet birgt, sind die technischen Anforderungen jedoch hoch, um einen einigermaßen großen Teil der existierenden Websites zu finden und zu indexieren. Dementsprechend schwierig wird es für Angreifer, den führenden Konzernen wie Google oder Yahoo Anteile abzujagen. So steckt Google-Konkurrent Ask.com seit Monaten bei etwa fünf Prozent fest, und selbst der Softwarekonzern Microsoft kommt trotz intensiver Bemühungen kaum voran. Wales kündigte an, dass zum Start etwa 50 Millionen bis 100 Millionen Webseiten sortiert sein sollen - ein Bruchteil des Internets.

Der Wikia-Mitgründer setzt jedoch darauf, dass Menschen Webseiten besser verstehen und einordnen können als selbst ausgefeilteste Programme. So können bei Begriffen wie Schlange, Pfeife oder Dichtung Menschen sofort erkennen, worum es sich bei den mehrdeutigen Begriffen handelt. Programme haben damit zuweilen Probleme. Ein Indiz, wie relevant von Menschen gestützte Suche sein kann, liefern populäre Dienste wie Mister Wong oder Delicious. Bei diesen Angeboten können Websurfer ihre Bookmarks hochladen und verschlagworten. Andere Nutzer können diese Schlagwörter wiederum durchsuchen. Selbst Google hat mit "Co-op" einen Versuch mit nutzergestützter Suche gestartet.

Zudem sollen die bei Wikia Search für alle Nutzer sichtbaren Ordnungkriterien für Unterstützung von Firmen sorgen. Denn Konzerne wie Google geben nur wenige Hinweise, nach welchen Kriterien sie Websites sortieren. Für Firmen ist es daher schwer, Angebote so zu optimieren, dass sie möglichst prominent bei passenden Suchanfragen in den Ergebnislisten erscheinen.

FTD

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker