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Nach dem Terror in Paris: So greift Anonymous den IS an

Nach den Anschlägen in Paris erklärte nicht nur Frankreich dem Islamischen Staat den Krieg. Das Hacker-Kollektiv Anonymous ist ebenfalls von der Partie - und ist dabei nicht gerade zimperlich.

Anonymous

Die Aktivisten von Anonymous verstecken sich gerne hinter Masken aus dem Film "V wie Vendetta" (Symbolbild)

Nachdem am Freitag die Terrororganisation "Islamischer Staat", kurz IS, mit den Anschlägen von Paris ihren Krieg gegen die vermeintlich Ungläubigen ins Herzen Europas trug, wollten nicht nur Politiker endlich handeln. Während Frankreich begann, Luftangriffe zu fliegen, meldete sich auch das Internet-Kollektiv Anonymous zu Wort: Die Hacker sagten dem IS ebenfalls den Kampf an - auf ihre eigene Art.


Natürlich ist der bewaffnete Konflikt nicht die Kerndisziplin des Internet-Kollektivs. Trotzdem können sie der Terror-Organisation spürbar wehtun, indem man ihm eines seiner wichtigsten Werkzeuge wegnimmt: Die sozialen Netzwerke dienen nicht nur zur Rekrutierung neuer Kämpfer, sondern auch als Werbemaschine für ihre Ideologie und die Verkündigung der eigenen "Erfolge." Kein Wunder also, dass sich die ersten Angriffe unter den Hashtags #OpParis und #OpISIS auf Twitter-Accounts des IS stürzten. 5500 Accounts von Terror-Sympathisanten will Anonymous in den letzten Tagen aus dem Netz geworfen haben.

Echte Beweise braucht man nicht

Dabei belässt es die Hacker-Gruppe aber nicht. Laut der britischen Zeitung "The Independent" hat Anonymous auch eine Liste mit Facebook- und Twitter-Accounts möglicher IS-Mitglieder veröffentlicht. Zu mindestens einem vermeintlichen Anwerber für den Terror-Staat haben die Hacker gleich ein ganzes Datenpaket inklusive des Wohnortes veröffentlicht. Ob die Person tatsächlich mit dem IS zusammenarbeitet, ist nicht bewiesen.

Denn wie so oft bei Aktionen von Anonymous ist durchaus denkbar, dass auch Unschuldige unter die Räder kommen. Schon in der Vergangenheit war die Gruppierung wenig zimperlich, wenn es darum ging, vermeintliche Gegner anzuprangern.

Jeder kann mitmachen

Das liegt auch an der dezentralen Struktur von Anonymous. Jeder kann im Prinzip mitmachen. Es gibt sogar passende Anleitungen dafür im Netz: Einen "Noob Guide" für völlige Hacking-Neulinge sowie jeweils einen für die automatische Suche nach IS-freundlichen Twitter-Accounts und Webseiten. Die neuesten Anleitungen beschreiben zudem detailliert, wie man die entdeckten Seiten und Accounts angreift. Das soll aber erst umgesetzt werden, wenn es den entsprechenden Befehl dazu gibt. Vermutlich will Anonymous so seine Schlagkraft erhöhen.

Der IS hat indes auf die Drohungen reagiert - und nennt Anonymous "Idioten". In einer aufgetauchten, vermeintlichen Nachricht aus dem Chat-Programm "Telegram", warnt der IS vor der unbedarften Nutzung von E-Mails und sozialen Netzwerken. Die Mitglieder sollten nicht auf verdächtige Links klicken, häufig die IP-Adresse wechseln und am besten ihre Spuren über einen VPN-Tunnel verschleiern. Ob das vor Angriffen schützt, wird sich zeigen.