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Mobile World Congress: Huawei P10 vorgestellt: Das Porträt-Smartphone

Huawei hat auf dem Mobile World Congress das P10 und P10 Plus vorgestellt. Bei den neuen Smartphones vertieft man nicht nur die Zusammenarbeit mit Leica, sondern hat auch GoPro als Partner gewonnen. Vor allem die Dualkamera soll mehr auf dem Kasten haben.

Das Huawei P10 in der Farbe Grapithe Black

Beim Huawei P10 hat sich Huawei vor allem auf die Dualkamera konzentriert. Doch das Smartphone hat noch mehr auf dem Kasten.

Mit dem P9-Smartphone gelang Huawei im vergangenen Jahr ein großer Wurf. Es war das erste erhältliche Smartphone mit einer Dual-Kamera, die gemeinsam mit dem deutschen Traditionsbetrieb Leica entwickelt wurde. Damit kamen die Chinesen selbst Apple zuvor. Das Motto der P9-Kampagne lautete "Change the way you see the world" ("Verändere die Art, wie du die Welt siehst").

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona hat Huawei-Chef Richard Yu nun den Nachfolger P10 (5,1 Zoll) und die größere Variante P10 Plus (5,5 Zoll) vorgestellt. Mit den beiden neuen Smartphones rückt Huawei den Fokus weg von der Technik hin zum Nutzer, dementsprechend lautet der Slogan nun "Change the way the world sees you". Nun geht es also darum, wie einen die Welt sieht. Damit ist klar: Beim P10 steht die Kamera im Mittelpunkt, genauer der überarbeitete Porträtmodus.

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Mehr Licht dank Leica-Linsen

Bei der Kamera setzt Huawei auf das gleiche Setup wie beim Mate 9: Die Dualkamera auf der Rückseite hat einen Schwarz-Weiß-Hauptsensor (20 Megapixel), dem ein 12-Megapixel-Farbsensor zur Seite steht. Diese Aufteilung ermöglicht mehr Details und einen hybriden Zoom, bei dem trotz Vergrößerung des Bildausschnitts nahezu alle Details erhalten bleiben. Mit einem echten optischen Zoom ist das aber nicht vergleichbar.

Für bessere Bilder werden die neuen Linsen sorgen, die von Leica entwickelt, aber nicht gebaut wurden. Das wäre aufgrund der hohen Stückzahlen auch nicht möglich. Allein im letzten Jahr wurden die P9-Geräte knapp zehn Millionen Mal verkauft, was 20 Millionen verbauten Linsen entspricht. Beim P9 setzte man noch auf Summarit-Linsen (f/2.2-Blende), beim P10 Plus wechselt man auf Summilux-Linsen (f/1.8-Blende), die deutlich mehr Licht durchlassen. Das verspricht vor allem bei schummrigem Licht bessere Bilder.

Das Huawei P10 und P10 Plus in der Front- und Rückansicht

Der Fingerabdrucksensor ist beim Huawei P10 auf die Vorderseite gewandert. Die Farb-Variante "Greenery" gibt es aber nur für das Huawei P10 Plus.

Huawei P10 Plus: Das Porträt-Handy

Profitieren soll davon der neue "Artistic Portrait"-Modus. Damit ist es möglich, Porträts zu knipsen, während der Hintergrund unscharf wird. Apple bietet beim iPhone 7 Plus einen ähnlichen Modus. Huawei zeigt sich aber kampflustig und behauptet, das P10 schieße in derselben Situation deutlich bessere Bilder als das Handy der Kalifornier. Ob das stimmt, wird ein Test zeigen.

Für die Porträts (fixe Blende mit f/2.2) setzt Huawei auf jede Menge Technik: Zunächst startet die Kamera eine "Precise 3D Facial Detection", eine Art Gesichtserkennung. Dabei werden 190 verschiedene Messpunkte in Echtzeit ermittelt. Sobald der Prozessor weiß, wie das Gesicht aussieht, können Schattenwürfe genauer berechnet werden, was den Bildern "mehr Dramatik" verleihen soll. Das zeigt: Es geht längst nicht mehr nur um eine kristallklare Abbildung der Realität, sondern um kunstvolle Bilder. Der Fokus liegt auf der Inszenierung für soziale Netzwerke.

Zwei weitere Neuerungen: Der Bokeh-Effekt (unscharfer Hintergrund) funktioniert nun auch mit Schwarz-Weiß-Porträts und der Selfie-Modus erkennt, wenn mehrere Menschen vor der Frontkamera stehen und zoomt dann automatisch heraus. Letzteres funktionierte in einem Test ab drei Personen. Apropros Frontkamera: Auch hier hat Leica seine Finger im Spiel. Die Selfie-Cam knipst mit 8 Megapixel und hat eine f/1.9-Blende.

Schönheits-Doc in der App

Mit an Bord sind auch wieder die zahlreichen Verschönerungs-Modi, die in den vorherigen Generationen für einige unfreiwillige Lacher sorgten. Für die neue Software im P10 und P10 Plus habe man sich mit internationalen Makeup-Artists zusammengesetzt. In einem ersten Test zeigte sich die Verschönerungs-Software erstaunlich komplex, vom Bräunungsgrad bis zur Größe der Augen konnte alles verändert werden. Allerdings war die Software noch nicht final, weshalb wir ein abschließendes Fazit erst mit dem finalen Testgerät fällen wollen.

Gemeinsam mit GoPro entwickelte Huawei einen "Re-Discover Memories"-Modus, der basierend auf Fotos, Uhrzeiten und Videos ein Bestof baut, das man direkt in sozialen Netzwerken teilen kann. Solch ein Feature bieten andere Hersteller schon seit Jahren.

Der Fingerscanner kommt nach vorne

Auch bei den Geräten an sich hat sich einiges veränderte. Auffälligste Neuerung: Der markante Fingerabdruckscanner auf der Rückseite wandert nach vorne. Unter dem Display gibt es nun eine Art Vertiefung mit eingebautem Fingerscanner. Das kennt man von anderen Herstellern (Apple, Samsung). Gerüchten zufolge setzen sowohl Samsung als auch Apple bei ihren zukünftigen Spitzen-Smartphones auf Displays, welche die ganze Frontseite bedecken, die Scanner sollen dann ganz im Display verschwinden.

Die Rückseite ist nun etwas runder, wodurch Huawei mehr Platz für den Akku gewonnen hat. Der fasst beim kleinen P10 3200 mAh, das große P10 Plus hat 3750 mAh. Beides sind ziemlich gute Werte. Um sich vom Aluminium-Einheitsbrei der Konkurrenz abzuheben, setzt Huawei bei einigen Modellen auf ein neues Fertigungsverfahren - den sogenannten Hyper-Diamond-Cut. Dabei werden Millionen winziger Mini-Lasercuts in die Oberfläche eingearbeitet. Dieses Verfahren dauert zehnmal länger als der herkömmliche Fertigungs-Prozess.

Die Krux mit der Rubbel-Rückseite

Aus praktischer Sicht gefällt diese Neuerung, denn die Rückseite ist dadurch griffiger, das Smartphone rutscht nicht mehr so leicht aus der Hand. Optisch gefällt uns die Rückseite wiederum gar nicht, sie erinnert ein wenig an die 3D-Hologramm-Bildchen, die in vielen Kinderzimmern herumliegen. Zudem hört man unangenehme Quietschgeräusche, wenn man mit den Fingern über die Rückseite streift. Wem die Diamond-Cut-Varianten nicht gefallen, der kann auch zu matten Modellen (etwa in Schwarz oder Silber) greifen.

Ansonsten steckt im P10 viel Technik, die man bereits aus dem Mate 9 kennt. Der Achtkern-Prozessor (Typ Kirin 960) hat jede Menge Rechenpower, der Akku ist dank SuperCharge-Technik flink aufgeladen. Das P10 hat übrigens einen USB-C-Stecker.

Das Große in Grün

Das P10 hat ein 5,1-Zoll-Bildschirm mit Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel), 4 Gigabyte RAM und 64 GB Speicher. Es kostet 599 Euro und ist in den Farben Schwarz, Silber, Gold und Blau erhältlich.

Das P10 Plus hat einen 5,5-Zoll-Screen mit WQHD-Auflösung (2560 x 1440 Pixel), 6 Gigabyte Ram und 128 Gigabyte Speicher. Zudem hat es ein paar exklusive Features: Neben den lichtdurchlässigeren Summilux-Linsen hat die Front-Kamera einen Autofokus (beim P10 nur Fixfokus). Stereo-Lautsprecher gibt es ebenfalls nur im großen Modell. Das P10-Plus gibt es außerdem exklusiv in der Trendfarbe des Jahres "Greenery", einem hellen Lindgrün. Der Preis liegt bei 749 Euro.