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Apple Warum das neue iOS 14 das verwirrendste iPhone-System seit Langem ist

Sehen Sie im Video: iOS 14 – das sind die spannendsten neuen Features für das iPhone.




Im Rahmen der Entwicklermesse WWDC stellt Apple seine Software-Pläne für iPhone, iPad und Co. vor.


Fünf spannende Ankündigungen im Überblick:

  1. Apples kommendes Betriebssystem iOS 14 wird für alle iPhones mit iOS 13 erscheinen, somit auch für das rund fünf Jahre alte iPhone 6s.
  2. Bei unterstützten Fahrzeugmodellen lässt sich das iPhone in Zukunft als Autoschlüssel nutzen, den Anfang macht BMW.
  3. Ebenfalls neu: die sogenannten "App Clips". Die Sticker sollen in Läden oder Restaurants physisch aufklebt werden. Mit einem Tap auf den Sticker lassen sich Dienste wie eine Speisekarte oder ein Werkstatttermin öffnen, ohne dafür extra eine entsprechende App installieren zu müssen.
  4. Auch Siri soll weiter optimiert werden. Der intelligente Assistent soll in Zukunft etwa 20 Mal mehr Fakten kennen, ohne dafür eine Internetsuche durchführen zu müssen. Ob sich durch das Update auch die deutsche Version verbessert, bleibt abzuwarten.
  5. Auf dem iPad will Apple die Bildschirmgröße durch optimierte Menüs und eine überarbeite Suche besser nutzen. Außerdem bekommt Apples Tablet alle iOS-14-Funktionen verpasst.
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Mit dem neuen iOS 14 kommt die Verwirrung auf das iPhone. Ausgerechnet drei der wichtigsten Features sind alles andere als selbsterklärend. Und es kommen noch viele kleinere Ungereimtheiten dazu.

Apple, das steht bei den meisten Nutzern für schöne, einfach zu bedienende Geräte. Und das zurecht: Immer wieder gelang es dem Konzern mit seinem Gespür für die Bedürfnisse der Nutzer und seinem starken Design-Ansatz, neue Geräte-Klassen überhaupt erst angenehm benutzbar zu machen und neue Standards zu setzen. Was ist etwa intuitiver, als ein Bild auf dem Display mit zwei Fingern groß zu ziehen? Da verwundert es umso mehr, dass beim neuen iOS 14 die wichtigsten Features alles andere als intuitiv zu benutzen sind.

Mit dem neuen System ändert sich auf dem iPhone und iPad einiges, eine Übersicht über die Neuerungen finden Sie hier. Die wichtigste springt einem aber schnell ins Auge, wenn man ein Gerät mit iOS 14 sieht: Apple hat den Homescreen neu gedacht. Endlich gibt es die lange erwartete Erweiterung um Widgets. Dank der neu eingeführten App-Mediathek muss nicht mehr jede App den Homescreen verstopfen. Doch beide Neuheiten teilen ein Problem: Sie sind enorm umständlich zu nutzen.

Widgets, aber wie?

Da sind etwa Apples neue Widgets. Die sind enorm praktisch und holen etwa das Wetter, die Musiksteuerung oder eine Weltuhr immer auf den Homescreen. Doch die Benutzung ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellen würde. Ein Widget ist zwar schnell aus der Leiste links vom Homescreen hinübergezogen, bearbeiten lässt es sich dort aber nicht. Dass es etwa Widgets in verschiedenen Größen gibt, sie sich stapeln lassen und der Inhalt sich anpassen lässt – viele Nutzer werden es nie erfahren. Wie die wenig intuitive Anpassung erfolgt und welch unerwartet viele Optionen einem die Helfer bieten, erfahren Sie in diesem Text. Selbsterklärend sind sie leider nicht.

Und auch Apples zweite Revolution des Homescreens, die App Mediathek, ist nicht so einfach zu erfassen, wie man das vom Konzern aus Cupertino gewohnt ist. In der Theorie ist es sehr einfach: Alle Apps, die man nicht auf dem Homescreen haben möchte, kann man auch in der Mediathek lagern. So bleibt die Oberfläche nicht chronisch überfüllt. So weit, so theoretisch.

Viele der neuen Funktionen in iOS 14 erschließen sich nicht so leicht wie gewohnt (Symbolbild)
Viele der neuen Funktionen in iOS 14 erschließen sich nicht so leicht wie gewohnt (Symbolbild)
© FG Trade / Getty Images

In der Praxis ist das aber nicht so leicht, wie man es sich wünscht. Zum einen ist die App Mediathek immer hinter dem letzten Homescreen. Hat man viele Seiten mit Apps, muss man sich also mühsam zu ihr wischen. Auch Apps in die Mediathek zu schicken ist nicht unkompliziert. Hält man eine App lange gedrückt und wählt im Aufklappenden Menü "App entfernen", kann man sie im nächsten Schritt in die Mediathek schicken, statt sie ganz zu löschen. Hat man viele Apps installiert, ist das ein Haufen Arbeit.

Alternativ kann man aber nicht mehrere Apps auswählen – sondern nur ganze Seiten mit Apps ausblenden. Auch diese Option findet man nicht ohne weiteres. Man muss dazu im Wackelmodus unten auf den Balken tippen, der anzeigt, auf welcher Seite des Homescreens man sich gerade befindet. Als visueller Hinweis ist der Balken nur dezent weiß hinterlegt. Da es vorher noch nie nötig war, dorthin zu tippen, werden die meisten Nutzer den Screen zum Ausblenden der Seiten vermutlich nie zu Gesicht bekommen.

Was bedeuten die Punkte?

Und auch beim dritten großen Feature, dem Schutz der Privatsphäre, hat sich Apple für eine grundsätzlich nachvollziehbare, aber nicht sofort von selbst einleuchtende Variante entschieden. Schaltet sich das Mikrofon oder die Kamera ein, leuchtet nun wie bei Apple-Notebooks am oberen rechten Rand ein kleiner Punkt auf. So weiß man, ob Apps heimlich zusehen oder -hören. Aber eben nur, wenn man auch weiß, dass man darauf achten muss. Leuchtet der Knopf grün, sind Kamera und Mikro aktiv, beim gelben Punkt nur das Mikro.

Ein weiterer Aspekt beim Schutz der Privatsphäre ist die Option, Apps nicht mehr Zugriff auf die gesamte Fotobibliothek zu geben, sondern nur auf ausgewählte Bilder. Und wieder ist die Benutzung ungewohnt  umständlich. So lassen sich etwa nicht ganz Alben freigeben, sondern nur einzelne Fotos. Hat man seit der letzten Nutzung der App Bilder geknipst, müssen die nun also händisch hinzugefügt werden. Und dazu einzeln ausgewählt werden. Die Option dazu findet sich auch nicht immer in der App, stattdessen muss man im System erst die jeweiligen Einstellungen zu dieser speziellen App heraussuchen. In der Praxis dürfte das dazu führen, dass die meisten Nutzer irgendwann frustriert aufgeben – und eben doch den Vollzugriff gewähren.

Viele kleine Stolperfallen

Doch auch im Kleineren finden sich viele Ungereimtheiten. So gibt es endlich die Option, in der Uhrenapp die Weckzeit per Tastenfeld einzustellen. Tippt man aber die Uhrzeit an und gibt die gewünschte Zeit ein, kommt man schnell ins Stutzen: Die Minuten überschreiben bei der Eingabe die Stunden. Des Rätsels Lösung: Ein Tippen erlaubt nicht die Eingabe der gesamten Uhrzeit. Stunden und Minuten müssen jeweils einzeln angetippt werden. Das würde man 2020 anders erwarten, vor allem von Apple.

Die von vielen geschätzte Funktion "Schlafenszeit" wurde übrigens nicht gestrichen, sondern nur aus der Uhren-App entfernt. Sie versteckt sich nun in der Health-App – und heißt plötzlich "Schlafen". Darauf stößt man eher nicht durch Zufall.

Für Verwirrung dürfte auch die Steuerung mancher iPhones im Allgemeinen sorgen: Nachdem Apple in iOS 13 3D-Touch gestrichen hatte, ist es nun wieder da – aber nicht in jedem Modell. Bei den letztes Jahr eingeführten iPhone-11-Modelle wurde das Feature nicht verbaut. Und auch beide iPhone SE müssen ohne auskommen. Stattdessen müssen Sie nun die Auswahl lange gedrückt halten. Was auch auf den 3D-Touch-fähigen Geräten funktioniert. Aber nicht immer das gleiche Ergebnis bringt. Eine konsequente Umsetzung sieht anders aus.

iPadOS ohne Kernfeatures

Wer ein iPhone und ein iPad mit iOS 14 benutzt, muss sich beim Wechsel zwischen den Geräten umstellen. Obwohl Apple das Tablet-System seit letztem Jahr mit iPadOS ausgelagert hat, bekommen die iPads fast alle Neuerungen von iOS 14. Mit zwei großen Ausnahmen: Auf dem iPad stehen weder die frei auf dem Homescreen platzierbaren Widgets, noch die App Mediathek zur Verfügung. Ob Apple die Features bewusst gestrichen oder schlicht vergessen hat und ob sie irgendwann später noch kommen, ist nicht bekannt.

Warum es nun ausgerechnet in iOS 14 zu einer solchen Anhäufung verwirrender Optionen kam, ist nicht klar. Apple hatte letztes Jahr extra auf große Umbauten verzichtet, um sich mehr Zeit für die Änderungen zu nehmen. Beruhigend ist, dass es sich nur um Software-Ärgernisse handelt. Apple kann also bald auf das Feedback reagieren und die Ungereimtheiten ausbügeln. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich mit dem ersten großen Update eines neuen Betriebssystem vieles noch einmal ändert. Und da anders als bei Android auch alle unterstützten Geräte gleichzeitig mit Updates versorgt werden, dürfte sich das Warten auch in Grenzen halten.

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