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Jan Koum: Die unglaubliche Erfolgsgeschichte des Whatsapp-Gründers

Jan Koum entwickelte vor fünf Jahren Whatsapp. Nun ist sein Traum in Erfüllung gegangen: Facebook hat seine App für 19 Milliarden gekauft. Ein modernes Märchen im Silicon Valley.

Von Christoph Fröhlich

Whatsapp-Grüner Jan Koum ist jetzt Multimilliardär

Whatsapp-Grüner Jan Koum ist jetzt Multimilliardär

Jetzt sind wir alle ein bisschen Facebook: Mark Zuckerberg hat den Messengerdienst Whatsapp für die unglaubliche Summe von 19 Milliarden US-Dollar gekauft. Der Dienst hat weltweit 450 Millionen Nutzer, in Deutschland ist die App auf drei von vier Smartphones installiert. Die beiden Köpfe hinter Whatsapp sind Jan Koum und Brian Acton. Sie krempelten in nur fünf Jahren die weltweite Kommunikation um und ließen mit ihrer simplen App selbst Riesen wie Apple und Facebook alt aussehen. Wer sind die beiden?

Koum stand für Essensmarken an

Die Hauptfigur in diesem modernen Märchen ist Jan Koum, heute 37 Jahre alt. Der Whatsapp-Gründer wuchs in ärmsten Verhältnissen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kiew auf, das Haus hatte nicht einmal heißes Wasser. Er war der einzige Sohn einer Hausfrau und eines Konstrukteurs, der in der Ukraine Krankenhäuser und Schulen baute. Anfang der Neunziger, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, wanderte der 16-jährige Koum gemeinsam mit seiner Mutter nach Kalifornien aus, wo sie sich ein besseres Leben erhofften.

Doch in den USA standen zunächst harte Zeiten bevor: Die Familie musste von Sozialhilfe leben, nur mit Lebensmittelmarken kam sie halbwegs über die Runden. Sie schliefen in einem engen Zweibettzimmer. Um etwas Geld in die Haushaltskasse zu spülen, jobbte die Mutter als Babysitterin, Koum half ihr und wischte den Boden in einem Lebensmittelmarkt. Als bei seiner Mutter Krebs diagnostiziert wurde, lebten sie von ihrer Erwerbsunfähigkeitsrente. Zum Vater, der in der Ukraine geblieben war, hatte er kaum Kontakt, da Anrufe ins Ausland sehr teuer waren. 1997 starb der Vater in der ehemaligen Heimat.

Betriebsanleitungen statt College-Partys

Koum ging auf die Mountain View High School, noch heute erinnern sich ehemalige Lehrer an den Rabauken und Störenfried. Der Teenager mochte das amerikanische Highschool-System mit seinen flüchtigen Beziehungen nicht, in der Ukraine seien die Freundschaften tiefgehender, dort lerne man die Leute noch richtig kennen, erzählte er dem Magazin "Forbes". Statt mit Freunden abzuhängen, schmökerte er in seiner Freizeit lieber in Anleitungen von Computernetzwerkdiensten, die er sich in Gebrauchtwarenläden kaufte. Er trat einer Hackergruppe namens w00w00 bei, brach in Server ein, chattete mit Napster-Mitgründer Sean Fanning. Schon damals stand fest: Er ist ein technisches Genie.

Nach der Highschool wechselte er aufs College. Anders als Zuckerberg oder die Google-Gründer schaffte es Koum aber nicht auf eine Elite-Uni wie Harvard, stattdessen ging er nach San Jose. Doch wie viele Startup-Gründer schmiss auch er kurze Zeit später sein Studium. Nebenbei verdiente er sein Geld als Sicherheitstester und landete über Umwege bei Yahoo. Dort traf er auf Brian Acton, Yahoo-Mitarbeiter Nummer 44. Beide waren sofort auf einer Wellenlänge. Als Koum sechs Monate später fest als Infrastruktur-Ingenieur bei Yahoo anheuerte, verbrachten beide viel Zeit miteinander.

Absage bei Facebook und Twitter

Im Jahr 2000 starb Koums Mutter an den Krebsfolgen. Er war völlig allein und zog zu Acton, beide wurden beste Freunde. Für die nächsten neun Jahre waren sie Mitbewohner. Sie erlebten den Aufstieg und Fall von Yahoo. Acton, der für Werbegeschäfte zuständig war, investierte vor der Dotcom-Blase sein gespartes Geld, beim Börsenzusammenbruch verlor er ein Vermögen. "Mit Werbung zu handeln ist deprimierend", sagte er später dem US-Magazin "Forbes". "Du machst das Leben von niemandem besser, in dem du Werbung besser machst." Vielleicht wurde hier der Grundstein dafür gelegt, dass Whatsapp bis heute werbefrei ist.

Im September 2007 verließ das Duo gemeinsam Yahoo. Sie reisten ein Jahr durch Südamerika, spielten Frisbee, wollten abschalten. Als sie in die USA zurückkehrten, versuchten sie, wieder in der Techbranche Fuß zu fassen: Acton bewarb sich bei Twitter und Facebook, beide Unternehmen lehnten ihn ab. Auch Koum klopfte bei Zuckerberg an die Tür, doch auch er bekam eine Absage.

Ein iPhone veränderte alles

Im Januar 2009 kaufte sich Koum ein iPhone. Und während er auf dem Apple-Telefon rumspielte, ging ihm auf, dass der gerade erst sieben Monate alte App-Store ein völlig neues Geschäftsmodell eröffnete. Alex Fishman, einem russischen Freund, erzählte Koum von seiner Idee: "Jan zeigte mir sein Adressbuch", sagte Fisherman "Forbes". "Er glaubte, es sei wirklich cool, Status-Texte neben den Namen der Leute zu haben." Damit könne man etwa anzeigen, ob man gerade Lust auf ein Treffen habe, im Fitnessstudio sei oder man bereits schlafe, erklärte ihm Koum. Auch eine Idee für den Namen der App hatte er: "Whatsapp". Ihm gefiel der Name, er klang wie "Whats up" ("Was ist los?"). Nur eine Woche später, am 24. Februar 2009, gründete er die Firma Whatsapp Inc. Es war Koums 33. Geburtstag, und zugleich der Geburtstag einer weltweiten Kommunikationsrevolution.

Doch die Entwicklung kam nicht so schnell voran wie erhofft: Die App stürzte oft ab, außerdem gab es Schwierigkeiten mit der Synchronisation der Telefonnummern. Koum wollte das Handtuch werfen und einen Job suchen. Doch Acton hielt ihn davon ab: "Du wärst ein Idiot, wenn du jetzt aufhörst. Gib dem Projekt einfach noch ein paar Monate Zeit."

Keine Konkurrenz

Schützenhilfe kam von Apple: Im Juni 2009 erlaubte der iPhone-Hersteller den App-Entwicklern, Push-Benachrichtigungen zu verwenden. Jedes Mal, wenn jemand in Whatsapp einen Status änderte, bekamen alle anderen Kontakte die Änderung sofort zu sehen. Damit wurde Whatsapp zu einer Art Instant-Messenger. "Es fühlt sich wirklich großartig an, jemanden quasi sofort am anderen Ende der Welt auf einem Gerät zu erreichen, das man immer dabei hat", sagte Koum später.

Whatsapp war bei der Veröfgentlichung praktisch allein auf weiter Flur: Es gab Blackberrys Messenger, der nur auf Smartphones dieser Firma funktioniert, außerdem Googles gefloppten Dienst G-Talk und Skype. Als Koum Whatsapp in der Version 2.0 veröffentlichte, gab es bereits mehr als 250.000 Nutzer. Und die Nutzerkurve zog rasend schnell an. Immer wieder entwickelte Koum mit seinem Team neue Features: Man konnte Fotos verschicken, später sogar Voicemails. Heute nutzen 450 Millionen Menschen den Dienst. Im vergangenen Jahr waren es noch 200 Millionen.

An Koums Schreibtisch klebt ein Zettel, nur wenige Zentimeter hoch und breit, der das Wesen von Koum und seiner Idee von Whatsapp zusammenfasst: "Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack!" Die Notiz sei eine tägliche Erinnerung an die Vereinbarung, immer aufs Wesentliche fokussiert zu bleiben, sagt Investor Jim Goetz, der früh Millionen in das Startup pumpte, im US-Magazin "Quartz".

Der Vorreiter des mobilen Webs

Koum ließ sich ein Leben lang von seinen Ideen leiten. Er blieb standhaft, wenn riesige Unternehmen anklopften und seine junge Firma übernehmen wollten. Ihm ging es nicht um den schnellen Reibach, sondern um seine Vision: Er habe den perfekten Messenger entwickeln wollen, der so simpel zu bedienen sei, dass ihn selbst eine 60-jährige Oma ohne jegliche Computer-Kenntnisse bedienen könne, sagte er bei einem seiner wenigen Auftritte.

Damit war Koum in gewisser Weise auch ein Vorreiter: Während andere Unternehmen viel Geld und Herzblut in ihre Webauftritte steckten, verzichtete Koum auf PC-Anwendungen. Selbst Branchenschwergewichte wie Google und Facebook verschliefen den Trend. Koum setzte nur auf Handys. Im Jahr 2009 waren Smartphones nicht ansatzweise so weit verbreitet wie heute, dementsprechend hoch war sein Wetteinsatz. Doch heute steht fest: Sein Pokerspiel hat sich gelohnt. Laut "Forbes" besitzt Koum mit 45 Prozent den Löwenanteil von Whatsapp. Das entspricht 6,8 Milliarden Dollar.

Jan Koum, Brian Acton und Investor Jim Goetz fuhren gestern alle drei gemeinsam ein paar Blocks von ihrem Firmensitz zu einem weißen Bürogebäude, in dem früher das Sozialamt zu finden war. Hier unterschrieben sie den Übernahmevertrag mit Facebook. Die Fahrt dauerte nur ein paar Minuten. Doch Jan Koum wollte den Vertrag unbedingt dort absegnen. Es war das Haus, in dem er als Jugendlicher für Lebensmittelmarken angestanden hatte.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.