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Pixel 5 und Chromcast TV vorgestellt Google zeigt sein neues Spitzen-Smartphone – und scheint selbst nicht an Erfolg zu glauben

Pixel 5 und Chromcast TV vorgestellt: Google zeigt sein neues Spitzen-Smartphone – und scheint selbst nicht an Erfolg zu glauben
Mit den Pixel-Smartphones wollte Google Apples Erfolgsrezept für Smartphones nachahmen. Beim nun vorgestellten Pixel 5 scheint man allerdings keinen Verkaufshit zu erwarten. Das spannendste Gerät war ohnehin ein anderes.

Hardware und Software aus einer Hand – das ist das Erfolgsrezept des iPhones. Und auch Google versucht sich seit einigen Jahren mit seinen Pixel-Smartphones daran, die passende Hardware zu seinem erfolgreichen Betriebssystem Android zu liefern. Gestern Abend stellte der Konzern auf einem Hardware-Event neben einem neuen Sprachlautsprecher und einem Streaming-Stick auch das neue Spitzenmodell Pixel 5 vor. Doch einen Hit scheint man nicht zu erwarten.

Wechsel in die Mittelklasse

Dabei kann sich das Gerät durchaus sehen lassen. Nachdem man bisher eher Highend-Geräte gebaut hatte, ist das Pixel 5 mehr in der oberen Mittelklasse zu verorten. Das liegt vor allem am Prozessor: Der verbaute Snapdragon 765 ist sogar etwas schwächer auf der Brust als der im Vorgänger verbaute Snapdragon 855. Dafür hat er einen entscheidenden Vorteil: Er frisst weniger Strom. Zusammen mit dem deutlich dickeren Akku dürfte das Pixel 5 so die größte Kritik am Vorgänger, die miese Laufzeit, ausbügeln.  

An anderer Stelle wird ausgetauscht statt gespart. Anstelle von Gesichtserkennung hat das Pixel 5 nun wieder einen Fingerabdruckscanner, das dürfte angesichts der allgegenwärtigen Gesichtsmasken durchaus alltagstauglicher sein. Auch bei der großen Stärke der Pixel-Phones, der Kamera, gibt es einen Umbau: Die Zoomlinse wurde gestrichen, stattdessen verbaut Google in der Doppelknipse nun eine Linse mit Superweitwinkel. Warum man nicht wie andere Hersteller auf ein Dreierset setzt, erschließt sich nicht. Eine spannende Entwicklung ist die Aluminium-Rückseite, die trotzdem kabelloses Laden erlaubt. Das bietet bisher kein Hersteller. Auch 5G ist an Bord. Mit dem 90-Hertz-Display und einem nach iPX8 echt staub- und wasserdichten Gehäuse gibt es zudem nette Extras.

Der Preis von 613,15 Euro liegt deutlich unter den 750 Euro des Vorgängers, ist im Vergleich mit dem iPhone 11, dem Samsung Galaxy S20 5G oder dem Oneplus 8 aber trotzdem recht hoch. Sie bieten deutlich mehr Leistung fürs Geld.

Glaubt Google nicht an den Erfolg?

Offenbar scheint aber auch Google nicht an einen Erfolg seines Vorzeige-Modells zu glauben. Der Konzern habe gerade einmal 800.000 Geräte geordert, meldet "Nikkei Asia" unter Berufung auf Zulieferer-Quellen. "Google hat eine recht vorsichtige Verkaufsprognose für dieses Jahr, weil sich das Pixel 4 letztes Jahr nicht besonders gut verkaufte", erklärte eine Google-nahe Quelle dem Portal zudem. Auch Covid-19 würde als Faktor gesehen. Sollte es sich überraschend besser verkaufen, könnte Google demnach aber das Volumen erhöhen

Im Vergleich zum Gesamtmarkt waren Googles Verkaufszahlen noch nie besonders hoch, 800.000 Geräte für das Weihnachts-Quartal sind aber erschreckend wenig. Im selben Zeitraum hatte Apple letztes Jahr laut den Analysten von Counterpoint Research ganze 72,9 Millionen iPhones verkaufen können, Konkurrent Samsung kam immerhin auf 70 Millionen Galaxy-Smartphones. Google verrät keine genauen Verkaufszahlen, nach Schätzungen der Analysten von IDC soll der Konzern in seinem bisher erfolgreichsten Smartphone-Jahr 2019 insgesamt 7,2 Millionen Geräte abgesetzt haben. Das liegt aber vermutlich in erster Linie daran, dass sich die letztes Jahr erstmals eingeführte Pixel-A-Serie dank des günstigen Preises als Hit erwies. Das kann man dieses Jahr aber so nicht ganz wiederholen: Das im Sommer vorgestellte Sparmodell des Pixel 4, das Pixel 4a, kommt erst heute auf den Markt. Der Vorgänger war letztes Frühjahr erschienen. Gemeinsam mit dem Pixel 5 hat Google gestern auch ein 5G-Modell der Spar-Variante vorgestellt.

Chromecast stiehlt die Show

Die spannendste Neuerung des Google-Events war aber ohnehin nicht das Smartphone, sondern der neue Chromecast mit Google TV. Statt nur das Signal des Smartphones auf den Fernseher zu bringen, handelt es sich beim neuen Modell um eine vollwertige Streaming-Box, die an den Fire TV Stick erinnert. Während Amazons Stick aber vor allem die eigenen Prime-Inhalte in den Vordergrund stellt, soll Googles Modell dabei helfen, die besten Inhalte zu finden und zeigt Serien- und Filmvorschläge über alle Dienste hinweg an. Neben der Google-Tochter Youtube hat auch der Konkurrent Netflix einen eigenen Button auf der Fernbedienung. Die üblichen Chromecast-Funktionen sind trotzdem weiter enthalten, nur der Gaming-Dienst Stadia soll erst später folgen. Obwohl der neue Stick auch 4K beherrscht und deutlich mehr Funktionen bietet, kostet er genauso viel wie das bisherige Spitzenmodell Chromecast Ultra: 70 Euro ruft Google ab, durch die Mehrwertsteuersenkung sind es bis Ende des Jahres knapp zwei Euro weniger. Damit kostet er aber gut 10 Euro mehr als der 4K-fähige Fire TV Stick.

Auch Googles Sprachlautsprecher hat einen Neuanstrich bekommen. Und einen neuen Namen: Statt Google Home heißt er nun Nest Audio. Das gewachsene Gehäuse ist jetzt komplett stoffbezogen. Durch das größere Volumen profitiert auch der Klang: Der neue Lautsprecher ist 75 Prozent lauter als sein Vorgänger und bietet 50 Prozent mehr Bass, verspricht Google. Zudem soll er den Sound automatisch an den Raum anpassen. Der Preis sinkt: Statt 130 Euro kostet der Nest Audio nur 100 Euro.

Quelle:Nikkei Asia, IDCCNBC

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