HOME

"Aida Bella": Im Bauhaus der schönen Riesin

Das neueste deutsche Kreuzfahrtschiff läuft zur Taufe aus: die "Aida Bella". Ein Jahr lang hat der stern die Entstehung des schwimmenden Luxus-Ferienclubs auf der Werft im norddeutschen Flachland begleitet.

Von Thomas Borchert

Christian Paeth macht sie alle unglücklich. Nur ein paar Tage bevor alles fertig sein soll, ruft er mitten im Herzen der "Aida Bella" die Katastrophe aus - im "Theatrium", dem lichtdurchfluteten Saal, der durch drei Decks geht, mit Bars drum herum und der großen Showbühne in der Mitte. Die Vergoldung, allüberall an Wandverkleidungen und Vorsprüngen angebracht, ist mangelhaft, sagt Architekt Paeth. Er kontrolliert die Qualität für Aida Cruises, den Auftraggeber des neuen Schiffs. Also runter damit, alles neu. Das "Schaffen wir nie!" der Handwerker lässt Paeth nicht gelten. Also die Baugerüste quer über Sessel und Bühne bis zur hohen Decke wieder aufgestellt, das Blattgold neu aufgebracht.

Schon fünf Tage später glänzt das Theatrium in frischem Gold, Paeth ist mit der Qualität zufrieden. Hier. Anderswo im Schiff warten noch 500 Mängel auf Nachbesserung: kaputte Spiegel, Klebereste auf einer Deckenverkleidung, Flecken in der Wandfarbe, ein unschöner Verlauf der Holzmaserung an einem Geländer - jeden Fehler hat Paeth, 47 Jahre alt, mit einem kleinen Aufkleber markiert: "4000 davon habe ich verbraucht, seit ich vor drei Monaten damit angefangen habe."

Es kommt auf jede Kleinigkeit an

Natürlich nerve ich hier alle", sagt er. "Aber ich weiß eben, welche Qualität machbar ist - und die hole ich auch raus. Am Ende stehen wir alle vor einem besseren Produkt: die Reederei ebenso wie die Werft." Auf jede Kleinigkeit kommt es auch deshalb an, weil so ein Kreuzfahrtschiff alles andere als billig ist: "Wir verbauen hier ein Jahr lang knapp eine Million Euro am Tag", erklärt Aida-Neubaudirektor Christian Schönrock. Zusammen mit Projektmanager Vesa Airaksinen von der Meyer Werft koordiniert er Tausende Einzelposten, Lieferanten und Werftarbeiter so, dass termingerecht ein Schiff fertig wird. "Daran gibt es kein Rütteln, die Taufe bei Aida in Warnemünde ist am 23. April", sagt der Finne Airaksinen. "Deshalb greifen wir beide sofort ein, wenn irgendwo etwas schiefläuft."

Mal fehlen plötzlich die letzten hundert Deckenlautsprecher. Mal werden die zwei großen Kuppeln für die Satellitenschüsseln oben am Schiff zwar pünktlich geliefert, sind aber verschieden groß. "Das sähe ziemlich blöd aus", meint Schönrock. Als eines Sonntagnachts die zwei Propeller an den Antriebswellen angebracht werden sollen, fehlt ein maßgeschneiderter Montagebolzen. 18 Stunden dauert es, dann ist der Bolzen vom baugleichen Schwesterschiff "Aidadiva" aus dem Mittelmeer eingeflogen.

Etwas mehr als ein Jahr: So lange braucht die Meyer Werft, um einen Kreuzfahrtriesen zu bauen, ein schwimmendes Luxushotel, einen Urlaubstraum. Die Meyer Werft ist ein Kuriosum des deutschen Schiffbaus - aber eines mit Erfolg. Seit 1795 ist die Werft in Papenburg im Emsland zu Hause, oben links in der Republik. Hier werden in zwei 60 und 75 Meter hohen Hallen, die kilometerweit über das flache Marschland zu sehen sind, Schiffe gebaut. Große Schiffe - obwohl die Werft 40 Flusskilometer von der Nordsee entfernt an der Ems liegt. Jeder kennt die Bilder von der Emsüberführung, wenn die Ozeandampfer zentimetergenau durch den engen Fluss ans Meer gelotst werden.

Baunummer "666"

Zehntausende Zuschauer stehen dann am Ufer, so auch am 10. März vergangenen Jahres. Da macht sich die "Aidadiva" auf den Weg, das erste von sechs bei der Meyer Werft in Papenburg in Auftrag gegebenen Schiffen der deutschen Reederei Aida Cruises. Vom zweiten, der "Bella", ist da vor allem Stahl zu sehen, überzogen mit rotbrauner Rostschutzfarbe. Überall auf der Werft liegen Teile, auf denen mit Kreide die Baunummer "666" markiert ist. Mit einem gleißenden Plasmastrahl werden die Stahldecks zugeschnitten und die Wände darauf geschweißt. So entstehen Segmente, die fünf Decks hoch sind und die volle Schiffsbreite von 32,5 Metern haben. Daraus wird das Schiff wie aus Legosteinen zusammengesetzt: Bis 600 Tonnen trägt der Kran in der Bauhalle, der die Segmente ins Dock hebt. Dort verschweißen Werftarbeiter sie mit dem Rest des Schiffs.

Jede Nacht kommen dann die Ingenieure vom Germanischen Lloyd, einer Art TÜV für Schiffe. Sie kriechen in jede Ecke, sie untersuchen die wichtigsten Schweißnähte mit Ultraschall und Röntgenstrahlen, besonders in Bereichen, die später unter Wasser liegen.

Die ersten paar Monate sieht es auf der "Aida Bella" genauso aus, wie man sich Schiffbau vorstellt: Männer in blauen Overalls und gelben Schutzhelmen wuseln durch rotbraune Gänge, Funken fliegen beim Schweißen, Hammerschläge dröhnen durch den Rumpf. Überall auf den Decks stehen Klohäuschen, der Weg zur nächsten Toilette im Gebäude ist weit.

2000 Kilometer Kabel

Aber ganz allmählich wandelt sich das Bild. Zuerst kommen die Kabelverleger: In allen Winkeln des Schiffs arbeiten Teams in Kabelschächten, ziehen Leitungen an der Decke entlang, installieren Verteilerkästen. Schiffselektronik, Feuermeldeanlagen, Bordfernsehen, Klimasteuerung - alles muss verbunden werden. 2000 Kilometer Kabel kommen zusammen, dazu 250 Kilometer Rohre für Wasser, Schächte für die Klimaanlage und Wärmeisolierungen. Schließlich sollen sich die Passagiere in Norwegen ebenso wohlfühlen wie in der Karibik.

Dann kommt der Anlagenbau für maximal 2500 Gäste und 646 Besatzungsmitglieder: Zehn Edelstahltanks fassen je 1600 Liter Rot- oder Weißwein - etwa 700 werden pro Tag getrunken. Die Bierzapfanlage versorgt über 220 Meter Leitung die meisten der elf Bars und sieben Restaurants an Bord. Kühl- und Gefrierschränke fassen die Lebensmittel: 32 000 Eier gehen pro Woche weg, ebenso 3,2 Tonnen Ananas. Am anderen Ende der Bordlogistik stehen eine Müllverbrennungsanlage und eine hochmoderne Abwasseraufbereitung.

Die Gegensätze im Rohbau sind erstaunlich: Im Frühsommer sieht vorn die Kommandobrücke fast fertig aus, sie ist sogar schon weiß lackiert. Hundert Meter weiter hinten auf dem Sonnendeck ist der elegant blaue Pool schon eingebaut, Handläufe und Wasseranschlüsse sind bereits angebracht. Aber direkt daneben ist das Deck noch roher Stahl. Monate werden vergehen, bis hier das Holzdeck verlegt wird. Und gleich hinter dem Pool geht es steil bergab, fast bis auf den Boden des Docks. Nur der unterste Teil des Rumpfs liegt offen da: Der Einbau der vier Schiffsdiesel ist in vollem Gang. 12.000 PS leistet jeder der Neun-Zylinder-Motoren. Allerdings erzeugen sie damit nur elektrischen Strom. Der wiederum treibt die zwei elektrischen Fahrmotoren mit den großen Propellern an, ebenso die Bug- und Heckstrahlruder zum Manövrieren und alle Bordsysteme. Dieser "diesel-elektrische" Antrieb hat sich bei Kreuzfahrtschiffen bewährt. 22 Knoten, mehr als 40 Stundenkilometer, schafft die "Bella" damit.

Sechs Aidas für den deutschen Markt

Für die Meyer Werft sind die Aida-Bestellungen mit ihren 252 Metern Länge eher kleine Schiffe; ein 315-Meter-Riese ist im Nachbardock in Bau. Die großen Namen der Kreuzfahrtbranche ordern in Papenburg: Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line, Disney. Doch diese Schiffe verschwinden nach der Emsüberführung in die Karibik und machen die Urlaubsträume von US-Amerikanern wahr. Nur nicht die sechs Aidas: Sie sind für den deutschen Markt. "Das ist schon etwas Besonderes für uns", sagt Werft-Chef Bernard Meyer. Der 59-Jährige leitet das Familienunternehmen, er ist die sechste Generation: "So etwas zählt im Schiffbau: Unsere Kunden wissen, dass ich einmal pro Woche über ihr Schiff laufe und mir alles ansehe."

19 Bauaufträge hat die Werft derzeit, elf davon sind Luxusliner. Zwei Kreuzfahrer pro Jahr schafft Meyer, dazu noch ein kleineres Schiff, eine Fähre oder einen Frachter. In der Region ist Meyer mit 2500 Beschäftigten der wichtigste Arbeitgeber, viele Zulieferer haben sich rundherum angesiedelt. "Blockbauweise, Laserschweißen, überdachte Docks - das sind unsere Stärken", erklärt Meyer. "Aber wir machen ja viel mehr als Schiffbau: Hier in Papenburg entstehen jedes Jahr zwei große Theatersäle - das gibt es nicht mal in Großstädten."

Tatsächlich hat jedes Kreuzfahrtschiff nicht nur Showbühnen, sondern auch Großküchen, Restaurants, Hotelanlagen und Wellnessbereiche. Viele Zulieferer bauen sonst in Einkaufszentren oder Hotels. Das erforderliche Können geht weit über traditionellen Schiffbau hinaus - muss sich aber an die Erfordernisse der Seefahrt anpassen.

Das Theatrium ist der Mittelpunkt

So etwas wie das Theatrium etwa gab es bislang nicht - es ist eine Aida-Idee. Die Schiffbauingenieure mussten die Konstruktion sehr genau durchdenken, denn ein Loch durch drei Decks in der Mitte des Schiffs mit Glaswänden an der Seite hat großen Einfluss auf die Stabilität. "Die Idee hatten wir bei einem Italiener in Hamburg", erinnert sich Michael Thamm, Chef von Aida Cruises. "Wir wollten weg vom üblichen Theatersaal, der nur abends genutzt wird und sonst leer steht. Im Theatrium herrscht ständiges Kommen und Gehen, es ist Mittelpunkt des Schiffs." Deutschland ist kreuzfahrerisches Entwicklungsland, sagt Thamm: "In den USA machen Kreuzfahrten 3,4 Prozent des Reisemarktes aus, hier sind es 0,7." Das will Thamm ändern. Ostseefahrten sind einer seiner Erfolge, ebenso Touren rund um die Kanaren, aber auch im Mittelmeer und vor Dubai. Aida widerlegt mit seinem Club- Konzept die drei großen Kreuzfahrt-Vorurteile: zu teuer, zu spießig, nur Rentner an Bord. Die Schiffe sind auf Familien ausgerichtet, die Restaurants haben Buffets anstatt Bedienung, die Stimmung ist locker.

Im Herbst ist der Stahlbau auf der "Bella" praktisch erledigt. Viele Anlagen sind schon installiert. Nur von Kabinen ist keine Spur zu sehen, die Wohndecks sind gähnend leer. Allein daran, dass sich an beiden Seiten Balkons öffnen, erkennt man, dass hier einmal gewohnt und geschlafen werden soll. Die "Zimmer" der "Bella" findet man rund einen Kilometer von der Werft entfernt in einem Gewerbegebiet. "Ems Precab" steht an dem flachen Bau, ein Tochterunternehmen von Meyer. "Seit 2002 bauen wir die Kabinen außerhalb des Schiffs und schieben sie später fertig rein", erklärt Uwe Haase, stellvertretender Produktionsleiter. "Da wird dann nur noch Wasser, Strom und Abwasser angeschlossen, der Teppich verlegt, Bett und Sessel reingeschoben - das war's." Mehr als 20 Kabinen am Tag baut Ems Precab aus Fertigteilen: Die Wände werden vorgeschraubt, Stromleitungen und Feuermelder verlegt, Lampen und Schrankeinbauten angebracht, das Badezimmer eingesetzt.

Auf seinem Computer zeigt Haase den "Einbringungsplan", nach dem die Kabinen ins Schiff gepuzzelt werden: 1227 Wohnräume, 1007 für Passagiere, der Rest für die Crew. Nur die 18 Suiten an Bord werden von Hand gebaut; ebenso 177 Kabinen, die nicht mehr reinpassen würden, wenn die anderen erst mal drin sind.

Testansagen dröhnen durch die Lautsprecher

Ende März ist es so weit: Emsüberführung und Probefahrt auf der Nordsee stehen an. Überall wird noch gehämmert, geschliffen, lackiert, geputzt. Sessel und Sofas stapeln sich, Schaufensterpuppen stehen einsam in den Bord-Boutiquen, Testansagen dröhnen durch die Lautsprecher, Christian Paeth verteilt unermüdlich seine Aufkleber. Die "Aida"-Besatzung ist jetzt schon größtenteils an Bord, sogar die Künstler proben schon auf der Bühne.

Auch Kapitän Josef Husmann, der das Schiff nach der Taufe zur Jungfernfahrt über die Ostsee führen wird, hat seine drei Zimmer hinter der Brücke bezogen. Bis zur Übergabe gehört das Schiff allerdings der Werft, deren Kapitän Thomas Teitge wird bei Emsüberführung und Probefahrt das Kommando haben. Bis dahin hat Husmann also noch Zeit, sein neues Schiff richtig kennenzulernen. Die Prioritäten hat er jedenfalls schon gesetzt: "Das ist das wichtigste Gerät an Bord", sagt er auf der Brücke - und zeigt auf die Kaffeemaschine.

print
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.