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Korea Krieg "Schwarzer Donnerstag": Wie die Sowjets die "Superfestungen" der US-Luftwaffe vom Himmel holten

Die MiG-15 konnte 4000 Meter höher als die B-29 und ihr Jagdschutz fliegen und sich so in eine perfekte Angriffsposition bringen.
Die MiG-15 konnte 4000 Meter höher als die B-29 und ihr Jagdschutz fliegen und sich so in eine perfekte Angriffsposition bringen.
© Commons
Die Piloten der US-Airforce beherrschten unangefochten den Himmel – bis ihnen Stalins Piloten in MiG-15 Jets über Korea entgegentraten und den Amerikanern demütigende Niederlagen bescherten.

Der Westen geht gern davon aus, dass die Jets und Piloten der USA denen Russlands überlegen sind. Wirkliche Kämpfe finden seit Jahrzehnten nicht statt. Doch schon im Zweiten Weltkrieg sieht die Liste der erfolgreichsten Jagdpiloten anders aus. Kein alliierter Pilot reicht an Erich Hartmann (352 Abschüsse), Gerhard Barkhorn (301 Luftsiege) oder Günther Rall (301) heran und die erfolgreichsten alliierten Jäger kommen auch nicht aus dem Westen. Es sind Piloten der Roten Armee. Nikolay Dmitrievich Gulayev verbuchte 60 Luftsiege, Aleksandr Ivanovich Pokryshkin 59. Der beste Pilot der USA, Richard Bong, schoss 40 japanische Flugzeuge ab.

Im Zweiten Weltkrieg kämpften Sowjets und Amerikaner noch auf einer Seite, über der koreanischen Halbinsel sollten sie sich wieder begegnen. Und das Treffen endete mit einem Schock für die USA. Ein besonders traumatisches Ereignis war der "Schwarze Donnerstag", der 12. April 1951. Um Verluste an Bodentruppen zu vermeiden, setzten die USA auf großflächige Bombardements. Dazu starteten drei Staffeln von B-29 Superfortress-Bombern. Die B-29 war der modernste Bomber des Zweiten Weltkriegs. Mit Maschinen dieses Typs wurden die Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. 1945 konnten Jäger und Flak die Maschine wegen ihrer Flughöhe praktisch nicht angreifen. Über Korea und sechs Jahre später war die Air Force vorsichtiger. Der Bomberpulk wurde von etwa hundert Jägern der Typen F-80 Shooting Star und F-84 beschützt.

Erstes Jet-Gefecht der Geschichte

Denn die Amerikaner waren gewarnt. Wenige Monate zuvor trafen am 1. November 1950 zehn amerikanische F-80 auf drei sowjetische MiG-15, eine Maschine musste bereits wegen Spritmangels zum Flughafen zurückkehren. Die Sowjets konnten die US-Piloten ausmanövrieren. Leutnant Semjon Chominitsch griff allein die Führungsgruppe an und schoss eine F-80 ab. Der Pilot Major Frank L. Van Sickle starb. Zwei weitere F-80 wurden beschädigt, aber die Russen mussten den Kampf wegen des Treibstoffs abbrechen. Das erste Gefecht von Düsenjägern überhaupt endete mit einer klaren Niederlage für die USA.

Der Bomberschwarm des "Schwarzen Donnerstags" wurde von drei Staffeln MiG-15 attackiert. Nur 30 Jäger stürzten sich auf den Verband mit fast 140 Flugzeugen. Unter den Piloten waren trainierte Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Sergey Makarovich Kramarenko schoss eine F-84 Thunderjet ab. Er hatte sich als Unterstützer für die Sache Nordkoreas gemeldet, erinnerte er sich als alter Mann im russischen TV. Freiwillig, so wie alle anderen Piloten seiner Einheit. Offiziell nahm die UdSSR nicht am Krieg teil. Koreanische und chinesische Nationalkennzeichen wurden auf den Maschinen angebracht. Im Funk sollten sich die Piloten zur Tarnung mit koreanischen Codewörtern verständigen. Das klappte im Gefecht nicht, die Amerikaner wussten also, wer ihnen gegenüberstand.

Maschine einer neuen Ära

Die US-Jäger der Typen F-80 Shooting Star und F-84 Thunderjet waren der sowjetischen MiG-15 deutlich unterlegen. Anders sah es mit der F-86 Sabre aus, sie war wendiger, aber schwächer bewaffnet als die MiG-15, die eine höhere Feuerkraft besaß. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Bomberpulks der USA Deutschland in Schutt und Asche gelegt. Die Sowjets hatten daher geübt, wie man solche Bomberflotten ausschalten konnte. Als Abfangjäger konzipiert konnte die MiG-15 schneller und höher steigen als die US-Jets. Sie konnte 4000 Meter mehr erreichen als eine F-84. Die Russen stießen nun in Gruppenattacken von oben auf den Bomberpulk der B-29 herab. Im Tauchen erreichten sie eine Geschwindigkeit, bei der die US-Jäger nicht mithalten konnten.

Die schwerfälligen Bomber waren ein leichtes Ziel, so Kramarenko. Er nennt sie "fliegende Scheunen", nur der Jagdschutz musste zerstreut werden. Am schwarzen Donnerstag sollten sich die besten Piloten um die Jäger kümmern. "Ich identifizierte das Flugzeug des Kommandanten im Thunderjet-Geschwader und eröffnete das Feuer. Eine Salve verlief hinter dem Heck des amerikanischen Flugzeugs, die zweite traf genau das Ziel. Die F-84 fing an zu rauchen und begann zu fallen. Dann fingern wir an, die US-Jäger zu verfolgen, die versuchten, aus dem Kampf herauszukommen. Ihre Piloten konnten nicht mehr daran denken, die Bomber zu schützen."

B-29 steckte Beschuss ein

"Wir flogen über den Bombern. Die MiGs eröffneten das Feuer gegen "Superfestungen". Eine B-29 verlor einen Flügel, das Flugzeug zerbrach in Teile. Drei oder vier Flugzeuge fingen Feuer. Die Besatzungen verließen die Flugzeuge. Dutzende Fallschirme hingen in der Luft. Der Kampf bekam gerade Fahrt ... einige Besatzungen kehrten um. Vier weitere Festungen stürzten hin, sie schafften es nicht bis zur Heimatbasis."

Nur eins rettete die überlebenden Bomberpiloten. Die B-29 konnte sehr viele Treffer der Maschinenkanonen einstecken, bevor sie abstürzte. "Ein Flugzeug hatte hundert Löcher. Aber es gab keinen ernsthaften Schaden, keine einzige Kugel traf die Nase mit dem Cockpit."

Ohne eigene Verluste schossen die Sowjets die schweren Bomber aus dem Verband heraus. Solange bis sie das Meer und den rettenden Flakschutz der US-Navy erreicht hatten. Die UdSSR reklamiert 12 abgeschossene Bomber und fünf US-Jäger, die USA gaben drei Totalverluste und sieben schwer beschädigte Maschinen an.

Ein Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg

Sehen Sie im Video: Weltkriegsbomber macht in Florida Notlandung direkt vor Badegästen.

Wende durch Stalin

Entlang der Einsatzzone der MiG-Jäger über dem Fluss Yalu kam es immer wieder zu Gefechten. Am "Schwarzen Dienstag", dem 23. Oktober 1951, trafen sich die Piloten beider Seiten zur größten Luftschlacht nach dem Zweiten Weltkrieg. Im September begannen die Sowjets weiter südlich gelegene Flugfelder für ihre Jets anzulegen, das hätte deren Einsatzbereich erweitert. Also sollten die neu angelegten Flugfelder der MiGs zerstört werden, bevor sie betriebsbereit sein würden. Nachtangriffe blieben erfolglos, daher sollten neun B-29 die Mission mit starkem Jagdschutz durchführen. Doch MiG-15 tauchten in großer Zahl auf, nur sechs von neun B-29 Bombern schafften es zurück nach Okinawa. Niemals zuvor hatte die US-Luftwaffe einen so hohen Prozentsatz an Bombern bei nur einem Einsatz verloren. Das Blatt im Himmel über Korea wendete sich erst, als Stalin befahl, die eigenen Piloten zurückzuziehen und weit schlechter ausgebildete Piloten aus China und Korea die Maschinen übernahmen.

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