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A380-Belastungstest: Immer cool bleiben

In der Wüste von Abu Dhabi muss der Airbus A380 eine Woche lang Hitzetests überstehen. Für Flugzeughersteller bedeuten die Temperaturen des Innenraums und der Triebwerke große technische Herausforderungen.

Auf einen besonders heißen Prüfstand haben Testpilot Wolfgang Absmeier und seine Kollegen in dieser Woche mit dem riesigen Airbus A380 Kurs genommen: Im Wüstenemirat Abu Dhabi testen sie bei mehr als 40 Grad Celsius die Flugzeugsysteme unter extremen Bedingungen. Der einwöchige Test ist Bestandteil des Zulassungsverfahrens für den weltgrößten Passagierjet mit 555 Sitzen, der Ende 2006 bei Singapore Airlines erstmals in den Liniendienst gehen soll.

"Wir prüfen zum Beispiel die Klimaanlage", sagt Testingenieur Pascal Verneau. In Abu Dhabi ist es drückend wie in einer Dampfsauna. Frischluftsysteme an Bord müssen aber perfekt funktionieren und in der Kabine möglichst schnell Temperaturen von 20 bis 25 Grad Celsius schaffen. Schließlich sollen Passagiere aus dem klimatisierten Flughafen in einen ähnlich temperierten Jet einsteigen. Die Strategie von Airbus oder Boeing ist dabei vergleichbar mit Versuchsreihen von Autoherstellern: Diese fahren mit neuen Prototypen ebenfalls in Wüsten oder extrem heiße Regionen, um Motor und Klimaanlage unter Alltagsbedingungen zu testen.

Sehr komplex: Frischluftversorgung

Verglichen mit Autoherstellern müssen Airbus und Boeing aber noch über einige andere Probleme nachdenken. Frischluftversorgung in einem Großraumjet ist eines der kompliziertes Systeme an Bord: Einerseits muss die Anlage den Kabinendruck auf einem angenehmen Niveau von rund 2000 Metern Höhe halten, wenn das Flugzeug in lebensfeindlichen 12.000 Metern Höhe unterwegs ist. Außerdem soll die Luft entsprechend temperiert sein. Dazu nutzen die Ingenieure einen Trick: Sie zapfen einen kleinen Teil der bereits im Triebwerk verdichteten und aufgeheizten Luft wieder ab und leiten diese in die Kabine. Luftmischer und Kühlgeräte stellen sicher, dass eine angenehme Temperaur an Bord herrscht.

Belastungen beim Reiseflug sind eher konstant. Spannend wird es am Boden: So steht ein Passagierjet manchmal mehrere Stunden in der Mittagssonne oder über Nacht in eisiger Kälte - das heißt Gluthitze bis zu 50 Grad Celsius plus oder klirrende Minusgrade von 40 Grad unter Null. "Im Winter waren wir in Kanada und haben dort den Kältetest gemacht", sagt Testingenieur Verneau.

Der Hitzetest mit der A380 in Abu Dhabi ist dabei dicht an der Realität. Schließlich hat Etihad Airways aus dem Emirat das neue Riesenflugzeug bestellt. "Wir wollen im Frühjahr 2008 unsere erste A380 in Dienst stellen", sagt Etihad-Vorstandsvorsitzender Geert Boven. Ein weiterer Kunde in der Nachbarschaft ist Emirates aus Dubai.

Schwerpunkt Triebwerk

"Ein anderer Schwerpunkt sind die Triebwerke", sagt Testpilot Wolfgang Absmeier. Der erfahrene A380-Pilot und seine Kollegen absolvieren dazu unter anderem Starts und Landungen auf dem Flughafen von Al Ain. Der Landeplatz mit einer 4000 Meter langen Piste liegt in Abu Dhabi in der Nähe des internationale Verkehrsflughafens, ist aber nicht so stark frequentiert wie die Heimatbasis von Etihad.

Hitze, Höhe und Luftdruck wirken sich unmittelbar auf die Leistungsfähigkeit von Triebwerken aus. So muss eine Besatzung vor jedem Start berechnen, ob das Flugzeug mit der geplanten Zuladung von Passagieren, Kraftstoff und Fracht sicher abheben kann und wie lang die erforderliche Startstrecke sein wird. In die Kalkulation ist ein dickes Sicherheitspolster eingebaut - ein vierstrahliges Flugzeug kann zum Beispiel auch dann abheben, wenn ein Motor beim Start ausfällt.

Der Airbus A380 ist beim Thema Startbahn trotz seiner Ausmaße eher bescheiden. Obwohl das Flugzeug rund 150 Tonnen mehr wiegt als die 400 Tonnen schwere Boeing 747, braucht es keine längere Startbahn. "Die A380 kann von allen Flughäfen starten und landen, auf denen auch die 747 eingesetzt wird", erklärt der Airbus-Direktor für die Region Mittelost, Habib Fekih. Je nach Ausstattung des Flughafens müssen unter Umständen Fluggastbrücken oder die Abfertigungsanlagen modernisiert werden.

Resultate des heißen Probelaufs von rund einer Woche in Abu Dhabi interessieren aber nicht nur Airbus und Kunden wie Etihad. "Unser Hitzetest ist fester Bestandteil des Zulassungsverfahrens", beschreibt Testingenieur Verneau. Das heißt: Die Luftfahrtbehörden kontrollieren die Ergebnisse ebenfalls, bevor sie ein neues Flugzeug wie die A380 zum Passagierflug zulassen.

Heiko Stolzke/DPA / DPA