Airbus "Der A380 wird sich vor allem in Asien durchsetzen"


Vor fünf Jahren begann das Programm für die Entwicklung des Airbus A380. Der deutsche Ingenieur Jürgen Thomas gilt als "Vater des A380". Für ihn liegt die Zukunft des Riesenvogels vor allem im fernen Osten.

Der "Vater der A380" ist mit sich und der Welt zufrieden. Fünf Jahre nach dem A380-Programmstart und knapp acht Monate nach dem 3:54 Stunden langen Erstflug des ersten vierstrahligen Riesen in Toulouse-Blagnac konstatiert der deutsche Flugzeugkonstrukteur Jürgen Thomas: "Rückblickend können wir schon jetzt feststellen: Es ist alles über Erwarten gut gelaufen. Gerade vor wenigen Tagen hat mir Claude Lelaie, unser erfahrener Chef der Flight Division und Testpilot in Toulouse, bestätigt, dass die Flugerprobung bisher hervorragende Ergebnisse gebracht hat. Schon jetzt erfüllt das Flugzeug die versprochenen Flugleistungen. Das war vor dem Hintergrund der vielen neuen Systeme, die in die A380 integriert worden sind, nicht unbedingt zu erwarten, obwohl wir es natürlich gehofft hatten. Dass dieses Flugzeug so gut fliegt, beweist natürlich, dass es sehr gut definiert war."

Der Leipziger Jürgen Thomas, Jahrgang 1937, der jahrelang auch in Bremen und Hamburg tätig war und der gemeinsam mit dem heutigen Bahnchef Hartmut Mehdorn Ende der 60er Jahre an der Entwicklung des ersten Düsenverkehrsflugzeuges der Bundesrepublik Deutschland, der VFW 614, in Bremen beteiligt war, blickt schon wieder optimistisch in die Zukunft: "Lange ist’s nicht mehr hin, dass sich die A380 im Service bewähren muss. Das wird ein ganz neues Kapitel. Wir werden sicherlich nicht mehr die Probleme bekommen, die wir in den Airbus- Gründerjahren mit mehreren unserer ersten Flugzeuge gehabt haben. Da ist manches nicht optimal gelaufen. Damals haben wir immer wieder noch sehr deutlich gespürt, wie weit uns Boeing seinerzeit mit seiner großen jahrzehntelangen Erfahrung voraus war. Aber diese Zeiten sind vorbei."

"Die nächsten Kunden warten erstmal ab"

Der Flugzeugbauer Jürgen Thomas, der nach wie vor auch dem Aufsichtsrat von Airbus Deutschland angehört, erwartet keine weiteren großen Neuaufträge für die A380 in nächster Zeit. "Wer sollte jetzt schon eine A380 bestellen, wenn er sie sowieso vielleicht erst in fünf Jahren bekommen kann?" Und die nächsten Kunden können ohnehin auch nicht mehr mit den oft kräftigen Rabatten rechnen, die Erstkunden oder so genannte Launching Customer zumeist erhalten. Thomas: "Die nächsten potenten Kunden warten in aller Ruhe ab."

Luftfahrt-Boom in Asien

Ohnehin ist der erfahrene Luftfahrtindustrielle Thomas der festen Überzeugung, dass die nächsten Kunden zumeist aus dem asiatischen Raum kommen werden, nicht zuletzt aus China: "Für die großen Strecken im pazifischen Raum ist dieses Flugzeug hervorragend geeignet. Außerdem erlebt Asien derzeit ohnehin einen beispiellosen Luftfahrt-Boom. Ich rechne sogar damit, dass die A380 irgendwann einmal auch auf innerchinesischen Strecken fliegen wird - so wie heute die Boeing 747 schon innerhalb Japans. Die Amerikaner aber werden noch mehr hinterherhinken, zumal die meisten großen US-Airlines finanziell sowieso ziemlich marode sind."

Jürgen Thomas weiß besser als jeder andere, welche technische und finanzielle Energieleistung notwendig war, um den Airbus A380 in die Luft zu bringen: "Deshalb bin ich heute auch am meisten davon beeindruckt, dass dieses Flugzeug in allen Kernbereichen bisher die hohen Erwartungen erfüllt hat, die wir erhofft und erwartet hatten. Das erfüllt mich natürlich auch mit großem Stolz." Gibt es auch negative Erfahrungen oder Entwicklungen im A380-Programm? Jürgen Thomas bleibt die Antwort nicht schuldig: "Dass wir unseren Zeitplan wieder nicht einzuhalten vermochten, das ist schlimm. Da muss wirklich was passieren, vor allem in Deutschland. Begriffe wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und, wenn man so will, Kampfgeist müssen wieder eine größere Rolle spielen. Daran hapert’s doch im ganzen deutschen Wirtschaftsraum. Das fängt bei Klinsmann & Co im Fußball an und hört in der Luftfahrtindustrie nicht auf. Da muss wieder mehr Dampf in unsere Köpfe 'rein." Der Fußballfan Jürgen Thomas wird noch deutlicher: "Ich habe sogar etwas Angst. Wir leisten zwar hervorragende Arbeit, aber ich fürchte, wir haben in Deutschland keine Visionen mehr - wie wir jungen Flugzeugbauer vor über 30 Jahren."

Wer den "Vater der A380" heute nach seinem eindrucksvollsten oder schönsten Erlebnissen in seiner langen und erfolgreichen beruflichen Laufbahn als Industriemanager und Flugzeugkonstrukteur in Deutschland und Frankreich fragt, wird immer wieder mit den gleichen Worten bedient: "Das war der Erstflug am 27. April. Man war zwar optimistisch, aber die Tage zuvor waren trotzdem voller Anspannung. Ganz besonders auch für mich. Immer wieder malte man sich aus, was alles passieren könnte. Und dann wurde es ein Bilderbuchflug. Es war ein einmaliges Erlebnis für mich."

Karl Morgenstern, DPA DPA

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