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Airbus A380: Supervogel landet in Frankfurt

Der neue Airbus A380 hat erstmals auf der Piste eines internationalen Passagierflughafens aufgesetzt. Die Landung in Frankfurt ist einer von unzähligen Tests, die der Gigant zur Zulassung benötigt.

Der Riesen-Airbus A380 ist am Samstagmorgen erstmals in Deutschland gelandet. Die größte Passagiermaschine der Welt setzte kurz vor 09.00 Uhr auf der Nordbahn des Frankfurter Flughafens auf. Zehntausende Schaulustige waren gekommen. Allerdings behinderte Nebel teilweise die Sicht. Nach der Landung rollte der fliegende Koloss zum Terminal 2. Er soll in Alltagssituationen wie dem Be- und Entladen getestet werden. Den Planungen zufolge wird der A380 am Sonntagmorgen wieder ins Airbus-Stammwerk nach Toulouse fliegen. Der A380 hat ein maximales Startgewicht von 560 Tonnen und in der Dreiklassenkonfiguration eine Kapazität von 555 Sitzen. Singapore Airlines soll Ende 2006 die erste Maschine erhalten. Auch die Lufthansa hat 15 Exemplare des Superjumbos bestellt.

Airbus hat wegen Triebwerksproblemen ein anderes A380-Testflugzeug nach Frankfurt geschickt als ursprünglich geplant. Bei dem vorgesehenen A380-Testflugzeug Nummer 1 sei in dieser Woche ein heißgelaufenes Triebwerk ausgetauscht worden, "was nach 410 Flugstunden und 210 Testflügen vorkommt", sagte eine Airbus- Sprecherin. "Das stellt den Ablauf des Testprogramms nicht in Frage." Die beiden Maschinen seien im übrigen völlig identisch. Airbus hat das zweite Testflugzeug mit der Nummer 4 von Toulouse nach Frankfurt geschickt. Die zunächst vorgesehene Nummer 1 wird für einen Flug nach Asien vorbereitet.

Tausende Tests stehen noch bevor

Mehr als 350 Flugstunden hat das weltgrößte Passagierflugzeug schon hinter sich, Tausende stehen dem Airbus A380 bis zur Zulassung im nächsten Jahr noch bevor. Aufgeteilt wird das Mammutprogramm unter zum Teil härtesten Bedingungen auf fünf Flugzeuge.

Der erste A380 mit der Seriennummer MSN001 startete am 27. April zum Jungfernflug. Bis dahin hatte er schon am Boden einige Tests bestanden. Bordaggregat, Fluginstrumente, Triebwerke und Bremsen des am Computer entwickelten Flugzeugs wurden genau überprüft. Der erste Testflug war angesichts des noch bevorstehenden Programms recht simpel. Die Maschine wurde bei normalen Geschwindigkeiten in mittlerer Höhe geflogen. Aus Sicherheitsgründen fuhr der Pilot das Fahrwerk erst sehr spät ein, oft passiert das bei Erstflügen gar nicht.

In der ersten Phase der Flugtests wurden Flugeigenschaften untersucht wie etwa die Steigleistung oder das Verhalten bei geringen Geschwindigkeiten und bei Höchstgeschwindigkeit. Auch die im Flug auftretenden Schwingungen wurden im Rahmen der so genannten Flattertests bereits unter die Lupe genommen. 6000 Messfühler innen und außen am Flugzeug sammelten Daten über die Belastungen an Rumpf, Tragflächen und Leitwerk des Flugzeugs, die dann sowohl von Ingenieuren an Bord, und auch in einem Kontrollzentrum am Boden überwacht wurden.

Tests zur Flughafentauglichkeit am Frankfurter Airport

Der zweite A380 - MSN004 - hat am 18. Oktober seinen Jungfernflug absolviert. Diese Maschine, die ebenfalls nur technisches Gerät, Testinstrumente und Wassertanks als Ballast an Bord hat, muss nun die Funktionen von Triebwerken, Systemen und Materialien unter extremen Wetterbedingungen unter Beweis stellen. Den Tests bei extremen Außentemperaturen - Kälte bis zu minus 40 Grad Celsius als auch hohe Hitze und Luftfeuchtigkeit - soll der A380 in der ersten Jahreshälfte 2006 unterzogen werden.

Dazwischen liegen aber auch einige Untersuchungen am Boden. So wird der erste A380 am Samstag zu Gast auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt sein, um sich und den Flughafen ersten Tests zur Flughafentauglichkeit zu unterziehen. Auf dem Programm stehen Rollen auf dem Flughafengelände, das Andocken an einen Terminal und die Überprüfung der Positionierung von Fluggastbrücken. Auch Servicefahrzeuge - etwa für das Anliefern der Bordverpflegung - sollen getestet werden. Wegen des Gewichts und Größe des Flugzeugs mussten Schlepper und Catering-Fahrzeuge neu entwickelt werden.

Ermüdungs- und Evakuierungstests

Die dritte und vierte A380 erhalten dann voll ausgestattete Kabinen, um die Geräuschentwicklung und Installationen wie die Klimaanlage zu testen. Auch die Funktion der Rauchmeldeanlage und des Feuerlöschsystems wird geprüft. Der fünfte Test-A380 ist speziell für das Programm zur Zulassung des neu entwickelten Triebwerks der Engine Alliance vorgesehen. An der "Engine Alliance" ist neben General Electric und Pratt & Whitney auch der Münchener Triebwerkshersteller MTU Aero Engines beteiligt. Die anderen vier Test-Maschinen fliegen mit Triebwerken von Rolls-Royce.

Zwischenzeitlich wird ein A380 in Dresden Ermüdungstests ausgesetzt. Innerhalb von 26 Monaten soll dabei eine Einsatzdauer von rund 25 Jahren simuliert werden. Im Zuge der Testläufe wird das Flugzeug Kräften und Lasten von 47.500 Flügen ausgesetzt. Dabei müssen sich die Flügel bis zu vier Meter nach oben und mehr als einen Meter nach unten biegen lassen. Diese Prüfung sollen bis Anfang 2006 abgeschlossen sein.

Besteht der A380 auch noch den Evakuierungstest, bei dem 850 Passagiere im Falle eines Notfalls das Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden räumen müssen, steht der Zulassung durch die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA und die US-Luftfahrtbehörde FAA nichts mehr im Wege. Erst danach kann Singapore Airlines den A380 als erste Fluggesellschaft in Dienst stellen.

Kerstin Dörr/Reuters / Reuters