Airbus Neuer Sprit für den Supervogel

Der Flugzeugbauer Airbus hat zum Erstflug geladen. Wer aber die Präsentation eines neuen Flugzeugs erwartet hatte, wird enttäuscht. Vielmehr präsentiert Airbus einen neuen, ökologischen Kraftstoff. Doch das Öko-Kerosin hält nicht, was Airbus-Präsident Tom Enders verspricht - noch nicht.
Von Jan Boris Wintzenburg

Airbus hatte das Ereignis als ein "aviation first", einen Erstflug, angekündigt: Am heutigen Freitag flog erstmals ein Airbus A380 mit synthetisch hergestelltem Treibstoff vom Airbus-Werk in Filton, Großbritannien nach Toulouse in Frankreich. Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus beginnt mit dem dreistündigen Flug ein Testprogramm, bei dem alternative Kraftstoffe für Flugzeuge erprobt werden sollen.

Die bis zur letzten Minute geheim gehaltene Aktion ist eine Reaktion von Airbus auf die CO2-Debatte: Der globale Luftverkehr trägt zwischen zwei und drei Prozent zur Belastung mit dem Klimagas bei - Tendenz steigend. Weit über 10.000 Passagier- und Frachtflugzeuge steigen täglich in den Himmel und verteilen ihre Schadstoffe in der Atmosphäre, bisher ausschließlich angetrieben von dem Diesel-ähnlichen, aus Erdöl raffinierten Kerosin.

Ökologische Auswirkungen sind überschaubar

Chemisch gesehen nutzte Airbus aber genau diesen Treibstoff auch für den heutigen Flug: Triebwerke und Technik mussten nicht modifiziert werden. Allerdings wurde synthetisch aus Erdgas hergestellter GTL-Sprit (GTL= Gas-to-liquid) verwendet, der dem herkömmlichen Kerosin sehr ähnlich ist. GTL hat allerdings einen etwas höheren Energiegehalt, was den Verbrauch senkt und damit die benötigte Spritmenge reduziert. Damit wird das Flugzeug leichter und deswegen etwas sparsamer. Außerdem ist der künstliche Sprit quasi schwefelfrei und erzeugt weniger giftige Abgase. Doch die ökologischen Auswirkungen des GTL-Einsatzes sind überschaubar. Schließlich ist auch Erdgas ein fossiler Brennstoff, dessen Nutzung die Atmosphäre belastet.

Airbus und seine drei Partner Shell, Qatar Petroleum und der Triebwerkshersteller Rolls-Royce bemühen sich daher auch, den "Erstflug" nur als Zwischenstufe auf dem Weg zum Einsatz nachwachsender Rohstoffe zu beschreiben. Ziel soll ein Sprit namens BTL sein (Biomass-to-liquid), der dann aus Pflanzen, vielleicht in ferner Zukunft sogar aus Algen, in riesigen Mengen hergestellt werden soll.

"Bahnbrechenden Erstflug mit alternativem Kraftstoff"

Besonders blumig drückte das Tom Enders, Präsident und CEO von Airbus, aus: "Die 'Airbus-Roadmap' für alternative Kraftstoffe setzt auf vielseitige Innovationen und die Erforschung vieler, kreativer Ideen und Möglichkeiten. Dies erfordert ähnlich kühne industrie- und grenzübergreifende Zusammenarbeit, wie wir sie heute mit dem bahnbrechenden Erstflug mit alternativem Kraftstoff unter Beweis gestellt haben."

Das war reichlich dick aufgetragen. Tatsache ist: Angesichts knapper werdender Ölvorräte tut ein Flugzeughersteller wie Airbus gut daran, sich nach alternativen Kraftstoffen für seine Flotte umzusehen. Der Mega-Airbus A380 beispielsweise wird sicherlich noch weit mehr als 20 Jahre hergestellt werden. Geht man davon aus, dass Passagierjets eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren haben, werden viele der Superflieger das Ende der Erdölversorgung, wie wir sie kennen, erleben. Und ja: Fürs Weltklima ist es natürlich auch nicht schlecht, wenn Flugzeuge irgendwann einmal mit pflanzlichen Rohstoffen abheben.

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