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Gesundheitsoffensive: Apples Zukunft ist nicht das iPhone

Mit dem neuen iPhone 7 will Apple wieder Milliarden verdienen. Doch das Geschäft der Zukunft liegt in einem anderen Bereich: Apple betont immer wieder, den Gesundheitsmarkt umkrempeln zu wollen. Die neue Apple Watch Series 2 ist nur der Anfang.

Die Apple Watch Nike+ hat ein eigenes Armband und Watchface

Die Apple Watch Nike+ hat ein eigenes Armband und Watchface

Apple hat diese Woche seine neuen Smartphones - das iPhone 7 und das iPhone 7 Plus - vorgestellt. Dank des spritzwassergeschützten Gehäuses, einer verbesserten Kamera und nicht zuletzt dank der neuen Farben dürfte sich allen Kritikern zum Trotz auch die nächste Generation millionenfach verkaufen.

Neben dem iPhone 7 zeigte Apple auch die nächste Generation seiner Smartwatch, die Apple Watch Series 2. Konkrete Verkaufszahlen zum Vorgänger nannte der Konzern wieder nicht. Doch angesichts der erweiterten Produktpalette - neben der Aluminium- und Edelstahlvariante gibt es nun auch ein Keramik-Modell und eines von Nike - muss man davon ausgehen, dass sich das Experiment gelohnt hat, wenn vielleicht auch nicht so durchschlagend, wie einige Experten zum Marktstart erwartet haben.

Apple Watch ist Wette auf die Zukunft

Für Apple geht es bei der Watch um mehr als die reinen Verkaufszahlen. Für den Konzern ist die smarte Armbanduhr eine Wette auf die Zukunft. Denn auch wenn das iPhone noch ein paar Jahre die Erlösquelle Nummer eins bleiben wird, sucht Apple-Chef Tim Cook fieberhaft nach dem nächsten großen Ding. Und wurde offenbar längst fündig: Der nächste Milliardenmarkt ist unsere Gesundheit.

In einem Gespräch mit "Fastcompany" erklärte der Apple-Chef vor wenigen Wochen: "Unsere Strategie ist es, dir in jedem Abschnitt deines Lebens zu helfen, egal ob du im Wohnzimmer sitzt und besser mit deinem Desktop-Rechner arbeiten möchtest, du dein Smartphone nutzt oder du im Auto sitzt und CarPlay nutzt. Wir dringen auch in den Gesundheitssektor vor, das ist ein Bereich, in dem viele, viele Menschen Verbesserungen wünschen.“

Apple fokussiert sich auf Fitness

Die Einführung der Apple Watch im Jahr 2015 war nur der erste Schritt in diese Richtung. Damals schien der Konzern noch etwas planlos zu sein, was genau er mit der Uhr eigentlich bezwecken wolle. Sie wurde als mobiles Kommunikationsgerät und digitales Portemonnaie, als Navigationsgerät und Musik-Player vorgestellt - quasi als Mini-iPhone fürs Handgelenk.

Mittlerweile ist der Fokus schärfer: "Wir sind zufrieden, dass viele Menschen die Apple Watch nutzen, um ein gesünderes Leben zu führen", sagte Cook bei der Einführung der Series 2. Bei der zweiten Generation konzentriert sich Apple voll auf Fitness: Die Uhr überwacht nicht nur verschiedene Körperfunktionen wie die Herzfrequenz oder die Bewegung, sie bietet auch neue Workouts für Sportler, etwa Schwimmen. Ein eigener GPS-Chip soll Jogger unterstützen. Und mit der "Atmen“"-App aus dem neuen Betriebssystem watchOS3 rückt die Achtsamkeit mit dem eigenen Körper in den Mittelpunkt.

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Es geht um die Daten

Dass Apple ambitionierte Pläne im Fitness- und Gesundheitssektor hat, zeigt nicht nur die jüngst verkündete Kooperation mit Nike oder die große Zahl an Medizinexperten, die der Konzern mittlerweile beschäftigt - darunter renommierte Schlafforscher. Das Unternehmen kauft auch immer wieder Start-ups aus dem Health-Sektor, Ende August etwa den Medizin-Cloudanbieter Gliimpse. Damit können Patienten ihre Daten sammeln und bei Bedarf an ihre Ärzte weiterreichen, damit diese sich ein genaueres Bild über Erkrankungen und Vordiagnosen machen können. Ziel der Plattform ist es, unterschiedliche Datenformate und Quellen zusammenzuführen.

Bislang bietet Apple für Privatpersonen die Health-App an, die Gesundheitsdaten darstellt und mit vielen Geräten von Fremdherstellern funktioniert - etwa den Wlan-Waagen von Withings. In den USA nutzen immer mehr Krankenhäuser die Health-App zur Fernüberwachung ihrer Patienten. Mit "ResearchKit" bietet der Konzern ein Tool, mit dem Wissenschaftler Daten für Studien sammeln können, etwa für die Alzheimer-, Diabetes- oder Asthma-Forschung. Mit "CareKit" gibt es wiederum eine Art Baukasten für Medizin-Apps.

Mobile Patientendaten, Schlafanalyse, Medizin-Forschung - für die Apple Watch Series 2 ist das alles noch Zukunftsmusik. Aber Apple sammelt mit der Uhr jede Menge wertvolle Daten: Wie oft und wann treiben die Millionen Nutzer weltweit Sport? Wie entwickelt sich ihre Fitness? Wie wirkt sich diese auf weitere Vitalfunktionen aus? Von solchen sensiblen Daten können andere Unternehmen nur träumen.

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All diese Erkenntnisse könnten im kommenden Jahr in einem völlig neuen Produkt münden. Wie die taiwanische Internetseite "Economic Daily News" berichtet, arbeitet Apple an einem Gadget, dass zahlreiche Gesundheitsdaten des Trägers automatisch erfassen soll. Dabei handelt es sich explizit nicht um eine weitere Version der Apple Watch. Das neue Gesundheitsgerät soll einen Wirbelwind in der Technikindustrie entfachen, heißt es in dem Bericht.

"Wir haben uns in die Gesundheitsarena begeben. Wir haben uns den Wellness-Bereich näher angeschaut, was uns dazu führte, uns näher mit der Forschung zu beschäftigen, was uns dann wiederum zur Patientenversorgung und anderen Dingen führte", erklärte Cook gegenüber "Fast Company".

Und der Apple-Chef stellt klar, dass es sich nicht nur um ein Hobby handelt: Derzeit würden die meisten Lösungen, egal ob es sich um Geräte oder Produkte der Pharmaindustrie handelt, nur angeboten, um Rückerstattungen der Krankenkassen zu bekommen - "und nicht, weil es dem Patienten hilft", klagt Cook. "Wenn man die Rückerstattung durch die Krankenkassen außer Acht lässt, und wir haben dieses Privileg, könnten wir etwas schaffen, das selbst den Smartphone-Markt winzig aussehen lassen würde."