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Natürliche Energie Batterie mit Flüssigluft – Großbritannien baut gigantischen Stromspeicher

So sieht die geplante Anlage aus. Grundsätzlich können die Tanks auch unterirdisch der Erde angelegt werden.
So sieht die geplante Anlage aus. Grundsätzlich können die Tanks auch unterirdisch der Erde angelegt werden.
© Highviewpower / PR
Es ist die Erfindung eines Schulabbrechers und Tüftlers: Überschüssiger Strom soll in Tanks mit flüssiger Luft gespeichert werden. Die Effizienz des Verfahrens ist nicht überragend, aber der exotische Stromspeicher punktet mit anderen Vorzügen.

Betrachtet man nur die Energieerzeugung, dann sollte es relativ schnell möglich sein, mit Wind- und Solarenergie den Bedarf der Welt zu decken. Und das kann sogar gelingen, ohne dass es zu Preissprüngen kommt. Größtes Problem bleibt aber, die Differenz von Herstellung und Verbrauch zu überbrücken. Eine Möglichkeit sind Batterien, auch wurden schon Energietürme mit Betonquadern geplant ("Haben Schweizer das größte Problem sauberer Energie gelöst?") – ein weiterer Anlauf ist nun flüssige Luft.

Anlage im industriellen Maßstab

In Großbritannien entsteht eine neue Anlage, die zu einem der größten Energiespeichersysteme Europas werden soll. 50-MWh soll die sogenannte CRYOBatterie speichern können, dazu wird Umgebungsluft so weit abgekühlt, bis sich die gasförmige Luft bei etwa minus 200 Grad verflüssigt. In diesem Zustand kann sie in geeigneten Speichern sehr lange gelagert werden. Die Anlage von Highview Power soll in der Nähe von Manchester entstehen. Sobald die Flüssigluft später aus dem Speicher abgelassen wird, beginnt sie sich auszudehnen und kann dann eine Turbine zur Stromerzeugung antreiben. Technisch birgt so eine Anlage mehrere Herausforderungen. Ein herkömmliches Kraftwerk gibt immer Wärme ab, eine Anlage mit flüssiger Luft muss dagegen die Kälte des Prozesses beherrschen, sonst würde sich die Stromfabrik schnell in einen Eisberg verwandeln.

Probleme beim Wirkungsgrad

Diese kryogene Energiespeichertechnologie hat einen geringeren Wirkungsgrad als Akkuspeicher. Derzeit gewinnt man nur etwa 60 bis 70 Prozent der Energie zurück, die man in das System eingespeist hat. Das Verfahren hat aber mehrere Vorteile. Die Fähigkeit zur Speicherung von mehr Energie kann einfach und kostengünstig erreicht werden. Es müssen nur weitere isolierte Niederrucktanks angeschlossen werden. Würde man Luft nur komprimieren, müssten die Tanks starke Belastungen aushalten. So müssen sie nur ausreichend isoliert werden.

Und anders als ein Wasserspeicher kann ein CRYOBatterie überall aufgebaut werden und führt zu keinem Eingriff in die Landschaft. Im Vergleich zu einem Akku ermüdet das System nicht, abgesehen von einer normalen Wartung können die Speicher "ewig" benutzt werden. Für den Bau werden auch keine seltenen Erden oder Metalle benötigt.

Idee eines Tüftlers

Highview Power hat bereits zwei Demonstrationsanlagen in Großbritannien gebaut, aber das neue Projekt mit einer Ausbaustufe von 250-MWh wird die bislang größte Anlage und ist für den kommerziellen Betrieb vorgesehen. Die Idee zur CRYOBatterie stammt von Peter Dearman, einem Hinterhof-Erfinder aus Hertfordshire. Ein Zuschuss in Höhe von 10 Millionen Pfund der britischen Regierung ermöglicht die Weiterentwicklung in den kommerziellen Bereich. "Es ist sehr aufregend", sagte der Erfinder zur "BBC". "Wir brauchen viele verschiedene Formen der Energiespeicherung - und ich bin zuversichtlich, dass flüssige Luft eine davon sein wird." Der Schulabbrecher Dearman wurde berühmt, weil er zuvor schon den Luftmotor erfunden hatte, der nach dem gleichen Prinzip mit flüssiger Luft arbeitet.

Der Bau der Anlage hat bereits begonnen, im Jahr 2023 soll sie mit der Speicherung beginnen. Laut "BBC" soll sie rund 50.000 Haushalte fünf Stunden lang versorgen können. Das hört sich weniger an, als es tatsächlich ist. Denn die CRYOBatterie ist nicht dafür gedacht, die alleinige Stromversorgung sicher zu stellen. Sie soll nur als Puffer dienen, um Verbrauchsspitzen und Energieerzeugung zu harmonisieren. "Unsere Anlage wird die dringend benötigte saubere, zuverlässige und kosteneffiziente Langzeit-Energiespeicherung für das nationale Stromnetz liefern", ist Javier Cavada, CEO von Highview Power, überzeugt. Die CRYOBatterie werde Großbritannien bei der Integration erneuerbarer Energien und der Stabilisierung des regionalen Stromnetzes helfen, um die zukünftige Energiesicherheit bei Stromausfällen und anderen Störungen zu gewährleisten.

Quelle: BBC

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