High Definition Television Die Zukunft ist hoch auflösend


Das ist der Trend unter den Trends: Hochauflösendes Fernsehen. HDTV soll den Herstellern hohe Umsätze und den Zuschauern nie gekanntes TV-Vergnügen bescheren.

Für Goldgräberstimmung bei den Herstellern von Unterhaltungselektronik sorgt zur diesjährigen Internationalen Funkausstellung vor allem ein Begriff: HDTV. Das hochauflösende Fernsehformat (High Definition TV) mit seiner deutlich besseren Bildqualität im Kinoformat 16:9 soll dem heimischen TV-Genuss eine neue Qualität verleihen und zugleich die Kassen der Industrie kräftig klingeln lassen. Schließlich müsste die gesamte Gerätekette vom Empfänger über Fernseher hin zum Recorder ausgewechselt werden.

"HDTV ist die bedeutendste Entwicklung, die in den nächsten Jahren die TV-Industrie weltweit gestalten wird", schwärmt Georg Kofler, Chef des Fernsehsenders Premiere. "Die Ifa öffnet bereits im September die Tore für dieses neue Fernsehzeitalter." Der Abo-Sender Premiere will als Pionier dabei zu den Gewinnern zählen. Bereits für den 1. November plant der Sender, mit drei neuen Abo-Kanälen im HD- Format auf Sendung zu gehen. Viele der neuen Flachbild-Fernseher sind bereits HD-tauglich.

Skepsis bei ARD und ZDF

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sind allerdings noch skeptisch, ob sich HDTV schnell verbreiten wird. "HD ist längst nicht die wichtigste Entwicklung, sondern die gesamte Digitalisierung von der Produktion bis hin zur Ausstrahlung", meint Herbert Tillmann, Vorsitzender der Produktions- und Technikkommission der ARD. Schließlich wird die Umstellung auf den neuen Standard erhebliche Mehrkosten in Produktion und Ausstattung zur Folge haben. Neben dem technischen Equipment werden zum Beispiel Fernsehstudios völlig neu gestaltet werden müssen. Aber die Anstalten sehen zunächst auch ihre Versorgungsverpflichtung im Vordergrund. Ende des Jahres werden rund 90 Prozent der Bevölkerung HDTV noch nicht empfangen können, sagt Tillmann. Selbst bei den privaten Sender bleibt ein eindeutiges Engagement vorerst aus.

Flache Fernseher ziehen die Menschen an

Wer einmal einen Film in HD-Qualität gesehen hat, kann sich leicht vorstellen, dass die neue Technologie die Verbraucher schnell überzeugen könnte - trotz der höhren Preise. Darauf bauen auch die großen Hersteller der neuen Flachbild-Fernseher. Die Geräte - ob HD-tauglich oder nicht - haben sich inzwischen ohnehin zum Publikumsmagneten entwickelt und bereits 2004 hier zu Lande Zuwächse von über 170 Prozent verbucht. Nach Schätzungen der gfu werden die Deutschen dieses Jahr mehr als 1,5 Milliarden Euro für Plasma, LCD- und Projektions-Fernseher ausgeben. Das sei bereits mehr als die Hälfte dessen, was sich die Verbraucher insgesamt Fernsehgeräte kosten lassen.

Das Problem: fehlende Inhalte

Doch ohne eine relevante Menge an Inhalten in hochauflösender Qualität wird den Geräteherstellern ein wichtiges Verkaufsargument fehlen. Führende Hollywood-Studios haben zwar noch für dieses Jahr rund 90 HD-Filme auf den mit einander konkurrierenden neuen Medien HD-DVD und Blu-ray angekündigt. Zuletzt hieß es allerdings, mehrere Studios würden ihr Programm von HD-DVD-Filmen stark kürzen.

Philips macht Druck

Auf dem Fernsehmarkt will der Elektronik- und Fernsehersteller Philips mit Kooperationen die Einführung des neuen Standards forcieren. Zusammen mit Premiere baut der niederländische Elektronikkonzern eine entsprechende Settop-Box zum Empfang des neuen Signals, unterstützt den Sender beim Verkauf über das eigene Händlernetz und will auch gemeinsam mit Premiere auf Messen auftreten. Als Sponsor der FIFA erhofft sich Philips von der Ausstrahlung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in HDTV-Qualität einen erheblichen Absatzschub für die neuen Geräte. Allerdings werden in Deutschland das HD-Signal nur Premiere-Abonnenten empfangen können. ARD und ZDF übertragen die Spiele zwar im 16:9-Format, aber weiterhin nur in PAL.

Ronald de Jong, Mitglied der Geschäftsführung bei Philips, gibt sich dennoch optimistisch: Schon 2006 werde "das" Jahr für HDTV. Bis 2010 rechnet er mit einer flächendeckenden Verbreitung.

Renate Grimming/DPA DPA

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