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Intelligente Städte: Müllschlucker mit Hirn

Mit der Stadtbevölkerung wächst auch das Müllaufkommen. Während Mega-Citys in Müllbergen ersticken, nutzen einige Großstädte intelligente Technik, um Abfall sauber zu entsorgen oder Müllgebühren zu berechnen.

Von Jasmin Lörchner

Die Mülltonne der Zukunft gleicht einem Eisberg: Nur ein kleiner Teil ist zu sehen, der Großteil liegt unter der Oberfläche. Bei der modernen Mülltonne befindet sich unter der Erde ein Sammelbehälter, der nur zur Entleerung nach oben fährt. Der Vorteil: Abfälle unterirdisch zu lagern ist hygienischer. Kein Gestank mehr, der Kakerlaken oder Ratten anlockt. Und kein nasser Verpackungsmüll mehr, in dem sich - wie bei Malaria oder Dengue - Krankheitserreger oder deren Überträger vermehren. Und nicht zuletzt profitiert auch das Stadtbild von so viel Reinlichkeit.

Seit 2005 sind solche Sammelstationen schon im schweizerischen Bern im Einsatz und bei den Bürgern sehr beliebt. Wer Müll loswerden will, öffnet per Knopfdruck den Deckel der Einwurfstation und versenkt seinen Beutel. Für verschiedene Müllsorten gibt es verschiedene Löcher.

Ein Sensor überwacht den Füllstand des unterirdischen Containers. Ist dieser voll, rückt er automatisch zur Seite, und ein zweiter, leerer Behälter schiebt sich unter den Einwurf. Vergisst der Bürger, den Deckel zu schließen, erledigt die Automatik das ein paar Minuten später. Nachts blockiert sie den Deckel, damit niemand mit seinem Mülleinwurf die Nachbarn stört.

Für Großstädte ist diese Art der Müllentsorgung eine große Erleichterung, in Zukunft wird sie immer wichtiger. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt seit 2008 in den Städten, pro Jahr wächst die Stadtbevölkerung auf der Erde insgesamt um 60 Millionen Menschen.

Im Müll ersticken

Rund 900 Kilogramm Abfall produziert etwa ein Einwohner San Franciscos pro Jahr, im schwedischen Göteborg sind es rund 700 Kilo. Viele Ballungsräume schaffen es schon heute nicht, die Abfälle zu entsorgen. Dabei ersticken nicht nur die Mega-Citys ärmerer Länder im Müll. Das Desaster von Neapel 2007/2008 zeigt deutlich die Folgen, die politisches Versagen und technische Versäumnisse auch in westlichen Ländern haben.

Bis heute aber fehlt den meisten Großstädten eine geeignete Infrastruktur, die es auf Dauer mit ihrem Wachstum aufnehmen kann. In Kairo zum Beispiel landet der Müll unsortiert auf der Straße. Am Rande der Stadt existiert schon seit Jahren die "Müllstadt" Manshier Nasser. Dort leben die Müllsammler, die täglich Kairos Abfall zusammentragen.

Wenn sie abends aus Kairo zurückkehren, tragen sie Säcke voller Müll, größer als sie selbst. Diese Tonnen von Abfällen sortieren sie anschließend selbst - per Hand. Viele von ihnen leben zwischen den giftigen Müllbergen, die zum Himmel stinken. Kairo ist kein Einzelfall. Auch Mexiko City oder Delhi drohen in Müllbergen zu versinken.

Nur Tokio, die größte Stadt der Welt, bildet eine Ausnahme: 15 Millionen Tonnen Müll produzieren die 35 Millionen Menschen in der Metropolregion pro Jahr. Und doch ist davon kaum etwas zu sehen, denn die Japaner sammeln ihren Müll und nehmen ihn abends mit nach Hause, um ihn dort zu entsorgen. Mülltrennung aber ist auch für die meisten von ihnen ein Fremdwort.

Der Bürger denkt mit

In Deutschland dagegen - im Land der engagierten Mülltrenner - denkt nicht nur der Bürger mit. Beim Abtransport in Mönchengladbach und Bremen etwa ist auch intelligente Technik im Einsatz und regelt die Höhe der Müllgebühren. Dazu trägt die Abfalltonne einen RFID-Chip. "Die Funktechnologie ermöglicht die litergenaue Abrechnung des angefallenen Mülls", sagt Stefan Gerats von Cipher Lab, dem Unternehmen, das diese Technik entwickelt.

Auf dem Chip ist gespeichert, wie viel die leere Tonne wiegt und zu welchem Haushalt sie gehört. "Der Chip an der Tonne ist passiv", sagt Gerats, "er wird von einem Sender am Müllauto angesprochen und überträgt daraufhin die Daten. Das sind einmal Standarddaten, etwa wie groß die Tonne ist, wem sie gehört und ob der Besitzer die Müllgebühren bezahlt hat.

Außerdem überträgt der Chip variable Daten - in diesem Fall das Gewicht des Mülls in der Tonne." Dieses System trägt einerseits dazu bei, weniger Abfall zu produzieren. Andererseits verringert es die Kosten für die Stadt, weil das Müllauto nicht jede Woche anfahren muss.

Am Ende zählt die Müllvermeidung

Auf die Müllabfuhr kann auch die Stadt der Zukunft nicht verzichten. Denn die komplette unterirdische Beförderung von Abfall ist in Mega-Citys eher unwahrscheinlich. Schon jetzt leiden die Millionenmetropolen unter maroder Infrastruktur und unzähligen unterirdischen Leitungen für Gas, Wasser, Telefon. Den Untergrund noch weiter auszuhöhlen, um Tonnen von Abfall unterirdisch zu Deponien und Verbrennungsanlagen zu transportieren, birgt Risiken für die Bausubstanz und verursacht hohe Wartungskosten.

In den kommenden Jahren müssen Städte und Gemeinden deshalb die Müllentsorgung noch konsequenter angehen: Die Einwohner müssen lernen, ihren Müll vorzusortieren und nach Abfallart getrennt zu entsorgen. In einem Haus mit eigener Energieversorgung kann ein Teil des Mülls verbrannt und zur Wärme- oder Stromproduktion genutzt werden.

Was aber vor allem zählt, ist die Müllvermeidung. Gefordert ist deshalb auch die Verpackungsindustrie. Müll vermeiden lässt sich sogar beim Hausbau: Der schwäbische Architekt Werner Sobeck strebt ein vollständig demontier- und recyclebares Haus an: Er will Gebäude aus Schäumen oder Stoffen bauen und so einen Beitrag zur Müllvermeidung leisten.

FTD
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.