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Warnung vor 250 Modellen: Feuergefahr - wieso Kühlschränke eine ganze Wohnung in Brand setzen können

Kühlschränke brennen wie eine Fackel, sobald ihre Isolation Feuer fängt. Aber nur etwa die Hälfte alle Geräte schützt das gefährliche Material vor Flammen. Britische Verbraucherschützer raten bei 250 Modellen vom Kauf ab.

Eine Kühlschrank ist von Isolationsmaterial umgeben, wenn es Feuer fängt, brennt die Küche lichterloh (Symbolbild).

Eine Kühlschrank ist von Isolationsmaterial umgeben, wenn es Feuer fängt, brennt die Küche lichterloh (Symbolbild).

Getty Images

Im letzten Jahr erschütterte der Brand des Grenfell Towers in London die Welt. 71 Menschen starben, als sich das Hochhaus in eine lodernde Fackel verwandelte, aus der es keinen Ausweg gab. Die Ursache des Brandes war höchstwahrscheinlich ein defekter Kühlschrank der Marke Hotpoint. Das hat die Londoner Metropolitan Police bekannt geben.

Zu dem Flammeninferno kam es, als das Feuer in der Wohnung die Isolation des Towers in Brand setzte. Ein Grund für die Verbraucherorganisation "Which?" sich Kühlschränke und Kühlkombinationen genauer anzusehen (250 fridge freezers, fridges and freezers named Which? Don’t Buys over fire safety concerns). Und auch hier spielt die Isolation der Geräte eine wichtige Rolle.

Nur selten löst ein Kühlschrankdefekt einen Brand aus. Ein Drittel der Wohnungsbrände entsteht zwar durch Elektrizität, aber nur ein Teil durch Haushaltsgeräte – und davon sind die Kühlschränke wiederum nur ein Anteil. Which? gibt für Großbritannien und Kühlschränke acht Prozent an.

Brandbeschleuniger  in der Küche

Aber: Auch wenn die Ursache des Feuers woanders liegt, kann die Isolation des Kühlschranks in Brand geraten. Der Effekt entspricht dem des Grenfell Towers – in der Größendimension eines Kühlschranks, doch für eine Wohnung ist das bereits fatal. Die Isolation fängt nicht durch einen einzelnen Funken Feuer. Wird sie aber einer gewissen Zeit lang Flammen ausgesetzt, gerät sie in Brand. Dieser Isolationsbrand nährt sich danach selbst, der ganze Kühlschrank steht sofort in Flammen. 

Das Problem ist also die verstärkende Wirkung des Küchengeräts. Which hat sich daher den Brandschutz von 555 Geräten angesehen und rät von 250 Geräten ab. Achillesferse ist die Verkleidung an der Rückseite. Sie verhindert, dass Flammen auf die brennbare Isolation gelangen. Ausreichend feuerfest sind allerdings nur die metall- und aluminiumbeschichteten Rückwände. Eine Plastikbeschichtung bietet keinen ausreichenden Schutz. An 80 Geräten wurden echte Brandtests durchgeführt, diese Ergebnisse wurden aufgrund der Bauart auf die weiteren Modelle übertragen.

Peter Vicary-Smith, der Geschäftsführer von Which? sagte: "Die Menschen sind zu Recht empört, wenn sie erfahren, dass Hersteller und Händler potenziell unsichere Produkte verkaufen, die ihr Leben gefährden könnten." Wenn Hersteller und Händler nicht handeln und kunststoffbeschichtete Kühl-, Gefrier- oder Gefrierschränke zum Verkauf anbieten, müsse der Staat strenge Normen erlassen. Auch als "feuerfest" bezeichnete Kunststoffrückwände halten Flammen keine 30 Sekunden stand. Die Frage des Preises spielt bei der Sicherheitsausstattung übrigens keine Rolle. Auch Geräte, die über 1000 und sogar 2000 Euro verkauft werden, hatten eine Rückwand aus Kunststoff. Auf der Seite von Which? können hier alle Geräte abgefragt werden. Allerdings sind werden davon sind nicht unter der gleichen Bezeichnung in Deutschland angeboten. Bei einem Neukauf sollten sich deutsche Kunde beraten lassen und sich zusichern lassen, dass die Rückwand des Geräts entweder mit Aluminium kaschiert wurde oder aus aus Metall besteht.

Gefährliche Wohnungsbrände

Isolationsmaterialen und Kunststoffe im Haushalt führen ohnehin dazu, dass Wohnungsbrände heute viel gefährlicher sind als früher. In den USA wurde das vor zwei Jahren mit einem Experiment in den Underwriters Laboratories in Chicago demonstriert. Dort wurden zwei Wohnungen nachgebaut. Ein Apartment im Stil der 70er oder 80er Jahre mit echtem Holz und vielen natürlichen Materialien, das andere mit Mobiliar von heute mit vielen synthetischen Fasern, von den Vorhängen über die Couch bis hin zum Couchtisch. Vor 30 Jahren hatten die Bewohner etwa 17 Minuten Zeit, um einem Hausbrand zu entkommen, heute sind es nur noch drei Minuten. Die Gründe: Das Feuer brennt heißer, die Materialen sind leichter entflammbar und die Gase giftiger. Nach drei Minuten schlugen die Flammen im Experiment bereits durch die Decke der modernen Wohnung.