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Musik-Games: Rock 'n' Roll mit der Plastikgitarre

Berühmte Bands entdecken Musik-Games für Videospielkonsolen: Sie bieten ihre Hits zum Nachspielen an und gewinnen damit neue Fans und neue Vertriebswege.

Von Carsten Görig

Mit einem lauten Knall reißt die tiefe E-Saite. Rocklegende Pete Townshend, Gitarrist von The Who, nimmt's gelassen, ist ihm ja nicht zum ersten Mal widerfahren. "Passiert das im Spiel auch?", fragt er von der Bühne des Orpheum-Theaters in Los Angeles. Dort rockt er samt Band, eben um ein Spiel zu feiern. Ein Videospiel. Es heißt "Rock Band", und ab sofort können seine Käufer damit unter anderem den Who-Klassiker "Pinball Wizard" nachgniedeln.

"Rock Band" ist wie das Konkurrenzprodukt "Guitar Hero" eine Art Musikinstrumenten- Karaoke für die Videospielkonsolen Playstation, Wii und Xbox. Saiten reißen dabei nicht, denn die Plastikgitarre des Spiels hat gar keine, sondern stattdessen bunte Tasten und einen Kippschalter. Schräge Töne gibt es aber sehr wohl zu hören, wenn man sich verhaut. Ziel ist es nämlich, die richtigen Tasten zu treffen und den Kippschalter im Rhythmus der Musik zu bewegen. Die Vorgaben kommen vom Bildschirm: Bunte Punkte wandern darüber und geben an, welche farbige Taste wann gedrückt werden muss. Geht alles gut, kommen die richtigen Gitarrentöne aus der Konsole, ebenso die Begleitmusik und der Gesang für den kompletten Song. Greift man daneben, verstummt die Gitarre abrupt. Bei "Rock Band" gibt es zusätzlich zur Gitarre noch ein Schlagzeug und ein Mikrofon, die Instrumente werden als Zubehör an die Konsole angeschlossen.

Spieler können komponieren

Riesige Verkaufserfolge sind die zwei Musik-Games geworden. Jugendliche treffen sich zum Spielen im Keller, Kneipen zwischen New York und Helsinki veranstalten inzwischen Wettbewerbe, im Internet kursieren jede Menge Videos von "Auftritten" der Möchtegernstars. Auf der Games Convention in Leipzig, der größten Spielemesse der Welt, legen die Hersteller in dieser Woche nach: Sie zeigen eine Version von "Guitar Hero", bei der die Spieler mit den Plastikinstrumenten selbst Musik komponieren können.

Noch werden aber vor allem die Hits der Stars nachgespielt. Die entdecken einen neuen Absatzmarkt: Mehr als 25 Millionen Mal haben Spieler zusätzliche Musik aus dem Internet auf ihre Konsolen geladen - und dafür bezahlt. Aerosmith hat eine eigene Ausgabe von "Guitar Hero"; Guns'n'Roses bringt ihre Comeback- Single zuerst für "Rock Band" heraus; die Hardrocker von Metallica veröffentlichen ihr neues Album zeitgleich für Hi-Fi-Anlage und Spielekonsole. Selbst die Althippies von The Grateful Dead stellen ihre Klassiker für die Videospiele zur Verfügung. Jetzt feiern auf einmal Jugendliche, die noch nicht einmal geboren waren, als sich The Who das erste Mal auflösten, jeden Song der Band frenetisch - weil sie die Band aus dem Spiel kennen.

Im Grunde ist es egal, wie man Musik hört, findet The-Who-Sänger Roger Daltrey, der einfach sagt: "Danke für alles, was gute Musik unter die Leute bringt."

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