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Technikgeschichte: Der Ton-Träger

In fast jedem Tonbandgerät und Videorekorder der Welt steckt die Technik eines Ingenieurs aus dem schleswig-holsteinischen Wedel. "Magnetophon" hieß das Gerät von Eduard Schüller, der gerade 100 Jahre alt geworden wäre.

In fast jedem Tonbandgerät und Videorekorder auf der Welt steckt die Technik eines Ingenieurs aus Wedel (Kreis Pinneberg). Der Erfinder Eduard Schüller hat die Ringköpfe entwickelt, mit denen die Signale magnetisch auf Band aufgezeichnet werden. Das 1935 von der AEG in Berlin vorgestellte erste Tonbandgerät - damals Magnetophon genannt - stammt vor allem von Schüller. Seit 1945 arbeitete er für die AEG in Hamburg und seit 1955 in Wedel. Anlässlich seines 100. Geburtstages (geboren wurde er am 13. Januar 1904) präsentiert das Heimatmuseum Wedel jetzt bis zum 30. Mai sein Lebenswerk.

100 Patente angemeldet

Der Weihnachten 1933 zum Patent angemeldete Ringkopf und das 1953 für das Aufzeichnen von Fernsehbildern entwickelte Schrägspurverfahren mit rotierenden Magnetköpfen waren die Meilensteine in Schüllers Schaffen. Insgesamt hat der aus Schlesien stammende Sohn eines Postbeamten etwa 100 Patente angemeldet. So erhielt er 1972 - vier Jahre vor seinem Tod - als Mitglied eines Teams das Bundesverdienstkreuz für die bei Telefunken-Decca (Teldec) entwickelte TED-Bildplatte, mit der Fernsehbilder von Vinylplatten abgespielt werden konnten. Die Bildplatte wurde zum Flop, das Rennen machte die ebenfalls von Schüller entwickelte Videotechnik - mit Geräten der Konkurrenz.

Das große Geschäft hatten AEG und die Tochterfirma Telefunken mit ihren Tonbandgeräten gemacht, vor allem mit hochwertigen Geräten für Rundfunkanstalten und Tonstudios. Einige Jahre bedienten sie auch einen Massenmarkt. Das erste Gerät für den Heimgebrauch hatte der Elektrokonzern 1951 auf den Markt gebracht. "Obwohl es knapp 1000 Mark kostete, sind im ersten Jahr davon 10.000 Stück verkauft worden", berichtete der Ingenieur Gerhard Kuper, der Schüllers Geschichte aufgearbeitet hat. Es steht ebenso im Museum wie viele andere Originale. Auch alte Tonaufnahmen sind zu hören.

Überraschende Qualität bei der Stereo-Premiere

Dazu kommen die weltweit ersten in Stereo aufgezeichneten Konzerte aus dem Jahr 1943 - mit dem Donner der Flugabwehr im Hintergrund und lange bevor Radiohörer in Stereo empfangen konnten. Den Durchbruch für die Tonband-Technik brachte 1940 die Hochfrequenz-Magnetisierung von Walter Weber. "Die Qualität der Rundfunksendungen war so eindrucksvoll, dass die Kriegsgegner dachten, die Deutschen senden Tag und Nacht live", erzählte Kuper. Tatsächlich kam vieles vom Band.

Das Heimatmuseum Wedel ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr und sonntags zusätzlich von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Sven Bardua/DPA / DPA