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Benzinpreis: Die Angst vor neuer Ölkrise wächst

Der Nahost-Konflikt schürt die Angst vor einer neuen Ölkrise. Zwar hat der Ölpreis seinen Höhenflug vorerst gestoppt. Doch eine weitere Eskalation - womöglich mit iranischer Beteiligung - würde ihn explodieren lassen.

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte angesichts der Konflikte zwischen Israel und seinen Nachbarn diesem Zusammenhang vor weit reichenden Konsequenzen für die Wirtschaft: "Wenn der Iran-Konflikt eskaliert, droht eine neue Ölkrise", sagte Claudia Kemfert der Netzeitung. "Dann kann es ähnlich schwierig werden, wie in den 70er Jahren." Die Produktionsausfälle könnten dann "nicht mehr kompensiert werden". Der "Welt am Sonntag" sagte sie zur Entwicklung der Benzinpreise in Deutschland: "Wir können schon in den nächsten Wochen den Preis von 1,50 Euro je Liter überschreiten."

Es sei aber nicht damit zu rechnen, dass der Aufwärtstrend bei den Ölpreisen demnächst abebben werde, sagte ein Händler in London. "Jeder hat derzeit die 80 Dollar auf den Lippen." Am Markt gehe die Angst um, dass in den Konflikt zwischen Israel und Libanon auch Syrien und das große Ölexportland Iran hineingezogen werden könnten. Israel hat am Montag den sechsten Tag in Folge Ziele im Libanon und im Gazastreifen bombardiert. Bei den jüngsten Angriffen kamen mehr als 20 Menschen ums Leben. Ein Ende der Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht. Die Vereinten Nationen (UN) erwägen inzwischen die Entsendung einer weiteren Beobachtertruppe in das libanesisch-israelische Grenzgebiet.

Wie hoch liegt Ihre Schmerzgrenze beim Benzinpreis?

Der Preis für ein Barrel (knapp 159 Liter) der europäischen Leitsorte Brent kletterte am Montagmorgen zunächst auf einen neuen Rekordstand von 78,18 Dollar, fiel dann aber am frühen Nachmittag um mehr als einen Dollar auf 76,50 Dollar. Ein Barrel US-Leichtöl kostete zunächst bis zu 77,74 Dollar, verbilligte sich aber im Tagesverlauf auf 76,75 Dollar. Die höheren Ölpreise ließen auch gleich die Spritpreise an den Zapfsäulen ordentlich anziehen: Mit Beginn der Ferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland stiegen die Benzinpreise um drei Cent je Liter. Nach der Erhöhung durch Shell und Aral kostete ein Liter Superbenzin im bundesweiten Durchschnitt 1,43 Euro und Diesel 1,20 Euro.

Angstpreis: 100 Dollar pro Barrell

DIW-Expertin Kemfert bezeichnete die geopolitische Lage im Nahen und Mittleren Osten als "extrem instabil" und prophezeite einen rasanten Anstieg des Ölpreises, sollte sich die Krise verschärfen: "Dann wird man nicht nur 80 Dollar sehen, sondern Preise, die weit darüber hinaus gehen." Dann seien auch 100 Dollar pro Barrel nicht unwahrscheinlich, sagte sie. Der jetzige Öl-Preis ist nach Ansicht der Expertin aber noch keine Gefahr für die Konjunktur in Deutschland.

Angesichts der weiter steigenden Ölpreise haben die Grünen die große Koalition zu schnellerem und beherzterem Umsteuern in der Energiepolitik aufgefordert. Dies gelte besonders auch für Kraftstoffe, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn. So sollte überlegt werden, die Zulassung von Autos an die Einhaltung eines Höchstspritverbrauchs zu koppeln.

G8 verabschieden Aktionsplan

Die sieben führenden Industriestaaten und Russland (G8) haben unterdessen einen "Aktionsplan" für globale Energiesicherheit verabschiedet. Zugleich verständigten sich die G8-Staats- und Regierungschefs am Sonntag auf ihrem Gipfel in St. Petersburg auf einen Kompromiss zur künftigen Nutzung der Kernkraft. Mit Blick auf die Sonderrolle Deutschlands heißt es aber: "Wir erkennen an, dass die Mitgliedstaaten der G8 verschiedene Wege verfolgen, um eine sichere Energieversorgung und die Ziele des Klimaschutzes zu erreichen." Deutschland hat als einziges G8-Land den Atomausstieg beschlossen.

In Deutschland forderte die CSU erneut längere Laufzeiten von Atomkraftwerken. Die Industrie verlangte ein "Bekenntnis zur Kernenergie". Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) betonte, es bleibe beim unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg.

DPA/Reuters / DPA / Reuters

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