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Erster Freizeitpark für Senioren: Oma und Opa auf Zeitreise

Elvis, die Terracotta-Armee und ein Denkmal für die D-Mark: Der erste Freizeitpark für Senioren setzt vor allem auf Nostalgie – und erntet dafür schon vor der offiziellen Eröffnung Kritik.

Sammlerstücke wie Urkunden und Zeitungsausschnitte erinnern im Senioren-Freizeitpark in Borken an vergangene Tage

Sammlerstücke wie Urkunden und Zeitungsausschnitte erinnern im Senioren-Freizeitpark in Borken an vergangene Tage

Nach dem Ritt durch mehrere Tausend Jahre Geschichte muss sich Dieter Bartsch erst einmal hinsetzen. "Ob man das hier gebraucht hätte, weiß ich nicht", sagt der Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Borken in Nordhessen. Der 68-Jährige hat als einer der Ersten den neuen - nach eigenen Angaben bundesweit ersten - sogenannten Senioren-Freizeitpark besucht, der am Sonntag in Borken eröffnet wird. Die Ausstellung sei allein wegen ihres Umfangs beeindruckend. "Aber als Senioren-Freizeitpark erschließt es sich mir nicht", konstatiert der 68-Jährige.

In der Tat: Die rund 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche - das ist fast so groß wie eineinhalb Fußballfelder - sind eher eine nostalgische und zum Teil wirre Zeitreise. "Man soll sich an seine Jugendzeit erinnern", sagt Geschäftsführer und Initiator Richard Rode. Er hat die rund 20.000 Exponate in Jahrzehnten vor allem auf Flohmärkten zusammengesucht.

Weihnachtsgebäck zu jeder Jahreszeit

Zu jedem Thema gibt es unzählige Sammlerstücke. Los geht es im sogenannten Historischen Sportmuseum mit Medaillen, Urkunden und Zeitungsartikeln. Dann steht man plötzlich in einem Weihnachtscafé. "Das kommt überraschend und macht Spaß", argumentiert Rode. Dort gebe es das ganze Jahr Weihnachtsgebäck. Der Erste und der Zweite Weltkrieg werden schnell abgehakt, auch wenn ungeöffnete Care-Pakete zu sehen sind. Es folgen die 60er, 70er und 80er Jahre mit dem Mord an US-Präsident John F. Kennedy und einer Hommage an die D-Mark.

Einen großen Teil nimmt die China-Ausstellung ein, hier stehen ein mehrere Meter hoher lachender Buddha, ein goldener Thron oder 300 Kopien von Kriegern der Terracotta-Armee. "Die Senioren sagen: "Ich komme nicht mehr nach China. Toll, dass ich es mir hier anschauen kann"", sagt Rode.

"Das war wie ein Kurzurlaub"

Als Unterhaltungsprogramm gibt es unter anderem die Disco "Graceland" mit Elvis-Presley-Imitator oder ein Oldie-Wunschkonzert. Draußen soll Boccia möglich sein. "Das war wie ein Kurzurlaub", sagt Susanne Norwig von der Stadt Borken. Sie hofft auf neue Touristenströme. Auch der 78 Jahre alte Werner Fuhrmann ist begeistert. "Es ist kein Freizeitpark, aber man kann hier Freizeit verbringen. Das ist kein Kitsch, der hier steht." Er wolle mit seinem Enkel wiederkommen, sagt er.

Für Prof. Klaus Völker (65) bietet der Park dagegen zu wenig Aktivitäten. "Das ist viel zu museal", sagt der ehemalige Vorsitzende der Kommission "Jugend und Freizeit und Alterssport" der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Grundsätzlich sei es sinnvoll, Ältere zu berücksichtigen, "besser allerdings in Mehrgenerationen-Angeboten". Das sieht auch der Sozialverband VdK so. "Angebote für Senioren sollten nach Möglichkeit kostenlos sein und einen generationenübergreifenden Aspekt haben", fordert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Bewusst kein Senioren-Spielplatz

Völker betonte, er habe Sorge, dass die Senioren dort lediglich "passiv konsumieren". Stattdessen sei aber auch ein Parcours mit Balance-, Kraftausdauer-Übungen oder einem Geschicklichkeitsspiel denkbar. Vergleichbar wäre dies mit Senioren-Spielplätzen, die es bundesweit mittlerweile schon an vielen Orten gibt. "Man könnte zum Beispiel eine Wii-Station hinstellen", betonte der Senior-Professor, der noch an der Universität Münster lehrt.

Mit einem Senioren-Spielplatz hat das Ganze aber bewusst wenig zu tun. "Hier gibt's keinen Rummel, alles ist ruhig und gemütlich", betont Rode. Ob das das ist, was Senioren wollen? Rode ist sicher. "Ich weiß das, denn ich bin selbst ein Senior", sagt der 72-Jährige. Seniorenbeirat Bartsch dagegen sieht das skeptisch. "Ich denke, wir hätten es nicht gebraucht."

kup/Timo Lindemann/DPA / DPA
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