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Küche: Schmeckt's, Mr. President?

Wie geht es eigentlich in der Küche zu, wenn George W. Bush zum Staatsbesuch kommt? Eigentlich ganz routiniert, wenn da nicht die Jungs von der Security wären.

Wann passiert das mal im Leben?" In Herxheim-Hayna im Pfälzer Wald, einem 800-Seelen-Ort nahe der französischen Grenze, fühlt sich ein kleiner Mann geehrt. Karl-Emil Kuntz, 47, hat vom Bundeskanzler den Auftrag, den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bekochen, "den ersten Mann der Welt".

Eingeladen ist für Mittwochmittag ins Mainzer Schloss, die Nacht von Samstag auf Sonntag ist die letzte, in der Kuntz Schlaf findet. Die nächsten drei Nächte wird er durcharbeiten. 120 Gäste, die Crème de la Crème von Wirtschaft und Diplomatie! Nicht, dass er plötzlich das Kochen verlernt hätte, aber der Mann ist ein nervöses Hemd und wiegt bei 1,65 Meter Körpergröße gerade mal 50 Kilogramm. Weil es unablässig schneit und er mit Sicherheit ankommen möchte, setzt Kuntz die Abfahrt für Mittwoch 1.30 Uhr an. So sind die 100 Kilometer nach Mainz selbst im Schritttempo rechtzeitig zu schaffen. Nur eine Schlingerbewegung auf der spiegelglatten Fahrbahn nämlich, und der Vorspeisenspezialist, der der Sprachlosigkeit in den deutsch-amerikanischen Beziehungen mit einem "Dialog von Zander und Flusskrebsen" begegnen will, kann sich die Fischfarce von der Lkw-Wand kratzen.

Zum Glück ist Kuntz

nicht allein, gleich ein ganzes Trio guter Köche hat das Kanzleramt gechartert. Der Koch Nummer zwei heißt Hans Stefan Steinheuer und kommt aus Bad Neuenahr. Dienstag ist sein 46. Geburtstag, aber am Vorabend des Empfangs geht er trotzdem bereits um 22 Uhr zu Bett, immerhin im ruhigen Wissen, dass seine Lammschultern für 120 Personen schon mal bei 55 Grad im Ofen sind. Um zwei Uhr früh wird er sich mit ihnen nach Mainz aufmachen. Treffpunkt: fünf Uhr an der Kurmainz-Kaserne im Ortsteil Hechtsheim.

Im Bett muss er an seine Stammgäste denken. Als sie vernahmen, Steinheuer solle George W. Bush bekochen, sagten nicht wenige: "Tun Sie dem doch mal 'n bisschen Gift rein!" Zum Glück für Bush findet der Koch nichts an der Idee, wenngleich er sie "in Deutschland für weit verbreitet" hält. Erstens billigt Steinheuer, was der Texaner im Nahen Osten macht. Zweitens kann er den Präsidenten schlecht vergiften, ohne dass der Kanzler mit ins Tischtuch bisse. "Und das", gab Steinheuer seinen Gästen zu bedenken, "geht doch nicht."

Auch Johann Lafer, 47, der Dritte im Bunde, schläft kaum in dieser Nacht zum Mittwoch. Seine "Gebrannte Vanillecreme mit Hunsrücker Bratapfel" ist zwar längst vorbereitet, die Eigelb-Sahnemasse ist gestockt und lagert kühl. Aber die Herausforderung liegt weniger im Kulinarischen als im Logistischen. Lafer grübelt. Das Mainzer Schloss ist denkbar ungeeignet für einen Staatsempfang.

Montagmittag sind die Räume schon abgenommen, Herde, Kühlschränke und Dampfgarer installiert, für bombensicher erklärt und dann versiegelt. Da klingelt es Dienstag früh um 6.30 Uhr am Bett. Die Schlossbestuhlung? Abgelehnt! Binnen drei Stunden sind 120 Stühle samt schicken Hussen von Stromberg im Hunsrück nach Mainz am Rhein zu schaffen. Aber pronto, denn ab Dienstag 10 Uhr wird das Gebäude gesperrt, damit ein letztes Mal gesichert werden kann, dass nicht doch bin Laden hinter der Portiere lauert. 120 Stühle nebst Überzügen sind ein lösbares Problem. Aber keiner weiß, was noch alles kommen kann.

Kuntz, Steinheuer, Lafer - die drei von der Kochstelle haben in den vergangenen Jahren häufig zusammen gekocht, wenn diplomatische Offensiven kulinarisch zu unterfüttern waren, auf dem deutsch-französischen Gipfel 2000 etwa, am Tag der deutschen Einheit in Paris, einem Event für 1900 Gäste. Oder auf dem Gipfel mit Frankreichs Chirac und Polens Kwasniewski im Hambacher Schloss. Da liegt nah, dass das Kanzleramt erneut auf das bewährte Trio zurückgreift, zumal mit Mainz auch die räumliche Nähe der drei Rheinland-Pfälzer gegeben ist.

Mittwoch früh, fünf Uhr. Die Rollkommandos aus Herxheim, Neuenahr und Stromberg treffen in der Kaserne ein. Dort sollen die Lebensmittel in Kuntz' Kühl-Lkw umgeladen werden und Köche sowie Servicepersonal sich in einen Bus zwängen - zwei Fahrzeuge sind nur erlaubt. Je geringer ihre Zahl, desto geringer die Gefahr von Autobomben.

Die Ausweise der Teilnehmer sind Wochen vor dem Event allseitig fotokopiert und mit Passbild und Funktionsangabe an die Mainzer Staatskanzlei geschickt worden. Die hat die Unterlagen weiter ans BKA gereicht, wo die Beamten sie auf politische Vorstrafen ihrer Träger oder Beziehungen ins terroristische Milieu untersuchen - die Mädchen von der Tanztruppe Guldental eingeschlossen. Sonst hüpfen sie im Umkreis der Laferschen Stromburg zum Klatschmarsch, für George W. Bush sollen sie heute kellnern.

Obwohl die Teilnehmer lange feststehen, können die Feldjäger nicht alle auf ihrer Liste finden. Es ist herzlich früh, minus fünf Grad, und es schneit noch immer. Trotzdem müssen nun alle vor dem Bus ihre Taschen ausschütten und sich in einer Leibesvisitation auf Hieb-, Stich-, Schusswaffen und Sprengstoff untersuchen lassen. Köche, Personal und Tanztruppe stehen halbnackt in der Nacht, derweil die Feldjäger sich streiten, wen sie durchlassen sollen und wen nicht. Spürhunde durchsuchen den Bus. Die Beteiligten werden unwirsch. Die Feldjäger geben auf, die Sachen werden wieder eingepackt, und alle Menschen besteigen jetzt den einen Bus, der sofort so überfüllt ist, dass Steinheuer sich "wie in Indien im Überlandexpress" fühlt.

Von Polizeiwagen

vorn und hinten eskortiert werden die Köche, Bus und Kühl-Lkw nun unter Blaulicht in Richtung Schloss geleitet. Nur, dass die Polizei den Weg nicht weiß. An einer Straßensperre ist Schluss. Eine halbe Stunde streiten die Beamten - wo bitte geht's zum Schloss? Die Kolonne wendet und nähert sich auf einem anderen Weg. Diesmal ist er richtig, aber auf den Schlosshof darf der Tross deshalb noch nicht - die Genehmigung fehlt, für eine weitere halbe Stunde.

Endlich Einlass. Köche, Kellner und Tanztruppenmädchen werden im Museumstrakt des Schlosses zwischen Resten des römischen Imperiums ein letztes Mal durchleuchtet. Schuhe aus, Hemd aus, Hose aus, alle Taschen und Koffer wandern durch ein Flughafenkontrollgerät. Beine auseinander, Arme hoch, wo hat die Tanztruppe ihre Mollies versteckt? Schließlich bekommt, wer als sauber gilt, die "Hundemarke".

Als die Köche zurück in den Schlosshof dürfen, haben 20 Sicherheitsbeamte unangekündigt sämtliche essbaren Zutaten und vorgegarten Gerichte aus dem Kühl-Lkw geplündert und im Schlosshof ausgebreitet. Jede Kiste wird im Taschenlampenlicht geflöht. Was ist Aurora, Mehl oder Anthrax? Ist im Sahnebecher wirklich Sahne und nicht Nitroglyzerin? Ist das Butter oder Semtex?

Für sein Dessert hat Lafer zur Vorsicht pasteurisiertes Ei verwendet, um den Präsidenten und dessen Bild von Deutschland nicht mit Salmonellen zu vergiften - nun muss er zusehen, wie seine Gerichte auf der Erde stehen, die Sprengstoffsuchhunde mit ihren Pfoten zwischen die Schalen trapsen und mit ihren nassen Schnauzen an die Frischhaltefolien drücken. "Und was ist mit der Hygiene?", fragt Kuntz verzweifelt.

Die Security hat alles durcheinander gebracht - nun zieht sie sich zurück. Anpacken, was ist das? Die Köche müssen den Einkauf für 120 Personen eigenhändig in den zweiten Stock des Schlosses tragen. Als Kuntz den Raum sieht, in dem er kochen soll, muss er schlucken. Was ist das? Ein Tagungsraum? Nein, es ist der Umkleideraum von "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht". Außer Schminkspiegeln und Neonlicht hat er keine originäre Einrichtung. Immerhin - alle Küchengeräte sind aufgebaut. Jammern nützt auch nichts, sämtliche andere Räume sind von Scharfschützen belegt, die den Präsidenten und seine Entourage in alle Richtungen absichern sollen. "Muss der Kerl eine Angst haben!", sagt Steinheuer. Um sich zu helfen, breiten sich die Köche in den Korridor aus.

Wo sonst der Elferrat tagt und die Mainzer Hofsänger tirilieren, sollen also der US-Präsident mit Kanzler Schröder, Condy Rice mit Joschka Fischer und Kardinal Lehmann mit Jürgen Schrempp und Tommy Gottschalk speisen. Alle Gäste sollen binnen einer einzigen Stunde zufrieden, satt und dann möglichst wieder draußen sein.

Die Kavalkade des Präsidenten rauscht heran. Die Köche möchten kurz zum Fenster treten und zusehen, wie das aussieht, wenn der Mann die Ehrenformation abschreitet. Doch kaum tun sie einen Schritt, schon werden sie zurückgepfiffen und belehrt: Wer unbekannt am Fenster steht und von den Scharfschützen nicht eingeordnet werden kann, könnte schneller tot sein, als er denkt.

Ab jetzt arbeiten die Köche nur noch. Das Kochen selbst geht glatt, nur dass vor lauter Aus- und Einpacken, Durchleuchten und Beschnüffeln die Schlagsahne für Kuntz' Kartoffelemulsion verschwunden ist. Der Koch bekniet die Sicherheit, ein paar Beamte rauschen ab und kehren von irgendwoher rechtzeitig unter Blaulicht mit so viel Schlagsahne zurück, dass Kuntz gerettet ist.

In der Küche macht sich ein Amerikaner bemerkbar, den Lafer "die unsichtbare Klette" nennt. Immer steht er neben ihm und schaut ihm auf die Finger. Sieht Lafer selbst sich nach ihm um, ist er verschwunden. Wenn ein Präsidententeller angerichtet wird, ist "Klette" plötzlich wieder da und will, dass die Portion für Bush ausgetauscht wird gegen die von äh… "Take that one!", sagt er und deutet auf einen Teller, der sonst zu irgendeinem No Name, sagen wir BDI-Präsident Jürgen Thumann, gegangen wäre.

Im Saal selbst hat sich ein bulliger Glatzkopf mit schwarzem Anzug, Kaugummi im Mund und Knopf im Ohr am Präsidententisch postiert. Der "Man in Black" tauscht jeden Teller, jedes Glas, sämtliches Besteck und selbstverständlich auch die Serviette aus, alles, was für George W. Bush eingedeckt ist. Wäre das Präsidentenmesser vergiftet, müsste nun Protestantenbischof Huber vor den Schöpfer treten. Wäre es die Gabel gewesen, müsste stattdessen Roland Koch dran glauben, der auch unter den Gästen ist. Model Heidi Klum muss das gefährliche Spiel gekannt haben, sie ist, obschon eingeladen, gar nicht erst zum Lunch mit Bush erschienen.

Sie verpasst folgende Gänge: Dialog von Zander und Flusskrebsen mit Törtchen von Rahmkohlrabi an Haynaer Kartoffel-Schnittlauch-Emulsion Feines vom Eifler Lamm mit Thymiansenfkruste auf Gartenbohnenpanaché Komposition aus gebrannter Vanillecreme und Hunsrücker Bratapfel

Die Weine dazu:

2004er Birkweiler Rosenberg, weißer Burgunder Kabinett trocken, Weingut Johannes Kleinmann, Pfalz; 2001er Recher Herrenberg, Spätburgunder trocken "JS", Weingut Jean Stodden, Ahr; 1999er Burgunder Beerenauslese, Weingut Korrell, Nahe

Passen die Weine? Egal - der Präsident trinkt nicht, seit er in seiner Jugend ein Schluckspecht war, dann aber den Herrn erkannte und an seinem 40. Geburtstag dem Satan Alkohol abgeschworen hat. "Kein Alkohol" ist darum die einzige Vorgabe, die das Protokoll den Köchen vorgegeben hat. Ein Ausschluss, den Steinheuer für die Sauce zu seinem Hauptgang herzlich ignoriert, indem er den Ansatz aus gerösteten Lammknochen mit reichlich Rotwein ablöscht - wie auch sonst?! Insofern erliegt er den Einflüsterungen seiner Kundschaft doch ein wenig.

Vier Ereignisse unterbrechen den Service. Einer lässt fragen, was zum Teufel in der Kartoffelemulsion des Fischgangs war. Kuntz schaudert. Ringt da einer mit dem Atem? Ja, vor Entzücken. Es ist Gottschalk, der zwischen zwei Gängen das Rezept haben will. Dann lässt Doris Schröder-Köpf ihren Lammrücken zurückgehen - zu rosa. Als Nächstes stürzen alle Beamte herbei, als Lafer seine Tischflammenwerfer entzündet, mit denen die Vanillecremes ihren Zuckerspiegel erhalten. No fire, no fire, hört Steinheuer, der sich vom Durchbraten seines Lammrückens gerade langsam erholt.

Lafer selbst hört gar nichts mehr, seit am Präsidententisch anstelle der Vanillecreme ein Obstsalat verlangt wird. Da die Gerichte für sämtliche Gäste auf einmal in den Saal gebracht werden, kommt er mit dem Fruchtsalat in Wallung, auch, weil die ganze Security genau aufpasst, was Lafer in den Obstsalat tut. Ist er etwa für den Präsidenten? "No, the president just loves Creme brulée", erfährt Lafer. Der Salat geht an Laura Bush.

Alles lief bestens, die Köche dürfen nun zum Präsidenten. Zaghaft treten sie heran, George W. Bush aber springt lebhaft auf: "Please say hello to my wife, Mrs Laura Bush", sagt der Präsident, und "thank you for this wonderful lunch." Die Köche strahlen. "Das fand ich sehr nett und freundlich", sagt Steinheuer. Der kleine Karl-Emil Kuntz, dem der Präsident die Hand auf die Schulter legt, sagt: "Du meinst, die Sonne geht auf." Auch für Routinier Lafer, der Promis quasi sammelt, hat Bush "eine sensationelle Ausstrahlung, ein irres Charisma! Wenn der aufsteht und kommt und legt dir die Hand auf - wie du dich dann fühlst!"

Bis in den Abend räumen die Köche noch auf. Dann fahren sie durch die Nacht heim, ganz ohne Kontrollen. Endlich darf Kuntz wieder schlafen.

Bert Gamerschlag / print
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.