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arte-Reportage "Köche unter Dampf": "Es ist wie eine Sucht" – Warum viele Spitzenköche auf die Sterne pfeifen

Wer einen Michelin-Stern trägt, ist ein gemachter Koch. Aber ist das wirklich noch zeitgemäß? Warum viele Spitzengastronomen mittlerweile die Sterne boykottieren, erzählt die arte-Reportage "Köche unter Dampf".

Michelin-Stern

Spitzenköchin Maria Groß tauschte den Michelin-Stern gegen bodenständige Heimatküche

Wer für sein Restaurant mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wird, gehört zur Crème de la Crème der Kochgarde. Für Kevin Fehling, einer der jüngsten Köche Deutschlands mit drei Michelin-Sternen, ist der Guide Michelin das Wichtigste. Jeden November weiß man, ob man einen Stern verloren, gehalten oder dazugewonnen hat: "Es ist das Nonplusultra für einen Koch", sagt Fehling in der arte-Reportage "Köche unter Dampf" (Anm. d. Red.: Die Reportage ist noch bis zum 29.3. in der arte-Mediathek zu sehen). Aber ist das eigentlich noch zeitgemäß? Seit Jahrzehnten diktiert der Guide Michelin, welches Restaurant zur Spitzengastronomie zählt - und welches eben nicht.

Einige Sterneköche verzichten mittlerweile freiwillig auf ihren Michelin-Stern. Zum Beispiel Maria Groß, die einst eine der jüngsten Sterneköchinnen war und ihr Restaurant verließ, als sie merkte, dass sie immer mehr zum "Arschloch" wurde. Zudem wollte sie den Druck nicht mehr an ihre Mitarbeiter abgeben.

Kevin Fehlings großes Ziel, der das "The Table" in der Hamburger Hafencity betreibt, war es immer drei Michelin-Sterne zu kochen. Würde er den dritten Stern verlieren, würde er vermutlich aufhören zu kochen. Fehling liebt den Sternezirkus, den Druck sieht er eher sportlich. 

"Es ist wie eine Sucht"

Maria Groß widmet sich wieder ihrer Heimat Thüringen, arbeitet mit lokalen Produzenten zusammen und kocht, wie sie es am liebsten mag. Ohne Druck. Ohne Sternezirkus.

Sternekoch Matthias Diether kochte sechs Jahre im Gourmet-Restaurant "First Floor" im Palace Hotel Berlin. Mit einem Michelin-Stern wurde er ausgezeichnet, den Kampf um den zweiten Stern verlor der Spitzenkoch. Das hat ihn getroffen. Sein Leben hat er verbissen nur diesem Ziel gewidmet. "Es ist wie eine Sucht", sagt Diether in der Reportage. "Hast du einen Stern, willst du einen zweiten, und einen dritten." Seit zwei Jahren leitet Diether nun das "Alexander Chef's Table" in Tallinn, Estland. Fernab des Berliner Trubels versucht er hier eine Work-Life-Balance zu finden. Der Trend geht hin zum "Casual Fine Dining", weniger steif, weniger abgehoben und mit dem Chefkoch als Gastgeber.

So unterschiedlich die Motive der Spitzengastronomen auch sind, was alle drei vereint: die Liebe zum Kochen aus Leidenschaft und zu guten Zutaten aus bester Qualität. Der Strahlkraft der Sterne kann sich ein Spitzenkoch aber kaum entziehen, obwohl die Spitzenköche auch deren Schattenseite kennen, bleiben sie dennoch verlockend.

Hier können Sie die arte-Reportage "Köche unter Dampf - Sterneboykott in der Spitzengastronomie" in voller Länge sehen

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