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Schlachthof mit Öko-Siegel: Verstörende Aufnahmen: Rinder bluten bei lebendigem Leib aus - und sterben qualvoll

Für den Fleischgenuss müssen Tiere sterben. Die Frage ist aber wie. Tierschützer veröffentlichen grausame Aufnahmen aus einem Schlachtbetrieb. Das Erschreckende: Es handelt sich dabei um einen kleinen Schlachter mit Öko-Zertifizierung.

Schlachthof

Wer Fleisch isst, dem muss klar sein: Auch wenn die Tiere artgerecht gehalten werden, auf der grünen Wiese grasen durften und nicht in Massen gehalten wurden, der Tötungsvorgang bleibt der Gleiche. Die Betäubung folgt per Bolzenschuss ins Gehirn. Der soll gewährleisten, dass das Tier nicht mehr bei Bewusstsein ist, bevor ihm die Kehle fachmännisch durchschnitten wird, damit es ausblutet. Routine in Schlachthöfen, klare Regelungen in der Theorie. 

Dass die Realität anders aussieht, zeigen Videoaufnahmen der Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" (kurz: ARIWA) aus einem Schlachthof in Brandenburg, die dem stern vorliegen. Die Bilder, die mit versteckten Kameras am 30. Juli und 1. August dieses Jahres aufgenommen wurden, zeigen verstörende Bilder: Rinder werden mit Elektroschockern und Eisenstangen malträtiert, sie werden nicht richtig betäubt und sterben einen qualvollen Tod.

Bilder, die man aus großen Schlachthöfen kennt, in denen Tiere im Akkord geschlachtet werden. Die Fallhöhe hier: Die Aufnahmen von ARIWA stammen nicht von einem Großschlachter, sondern von einem kleinen Schlachtbetrieb der Hakenberger Fleisch GmbH. Die schlachten nur zweimal die Woche und dann nur etwa ein Dutzend Rinder. Im Vergleich: Große Schlachtbetriebe wie Tönnies zerlegen mehrere Tausend Tiere am Tag.

Grobe Fehler bei Betäubung und Tötungsschnitten  

Die Hakenberger Fleisch GmbH wirbt auf ihrer Homepage damit, dass sie Bio-zertifiziert sei. Man nehme die "Verantwortung für eine ruhige Entladung und eine stressarme Schlachtung" ernst und garantiere eine "fachgerechte Schlachtung".

Normalerweise bedeutet "stressarm" und "fachgerecht", dass das Tier mit einem einzigen Bolzenschuss betäubt wird. Einige Tiere im Brandenburger Schlachtbetrieb aber erleiden drei, manche sogar bis zu fünf Schüsse, weil sie immer noch nicht ordentlich betäubt sind. Das Entbluten ist der eigentliche Tötungsschritt, in dem die Halsschlagader durchtrennt wird. Auch hier passieren Fehler, die Schlachter setzen falsche Schnitte an, treffen eher in die Brust als in die Kehle, wie die Aufnahmen zeigen. 

Seit Januar 2013 gibt es in der EU eine einheitliche Schlachtverordnung. Dennoch kommt es immer wieder zu Fehlbetäubungen, das bedeutet, dass die Tiere durch Wiederkehr ihrer Empfindungs- und Wahrnehmungsfähigkeit den Schlachtprozess teilweise bewusst miterleben. Dadurch werden sie unerträglichen Schmerzen und Leiden ausgesetzt.

Tierschützer fordern Schließung des Schlachthofes

Die Videoaufnahmen zeigen deutlich, dass das auch der Fall im Brandenburger Schlachtbetrieb ist. Das ist daran zu erkennen, dass sich die Tiere immer wieder bewegen, beispielsweise indem sie ihren Kopf heben, obwohl schon die Kehle durchtrennt ist, oder durch qualvolle Laute, die die Rinder von sich geben.

Jens Winter, der Geschäftsführer der Hakenberger Fleisch GmbH, hat gegenüber "rbb24" bestätigt, dass es sich um Aufnahmen in seinem Unternehmen handelt. Er bezeichnete das Vorgehen seiner Beschäftigten als "nicht akzeptabel", ein Mitarbeiter dürfe den Hof nicht mehr betreten, ein anderer schlachte nicht mehr. Vorläufig sei auch der Schlachtbetrieb eingestellt worden, wie "rbb24" berichtet. (Der stern hat die Hakenberger Fleisch GmbH ebenfalls um eine Stellungnahme zu den Vorgängen in ihrem Betrieb gebeten, bis zur Veröffentlichung des Artikels aber keine erhalten.)

ARIWA pocht auf die Schließung des Schlachthofes. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz fordert sogar bundesweite Videoaufnahmen in Schlachtbetrieben, um Verstöße besser verfolgen zu können. Auch die zuständige Amtsveterinärin des Kreises, Simone Heiland, kündigte eine strafrechtliche Prüfung gegen einzelne Mitarbeiter an.

Quellen: ARIWA, rbb24