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Interview

Subway-Chef Deutschland: Herr Fux, sind Ihre Sandwiches wirklich so gesund, wie Sie behaupten?

Dem Fast-Food-Riesen Subway ging es in Deutschland nie zuvor so gut wie jetzt: Der Umsatz steigt, die Gästezahl wächst. Nur mit der Zutatenliste der Produkte scheint sich der Chef noch nicht auseinandergesetzt zu haben. Ein kommentiertes Gespräch mit Subways Deutschland-Chef Hans Fux.

Subway

Bei Subway-Chef Hans Fux sitzen die Zahlen, weniger die Antworten auf die Inhaltsstoffe in seinen Sandwiches

"Das Jahr 2017 war das erfolgreichste Jahr für Subway in Deutschland und darüber möchte man natürlich gern erzählen." Selbstbewusst steigt Subway-Chef Hans Fux ins Gespräch mit dem stern ein. Anfang des Jahres hat der stern kritisch über die Wirtschaftslage von Subway in den USA geschrieben. Dort laufen dem Unternehmen die Kunden davon. Anders in Deutschland. Seit 2011 wächst der Fast-Food-Riese. Aus diesem Grund suchte der Subway-Manager persönlich das Gespräch mit uns. Allerdings lief das anders als erwartet …

Herr Fux, wählen Sie ein 15 Zentimeter oder ein 30 Zentimeter langes Sandwich?

Das kommt immer darauf an, wie viel Hunger ich habe. Das ist das Schöne bei unserem Konzept: Der Gast hat die Möglichkeit zu entscheiden, welche Länge er haben möchte, ob im Menü oder einzeln – und welche Zutaten er auf dem  Sandwich, dem Sub, haben möchte.

Welche Antwort ich mir gewünscht hätte: keinen einleitenden PR-Jargon, sondern seine persönliche Vorliebe.

Honey Oat, Parmesan Oregano, Italian, Vollkorn oder Sesam?

Je nach Tagesstimmung wechsle ich ab. Mein persönlicher Favorit ist das Chicken-Teriyaki-Sandwich mit Parmesan Oregano.

Geht doch.

Scheibenkäse oder Frischkäse? Getoastet oder ungetoastet?

Scheibenkäse. Getoastet.

Das ist ein ganz schön langer Fragenkatalog. Ist das nicht viel zu kompliziert?

Genau dafür lieben uns unsere Gäste. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal: die individuelle Zusammenstellung nach den Wünschen der Gäste. Frisch belegt vor den Augen mit all den frischen Zutaten.

Auf die frischen Zutaten komme ich später zurück.

Ein Franchisenehmer aus den USA sagte jüngst zum "Business Insider": "Ich denke, wir erreichen unsere Zielgruppe und die Menschen generell nicht mehr." Subway war mal eine der angesagtesten Ketten der Welt, heute spricht sie eher das Bahnhofspublikum an. Was ist passiert?

Wir blicken auf sechs erfolgreiche Jahre zurück. 2017 ist das erfolgreichste Jahr, seit wir 1999 in Deutschland sind. Auf bestehender Fläche haben wir 4,5 Prozent Umsatzwachstum und was uns besonders stolz macht, dass wir 1,2 Prozent Gästewachstum haben. Somit kann ich diese Aussage für Deutschland nicht teilen.

Was ist Ihr Bestseller?

Chicken-Teriyaki ist das beliebteste Sandwich in Deutschland.

Auch das Lieblingssandwich des Chefs.

Welches Sandwich war ein Flop und hat es deshalb nicht ins Dauer-Sortiment geschafft?

Wir gucken uns immer den Menü-Mix an und sehen, was die Gäste lieben. Manchmal wechseln wir auch ein Angebot. So haben wir beispielsweise das Pulled-Pork-Sandwich jetzt fest in unser Sortiment integriert.

Ich hatte nach einem Flop gefragt. Deshalb frage ich noch einmal nach.

Aber welches Sandwich hatte keinen Erfolg?

Für unsere Franchise-Partner ist logischerweise das Wichtigste ein zu 100 Prozent funktionierendes Franchise-System. Das heißt, bevor wir ein Produkt launchen und in den Markt geben, durchläuft es eine wahnsinnig lange Testphase. Und somit können wir relativ sicher sagen, welches Produkt erfolgreich sein wird. Wir haben sicherlich Produkte schon einmal getestet, die nicht funktioniert haben und deshalb nicht weiter verfolgt wurden.

Es gibt bei Subway anscheinend keine Flops. Oder aber man redet nicht gern darüber. Ich hake weiter nach. Auf die Frage, ob Fux ein Beispiel für einen Flop habe, weiß der Subway-Chef leider keine Antwort. Später erreicht mich folgende nachgereichte Antwort.

"Als Beispiel für ein Produkt, das es nicht in das Sortiment geschafft hat, kann Falafel genannt werden, das in den langen, strukturierten Prozessen nicht genügend überzeugen konnte und den Weg in die Filialen daher nicht geschafft hat."

Eine richtig klare Antwort ist auch das nicht, aber immerhin.

Warum sollte man noch sieben Euro für ein Sandwich ausgeben, wenn man für drei Euro einen Döner erhält?

Wenn ich mir Umfragen des Test-Verbraucher-Panels der NPD-Gruppe (Anm. d. Red.: ein amerikanisches Marktforschunginstitut, der Test wurde aber in Deutschland durchgeführt) ansehe, dann kommen Gäste zu uns, weil sie die Qualität und die Frische lieben und dafür bereit sind, den entsprechenden Preis zu bezahlen.

Nie waren die Deutschen dicker als heutzutage. Sie verkaufen Fast Food. Glauben Sie nicht, dass Sie als Anbieter zum Übergewicht der Deutschen beitragen?

Nein, definitiv nicht. Wir haben in unserem Sortiment allein sieben Sandwiches, die unter 300 Kilokalorien haben. Das macht unser Konzept aus: Der Kunde kann wählen, was er gern hätte. Und er kann immer wieder auf die Auswahl von frischen Salaten zurückgreifen. Und sich auch das Sub als Salat zusammenstellen lassen. Wir sind die gesündere Alternative zu Fast Food.

Sind Subway-Sandwiches gesund?

Ja, sie können durchaus gesund sein.

Zur Vorbereitung des Gesprächs habe ich mir die neunseitige Zutatenliste von Subway, die man sich im Internet als PDF herunterladen kann, genauer angesehen und lege sie im Interview dem Subway-Chef vor. Sie ist zwar für US-Produkte ausgelegt, es ist aber üblich, dass die Inhaltsstoffe internationaler Fast-Food-Riesen meist nur minimal schwanken. Die Inhaltsstoffe für die deutschen Produkte sind nicht öffentlich einsehbar.

Wie erklären Sie sich dann die Zugabe von Enzymen in Ihren Broten, die aus der Zutatenliste von Subway hervorgeht? Die Subway-Produkte sind der Liste zufolge voll von gesundheitsbedenklichen Stoffen: Farbstoffen, Enzymen, Konservierungs- und Zusatzstoffen. Das Chemische Untersuchungsamt Stuttgart geht beispielsweise davon aus, dass Enzyme wie Amylasen, die gentechnisch hergestellt werden, Allergien und Asthma zur Folge haben können. Wie können Sie noch rechtfertigen, dass Ihre Produkte gesund seien?

Man könnte meinen, der Subway-Chef Deutschland ist auf Fragen wie diese vorbereitet. Ist er aber nicht. Eher schockiert sieht er die Zutatenliste an. Es entsteht nicht die erste peinliche Stille im Gespräch. Ich erhalte keine Antwort und werde auf ein später verwiesen. Auch als ich Fux auf andere Weise versuche, eine Antwort zu entlocken, werde ich enttäuscht. Oft geben Chefs großer Unternehmen vor, die Antwort nicht zu wissen und vertrösten auf später, kommen aber nie wieder darauf zurück. In diesem Fall, scheint der Subway-Chef die Antwort wirklich nicht zu kennen.

Nachträglich erhalte ich per Mail von Subways PR-Agentur folgende Antwort im typischen PR-Sound:

"Die Liste der Inhaltsstoffe, auf die Sie sich beziehen, ist eine Liste unserer Produkte in den USA. Während wir anstreben weltweit das Gleiche, großartig schmeckende Produkt anzubieten, gibt es lokale Unterschiede.

Eine essentielle und gebräuchliche Zutat beim Brotbacken sind Enzyme. Sie sorgen für eine verbesserte Textur und erhöhen das Volumen des Brotes. In unseren Broten lässt sich keine Spur der Produktionskeime der Enzyme nachweisen.

Nach Angaben der World Allergy Organization / CDC besteht das Risiko von Asthma oder allergischen Reaktionen auf Alpha-Amylasen aufgrund einer längeren berufsbedingten Aussetzung damit in Umgebungen der industriellen Backwarenproduktion."

Nur zur Info: Laut Subway werden die Brote in den Filialen frisch per Hand gemacht, heißt das nicht, dass die Mitarbeiter Enzymen ausgesetzt sind? Auf meine schriftliche Nachfrage erhalte ich diese Antwort:

"Der Teig kommt in unseren Restaurants ungebacken und gefroren an. Die Gärung findet in den Restaurants statt. Danach wird das Brot mehrmals täglich frisch gebacken. Alpha-Amylasen-Exposition tritt während dieser Phasen nicht auf."

In den USA mussten 2017 909 Subway-Läden schließen. Die USA sind oft Trendsetter. Haben Sie nicht Angst, dass dieser Trend irgendwann rüberschwappt?

Das Erfolgs-Konzept kann der Subway-Chef vermutlich im Schlaf abspulen:

Es kommen immer mehr und mehr Gäste zu uns. Das Filialnetz wächst. Wir befinden uns in einer Markentransformation. Wir wollen jeden Deckel hochheben und gucken, wo wir was verändern können, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Dazu gehört die neue Visual Identity mit neuen Farben, Typologien, neuem Logo, Marketingmaterialien und einem neuen Dekor.

Sie sagen, Sie wollen jeden Deckel hochheben und werben damit, dass Ihre Produkte gesund seien, betreiben Sie nicht Greenwashing mit solch einer Zutatenliste? 

Auch auf diese Frage erhalte ich keine Antwort. Nicht einmal eine typische PR-Floskel. Später erreicht mich folgende Antwort per Mail.

"Wir bewegen uns hin zu einfacheren Zutaten, weil es für unsere Subway Kunden wichtig ist. Alle Produkte des Subway Menüs in Deutschland sind frei von Farbstoffen künstlicher Herkunft. Wir entfernen auch künstliche Zusatzstoffe."

Auf das Thema des Greenwashings geht der Subway-Chef nicht mehr ein – auch nachträglich nicht. Zumindest ziehen sie eine Veränderung zu "einfacheren Zutaten" in Betracht, was auch immer das heißen mag. Wirklich zufriedenstellend waren aber selbst die nachgereichten Antworten nicht. Vielleicht beim nächsten Mal.

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