Sachsen bleibt bei der Beschäftigung von Frauen bundesweit Spitzenreiter. Im Freistaat lag die Beschäftigungsquote von Frauen im vergangenen Jahr bei 64,8 Prozent und damit höher als in allen anderen Bundesländern, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Bundesweit lag die Quote bei 60 Prozent.
Rund 775.000 Frauen in Sachsen waren demnach zuletzt sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Insgesamt leben im Freistaat etwa 1,2 Millionen Frauen im erwerbsfähigen Alter. Ein Grund für die im Bundesvergleich hohe Quote sei die traditionell hohe Erwerbsneigung von Frauen in Sachsen, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen, Klaus-Peter Hansen.
Sachsen im Bundesvergleich
Im Ländervergleich folgt Sachsen-Anhalt mit einer Quote von 63,7 Prozent auf Platz zwei, dahinter liegen Bayern (63,6 Prozent) sowie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (je 63,4 Prozent). Die niedrigsten Werte weisen Bremen (51,6 Prozent), das Saarland (54,0 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (56,8 Prozent) auf.
Innerhalb Sachsens zeigen sich deutliche Unterschiede. Die höchsten Beschäftigungsquoten von Frauen gibt es in den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (68,0 Prozent) und Erzgebirgskreis (67,5 Prozent). Am niedrigsten liegen die Werte in den Städten Leipzig (61,5 Prozent) und Chemnitz (61,6 Prozent) sowie im Landkreis Görlitz (63,1 Prozent).
Viele Frauen arbeiten in Teilzeit
Mehr als jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet allerdings in Teilzeit. Von den rund 775.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen sind etwa 424.000 und damit 55 Prozent in Teilzeit tätig. Gründe dafür sind unter anderem familiäre Verpflichtungen, aber auch der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten.
Die Teilzeitquote sei im Freistaat auch höher als im gesamtdeutschen und ostdeutschen Vergleich, teilte das Wirtschaftsministerium in Sachsen mit. Dort lag der Wert mit Stand Juni 2025 jeweils bei 50,8 Prozent.
Vor diesem Hintergrund sei die aktuelle Debatte um die Teilzeit "mehr als überflüssig und unsinnig", erklärte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) anlässlich des Frauentages am 8. März. Die Entscheidung für Teilzeit sei für Frauen häufig der Weg, Beruf und Privatleben überhaupt vereinbaren zu können. Statt über die Abschaffung der Teilzeit zu diskutieren, sollten lieber Fehlanreize wie das Ehegattensplitting beseitigt werden, so der Minister.
Im Februar hatte es innerhalb der Union eine Diskussion um die Teilzeit gegeben. Ein Antrag des Wirtschaftsflügels zum CDU-Bundesparteitags trug den Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit". Nach viel Kritik wurde der Antrag geändert.
"Armut ist weiblich. Frauen verdienen im Schnitt weniger, übernehmen den Großteil unbezahlter Sorgearbeit und arbeiten häufiger in Teilzeit. Das führt zu finanzieller Abhängigkeit – und erhöht das Risiko für Altersarmut", sagte Sophie Koch, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Besonders problematisch sei die Situation für Alleinerziehende sowie für Frauen, die von Gewalt betroffen seien.
Beschäftigungsquote gestiegen - zuletzt aber leicht gesunken
Die Beschäftigungsquote der Frauen ist in Sachsen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Lag sie 2014 noch bei 59,9 Prozent, erreichte sie 2022 mit 66,0 Prozent einen Höchststand. Der anschließende leichte Rückgang wird laut Arbeitsagentur vor allem damit erklärt, dass durch die Fluchtmigration aus der Ukraine die Zahl erwerbsfähiger Frauen gestiegen ist, viele von ihnen jedoch zunächst Integrations- und Sprachkurse besuchen.
Frauen arbeiten in Sachsen besonders häufig in Dienstleistungsberufen, etwa im Gesundheitswesen, in der Erziehung oder in kaufmännischen Tätigkeiten. Gleichzeitig sind sie meist gut qualifiziert: Rund 93 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen verfügen über einen Berufs- oder Hochschulabschluss.