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Interview

Crystal Meth: Ein Ex-Junkie erzählt: "Die Drogen waren wie ein Magnet"

Dominik Forster, 29, hat in seinem Leben viele Drogen genommen: Speed, Ecstasy, Crystal Meth. Am Ende war er so paranoid, dass er glaubte, Käfer würden unter seiner Haut krabbeln. Seine Geschichte ist die eines Absturzes. Und die einer Rettung.

Dominik Forster

Dominik Forster ist jung, gerade einmal 29. Aber er ist schon ein Held. Der Held eines modernen Dramas, das er selbst erlebt hat. Es handelt von Drogenexzessen, falschen Freunden, Knast, Schulden, Paranoia. In der Hauptrolle: er selbst. Dominik Forsters Geschichte muss erzählt werden, weil sie jeden treffen kann. Drogen kennen kein Alter, keine sozialen Schichten.

Der Nürnberger war ein Junkie, hat Speed gezogen, Ecstasy genommen – dann auch Crystal Meth. Eine Überdosis hat ihn beinahe umgebracht. Heute ist er seit acht Jahren clean, trinkt nicht einmal mehr Alkohol. Und er geht an Schulen, erzählt seine Geschichte und will Schüler vor dem Teufelskreis Drogen warnen. 

Wie ist ihm diese beeindruckende Wandlung gelungen?

Dominik Forster hat dem stern seine Geschichte erzählt. Selbstverständlich ist das nicht. Viele seiner Weggefährten können das nicht mehr.

Dominik Forster - vom Junkie zum Buchautor
Forster ging auf eine Hauptschule in Nürnberg. Als Schüler hasste er diesen Ort, er wurde gemobbt und verprügelt. Heute geht er freiwillig dorthin - um Schüler und Schülerinnen vor Drogen zu warnen.

Forster ging auf eine Hauptschule in Nürnberg. Als Schüler hasste er diesen Ort, er wurde gemobbt und verprügelt. Heute geht er freiwillig dorthin - um Schüler und Schülerinnen vor Drogen zu warnen.

1. Teil: Kindheit zwischen Bier und Kippen

Drogen sind schlecht. Und: Keine Macht den Drogen. Das haben die Lehrer in der Schule zu uns gesagt. Ich erinnere mich an die Aufkleber, auf denen diese Sprüche standen. Was die bedeuten, habe ich nie verstanden. Es gab ja auch niemanden, der sie erklärt hat. Dafür hat mir mein Papa erklärt, dass ich niemals das Rauchen anfangen darf – mit Kippe im Mund und Bierflasche in der Hand. Meine Eltern haben wahnsinnig viel geraucht, jeder mindestens 40 Kippen am Tag. Und immer parallel. Unsere Wohnung war total verqualmt, ich hasste das. Mir war als Kind nicht bewusst, dass mein Vater Alkoholiker ist. Das habe ich erst später herausgefunden. Für mich war das normal. Ich bin zwischen vollgestopften Aschenbechern und Bierflaschen aufgewachsen. Dennoch waren meine Eltern sehr liebevoll.

Im Jahr 2000 bin ich auf die Hauptschule gekommen. Ich wollte eigentlich auf die Realschule oder das Gymnasium, weil da meine Kumpels waren. Das habe ich aber nicht geschafft. Auf der Hauptschule habe ich zum ersten Mal realisiert, dass ich viel kleiner, schmaler und ängstlicher war als alle anderen. Ab Tag 1 war ich das Mobbing-Opfer, bekam jeden Tag auf die Fresse. Meine Mitschüler haben mich angespuckt, mir die Hausaufgaben weggenommen, im Sportunterricht warfen sie Basketbälle nach mir. Mit meinen Eltern habe ich nie darüber gesprochen, weil die eigene Probleme hatten. Ich hatte Angst, dass ich ihnen noch mehr Ärger bereite.

2. Teil: 'Ey, Alter! Meine Zähne wachsen!'

2004 war ich mit der Schule fertig. Ich wollte einen Neuanfang, einfach mal raus und neue Leute kennenlernen. Also bin ich auf eine Jugendreise mitgefahren. Ich habe mich dort mit ein paar Leuten angefreundet. Der Coolste der Gruppe war der, der am meisten geraucht, gesoffen und gekifft hat. Weil ich dazugehören wollte, habe ich das auch gemacht - allerdings erst nach einem Jahr nüchtern daneben sitzen.

Das Erste, was ich sinnlos in mich reingepresst habe, war eine Maß Bier zusammen mit 20 Schnäpsen. Bier habe ich eigentlich gehasst - wegen meines Vaters. Ich habe gesoffen ohne zu wissen, wie es wirkt. Ich habe mir gedacht: 'Naja, wenn der Coolste der Gruppe der ist, der am meisten trinkt, dann trinkst du gleich doppelt so viel.' Das hat natürlich nicht geklappt. Ich bin zusammengebrochen, hab' die ganze Bar vollgekotzt, U-Bahn, S-Bahn, Waldweg, mein ganzes Zuhause. Weil ich auch Blut gekotzt habe, dachte ich, dass ich sterben muss.

Eine Woche später kam ich wieder zu dieser Gruppe und alle haben mich gefeiert. Die fanden das irre cool, wie viel ich gesoffen habe und was für ein geiler Typ ich bin. Diese Anerkennung hatte ich davor noch nie.

Das war der Schlüsselmoment.

Ich war ab sofort Teil der Gruppe und auch dabei, wenn mal der Joint rumgereicht wurde. Der coolste Typ der Gruppe kam eines Tages zu mir und meinte: 'Jetzt komm mal mit auf Toilette, ich muss dir was Wichtiges zeigen.' Das war mein erster Speed-Konsum. Ich weiß noch ganz genau, ich saß in dieser typischen Barkabine, vollgeschmiert und vollgekritzelt. Er hat dann das weiße Pulver rausgeholt und gesagt, 'Das ist Pep. Wenn du das nimmst, hast du den geilsten Tag deines Lebens.' Und dann war die Frage: Höre ich auf das, was mir alle sagen? Dass Drogen schlecht sind? Oder höre ich auf den Coolsten der Gruppe? Natürlich habe ich auf ihn gehört. Da war ich 17.

Wir sind dann in den Z-Bau in Nürnberg gegangen. Von dem Laden hieß es auch immer: 'Z-Bau, da sind die Drogenabhängigen. Da darfst du nie hin, weil es extrem gefährlich ist.' Meine Freunde haben damals Techno gehört oder Drum N‘ Bass. Ich habe dieses Speed geschnupft und war neugierig, was jetzt Grandioses passiert. Während ich gewartet habe, dass das Zeug endlich anfängt zu wirken, war ich quasi schon voll im Modus. Alles war wahnsinnig hell. Ich war total selbstbewusst. Sonst bin ich mit hängenden Schultern rumgelaufen. Auf Speed war ich plötzlich der Coole. Ich bin dann auf die Tanzfläche, obwohl ich in meinem Leben noch nie zuvor getanzt habe. Und da war der Drum N‘ Bass-MC, der irgendwas ins Mikro gerappt hat. Ich hab‘s nur als 'Ramamnamanam' wahrgenommen. Aber das war das Geilste, was ich je zuvor gehört habe. Acht Stunden habe ich nonstop abgetanzt.

Das Runterkommen vom dem Trip war schlimm. Ich bin heim zu meinen Freunden, alle haben geschlafen. Nur ich nicht. Ich hatte meine Augen geschlossen, dachte aber, dass ich etwas sehe. Mein Herz hat wie wild gerast, ich hatte Bauchschmerzen und habe gedacht, dass meine Zähne wachsen. Das habe ich auch allen mitgeteilt. 'Ey, Alter, meine Zähne wachsen! Was soll ich jetzt machen?' Alle haben gelacht, alle haben es gefeiert. Am Schluss hatte ich einen richtigen Zungenbelag. Meine Zunge war richtig aufgequollen, mit offenen Schnitten. Geschlafen habe ich erst drei Tage später.

"Ich bin der Freak mit der Sonnenbrille": Forster beim Feiern mit Freunden

"Ich bin der Freak mit der Sonnenbrille": Forster beim Feiern mit Freunden

Getty Images

Wegen meiner Zunge bin ich im Anschluss zum Arzt. Der meinte, das könnte Mumps sein, da muss man aufpassen. Nach jeder Speed-Einheit hatte ich wieder 'Mumps' und wusste dann: 'Aha, das ist eine Nebenwirkung, aber scheißegal. Das ist die beste Zeit meines Lebens.' Innerhalb von drei Monaten habe ich so ziemlich alles an Drogen ausprobiert, was es gibt - außer Crystal und Heroin. Es war dann aber auch nur eine Frage der Zeit bis das Crystal kam. Ich kannte das unter dem Namen 'C'.

Die Drogen waren wie ein Magnet. Ich habe mich mit allen möglichen Leuten angefreundet, Drogenleuten. Die, die mir in der Schule immer auf die Fresse gehauen haben, waren jetzt meine neuen Freunde. Die Mädels waren immer erschrocken und sagten: 'Ah, was machst du da? Das ist gefährlich, wirf dein Leben nicht weg.' Aber an dem Funkeln in ihren Augen habe ich gesehen, dass sie voll drauf abfahren.

3. Teil: Mein Wochenende? Eine einzige Party

Von 17 bis 19 habe ich jeden Tag gekifft. Ich wollte so viel wie möglich zu mir nehmen. Zu der Zeit hatte ich zwei Freundeskreise: Mit dem einen habe ich Joints geraucht, mit dem anderen Speed gezogen und Ecstasy geworfen. Meine Wochenenden waren eine einzige Party.

Unter der Woche habe ich in der Firma meines Papas eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation gemacht. Mein Ausbildungsgehalt von 400 Euro hat am Anfang super gereicht für alle möglichen Drogen. Doch dann wurde es immer mehr. Am Tag habe ich bis zu 50 Bong-Köpfe geraucht und fünf Gramm Speed gezogen. Ich habe dann selbst gedealt – Gras, Speed, Ecstasy. Wobei ich auch sagen muss: Ich war mein bester Kunde. In zwei Jahren habe ich zwei Kilo Speed geschnupft. Verkauft habe ich nicht viel, vielleicht ein paar Hundert Gramm.

Reise in die Vergangenheit: An der U-Bahnhaltestelle Plärrer in Nürnberg vertickte Forster früher Speed. In unmittelbarer Nähe lag das Kriminalamt. Forster fühlte sich deshalb "wie ein King".  Heute rührt Forster nicht einmal mehr Alkohol oder Zigaretten an.

Ein LSD-Trip war besonders heftig: Wir waren im WON feiern, einem ehemaligen Club am Kohlenhof. Mein Outfit: Unterhemd, Sonnenbrille, Goldkette. Über die Tanzfläche ging eine Brücke. Ich war voll auf Droge und dachte, ich sei Hitler und müsse eine Rede über die Entstehung der Weltgeschichte halten. Ich stand auf der Brücke, habe drei Stunden geredet und dachte, ich könne lauter reden als die Boxen. Und dass mir alle zuhören. Am Ende habe ich gesagt: 'Wenn ihr mich als Führer anerkennt, dann hebt die Hände.' In dem Moment muss der DJ gesagt haben: 'Put your hands in the air!' Und alle sind ausgerastet. Ich dachte dann, ich sei der King. Dass ich jetzt alles erreicht habe im Leben. Mir kam dann die Vision, es wäre doch toll, wenn ich jetzt von dieser Brücke springe und mein Kopf auf der Tanzfläche zerplatzt. So als ultimativer Abgang. Ich wollte gerade auf diese Brücke steigen, da reißt irgendein besoffener Typ an mir und meint: 'Hey, gehen wir noch was saufen.' Von einem Augenblick auf den anderen war der Moment weg. Ich wäre da allen Ernstes runtergesprungen, hätte mich dieser Besoffene nicht angesprochen.

Pilze haben wir auch genommen. Von denen durfte man aber höchstens ein Gramm essen. Ein Kumpel und ich haben uns fünf reingehauen, aber niemandem davon erzählt. Dann sind wir völlig abgedreht und niemand wusste, was mit uns los war. Unsere Freunde, die Zerstörten, waren das aber gewohnt. Das ist es ja: Alle, die es feiern, sind noch kaputter als man selbst. Die Normalen halten sich fern und denken sich: 'Oh Gott, was sind das für Irre?'

4. Teil: Der Absturz

Mein Körper hat irgendwann angefangen zu rebellieren: Ich habe die ganze Zeit gekotzt, weil ich von dem Speed völlig zerstört war. Dann kam noch die Paranoia dazu. Ich dachte, ich habe Käfer unter der Haut, die ich mir rausschneiden muss - und ich habe das auch getan.

Ein Kumpel hat mir dann meinen Speed-Vorrat abgenommen und meinte: 'Bruder, vertrau mir, ich pass auf dein Zeug auf, bis du wieder klarkommst.' Er hat das Zeug aber hinter meinem Rücken vertickt und wurde von der Polizei erwischt. Natürlich hat er ihnen verraten, dass es meins ist. Und ihnen auch von meinen Plänen erzählt, Gras anzubauen. Die Polizei ist dann mit einem Sondereinsatzkommando bei mir einmarschiert und hat mir mit neun Jahren Haft gedroht. Verurteilt wurde ich dann wegen der eineinhalb Kilo Speed. Zwei Jahre und sechs Monate Haft habe ich bekommen. Vier davon habe ich in Erwachsenenhaft verbracht, acht Monate in Hochsicherheitsjugendhaft. In Erwachsenenhaft kommt man ganz gut durch, wenn man nicht einen auf Mimose macht oder ein Verräter ist. Die Jugendhaft war schrecklich. Da gibt‘s nur Täter oder Opfer – entweder du fickst oder du wirst gefickt. Da sitzen Leute, die ihre Mutter bei lebendigem Leib mit der Axt zerstückelt haben. Richtige Psychopathen.

Also habe ich beschlossen, eine Therapie zu machen. Nicht, weil ich eine Therapie machen wollte. Sondern einfach, weil ich dem Alltag des Jugendknasts entfliehen wollte. Ein Jahr war ich auf Therapie, habe aber Null verstanden, was die von mir wollten. Ich habe dann gemerkt, dass ich denen einfach erzählen kann, was sie hören wollten. Das habe ich auch gemacht und sie meinten dann: 'Du hast dich so super entwickelt. Klasse, Domi.'

2012 war ich in Adaption. Das ist quasi der Zwischenschritt zwischen der Therapie und dem normalen Leben. Ich habe in einer betreuten Wohngemeinschaft gewohnt, konnte aber auch raus zum Einkaufen. Man muss ja irgendwann wieder damit anfangen, an der Realität teilzunehmen. Einige Leute haben Liquid Ecstasy ins Haus geschmuggelt und mich gefragt, ob ich etwas davon haben will. Erst habe ich mich gewehrt, dann aber doch zwei Kapseln genommen. Das war direkt eine Überdosis.

Dominik Forster (2. von rechts) hatte während seiner Drogenzeit zwei Freundeskreise: Mit dem einen kiffte er. Mit dem anderen nahm er Speed und Ecstasy.

Dominik Forster (2. von rechts) hatte während seiner Drogenzeit zwei Freundeskreise: Mit dem einen kiffte er. Mit dem anderen nahm er Speed und Ecstasy.

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Wir hatten an dem Abend einen Stadtausgang genehmigt bekommen und sind dann in einer Drogenwohnung gelandet. Wir waren zu siebt. Fünf sind zusammengebrochen, inklusive mir. Wir lagen auf dem Boden und haben weißen Schaum gekotzt. Wir wären fast gestorben. Die zwei, denen es noch gut ging, haben aber nicht den Notarzt gerufen. Stattdessen haben sie auf uns erstickende und verreckende Menschen eingetreten und Handyvideos gemacht. Das war wieder ein Schlüsselmoment für mich: Zum einen weil ich zum ersten Mal verstanden habe, dass Drogen mich umbringen können. Und zum anderen, weil es niemanden interessiert, wenn man stirbt. Meine neuen Freunde haben mir nicht geholfen, sondern auf mich eingetreten. Zum Glück war Facebook damals noch nicht so groß. Sonst wäre das traurigerweise ein Internethit geworden.

Die Therapieeinrichtung hätte mich nach dem Vorfall eigentlich wieder ins Gefängnis stecken müssen. Hat sie aber nicht. Stattdessen haben sie mir die Auflage gemacht, mir eine Nachsorge zu suchen. Ich habe mich dann an die Drogenberatung Mudra in Nürnberg gewandt und festgestellt, dass die wirklich helfen.

Als ich Ende 2012 aus der Therapie kam, gab es mein Zuhause nicht mehr. Ich habe realisiert, dass mein Vater schwerer Alkoholiker war. Er saß nur noch vor der Glotze und hat sich in die Hose gemacht. Meine Mutter war süchtig nach Schmerzmitteln, hat sich in meinem alten Kinderzimmer eingesperrt und sich dort geritzt. Im ersten Jahr nach der Therapie war ich obdachlos, habe mal da gepennt, mal dort. Ich war zu der Zeit 24, hatte 23.000 Euro Schulden, war drogensüchtig, paranoid und kam gerade aus dem Knast. Ich brauchte Hilfe. Ich musste mein Leben umkrempeln.

5. Teil: Ein Neuanfang

Am Plärrer in Nürnberg habe ich schließlich eine kleine Wohnung gefunden – schimmlig, versifft, ein totales Loch. Da saß ich dann, hochtraumatisiert und total kaputt. Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Ich lebte von Tag zu Tag und fragte mich, warum ich überhaupt noch da war.

Bei der Drogenberatung Mudra habe ich den Sozialarbeiter Norbert Wittmann kennengelernt und ihm erzählt, dass ich noch nie ein Buch gelesen habe. Ich wollte aber ein Buch über meine Geschichte schreiben. Wittmann ist in Schulen gegangen, um die Schüler über Drogen aufzuklären und hat mich eines Tages mitgenommen. Das hat richtig gut funktioniert, obwohl ich nur meine verrückten Storys erzählt habe. Alle haben zugehört. Man hätte eine Stecknadel fallen hören. Da wusste ich: Das ist deine Aufgabe.

Mittlerweile gehe ich seit einigen Jahren in Schulklassen und kläre auf. Ich habe viele Freunde und Weggefährten an Drogen verloren, auch an Alkohol. Mein Papa hat sich behindert gesoffen. Meine Mutter hat sich an Medikamenten behindert konsumiert. Auch ich wäre fast an Drogen gestorben. Aus diesen Erfahrungen ziehe ich meine Motivation.

Den Schülern an den Schulen sage ich immer: Mit 17 habe ich gedacht, der Sinn des Lebens besteht darin, 300 Frauen wegzuknallen und Partys zu feiern. Aber das ist Schwachsinn. Der Sinn im Leben besteht darin, seinen Weg zu finden, einen Beruf auszuüben, der einem Freude bereitet und die Leidenschaft im Leben zu entdecken. Partys und Feiern und Drogen ist nur eine Blase, die nicht echt ist. Am 1 . September werde ich meine Freundin heiraten. Vor ihr hatte ich nie eine richtige Beziehung mit Ehrlichkeit und Treue. Sie ist einer der Gründe, weswegen ich noch da bin.

Mein Körper ist durch die Drogen ziemlich zerstört, obwohl ich gesund aussehe. Ich habe eine posttraumatische Belastungsstörung, psychische Krankheiten, Panikattacken, Paranoia. Ich war knapp sechs Jahre in therapeutischer Behandlung um an mir zu arbeiten. Meine Bauchspeicheldrüse ist kaputt, ich habe chronisches Asthma. Irgendeine Stelle meines Körpers ist immer entzündet, mal schmerzt der Arm, mal die Schulter, dann das Handgelenk. Ich gehe deshalb zu einem Rheuma-Spezialisten, mit 29. Neu hinzugekommen ist, dass mir die Zähne unglaublich wehtun – bei jedem Essen, bei jeder Bewegung. Ich denke, viel von den Drogen hat sich im Zahnfleisch abgelagert und schimmelt da vor sich hin. Es gibt Tage, an denen ich mich wie ein Pflegefall fühle.

Mich stört, dass auf Drogensüchtige immer mit dem Zeigefinger gezeigt wird. Dass die Experten in Talkshows ÜBER Drogensüchtige reden, anstatt MIT ihnen. Drogen-Dokus im TV sind immer gleich aufgebaut: Ein Sprecher mit depressiver Stimme spricht über Junkies. Junkies sind die, die sogar Abflussreiniger saufen. Normale Menschen denken sich dann: 'Oh Gott, wie verrückt sind die denn?' Und Junkies schütteln mit dem Kopf und sagen dann: 'Was für ein Mist!' Das macht den Spalt zwischen beiden Lagern immer größer. Das Gefährliche an Drogen ist, dass sie zu Beginn wahnsinnig toll sind. Warum spricht das keiner offen aus?

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über Chat ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Für Kinder und Jugendliche steht die Nummer gegen Kummer von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr zur Verfügung - die Nummer lautet 116 11.

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